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Abramowitsch muss Rede und Antwort stehen

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Es war der dritte Prozesstag um Roman Abramowitsch, gestern vor dem Freiburger Zivilgericht. Und wie bereits schon am ersten Tag erschien der 52-jährige russische Ölmagnat und FC-Chelsea-Besitzer, einer der reichsten Männer der Welt, persönlich in der Saanestadt – was wie schon beim Prozessauftakt für ein erhebliches Polizeiaufgebot sorgte.

Abramowitsch steht zusammen mit einem früheren Geschäftspartner und dem russischen Ölunternehmen Gazprom Neft als Beklagter eines Zivilprozesses vor Gericht. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung fordert von den Beklagten die Rückzahlung von 46 Millionen Franken plus Zinsen. Die Bank macht die Beklagten für den Konkurs der damals in Freiburg domizilierten Firma Runicom AG verantwortlich – in Zusammenhang mit einem Kredit, der Runicom 1997 von einer russischen Bank gewährt wurde. 17 Anwälte sind involviert, die Unterlagen umfassen mehr als 2500 Seiten. Eine aus­sergerichtliche Einigung hatte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung bereits am ersten Prozesstag abgelehnt (die FN berichteten).

Ganzer Wust an Dokumenten

Abramowitsch musste gestern im Zeugenstand Platz nehmen und drei Stunden lang bei unzähligen Fragen Rede und Antwort stehen. Diese kamen von Gerichts­präsident Stéphane Raemy, seinen eigenen Anwälten Cedric Berger und Alain Köstenbaum, den Anwälten der Bank von der Zürcher Kanzlei Lenz und Staehelin sowie von den Anwälten seines Mitbeklagten. Inhaltlich drehten sich die Fragen um die konkrete Involvierung von Abramowitsch in die Geschäfte der Runicom, die Umwandlung der Freiburger Runicom AG in die in Gibraltar domizilierte Runicom Ltd., die Integration des Ölunternehmens Sibneft in die Gazprom-Tochter Gazprom Neft, aber auch um signierte Jahresberichte, Kreditkartenabrechnungen und den damaligen Runicom-Verwalter Georges Jucker. Ein ganzer Wust an Beweismaterialien wurde dem Beklagten vorgelegt, und alles wurde fein säuberlich ins Russische übersetzt.

Chef von 65 000 Personen

Abramowitsch antwortet mit leiser Stimme – und fast immer mit «Nein», «Ich kenne diese Person nicht» oder «Ich erinnere mich nicht». Abramowitsch will von der Runicom-Pleite nie etwas gewusst haben. Jucker habe er nie getroffen, und seine Funktion bei Runicom sei lediglich eine «nominale» gewesen; als eine Art «Botschafter» des Unternehmens in Moskau. Er habe wohl eine Runicom-Kreditkarte besessen, aber nur für den Gebrauch im Ausland, weil der Gebrauch von Kreditkarten damals in den 1990er-Jahren in Russland noch nicht verbreitet gewesen sei. Sämtliche Ausstände dieser Karte habe er stets zurückbezahlt. Auch was den fraglichen Millionenkredit betrifft, der Anlass zu diesem Prozess bietet, hielt der russische Oli­garch eisern daran fest, dass seine Firmengruppe im Laufe ihrer Geschichte immer sämtliche Kredite zurückgezahlt habe. Zu seinen vielen abschlägigen Antworten gab er auch ein persönliches Statement ab: Der Grund dafür sei, dass sein Firmenkonsortium bereits damals über 50 Unternehmen umfasst habe, mit rund 65 000 Angestellten. Da sei es nach menschlichem Ermessen gar nicht möglich, alle Details zu kennen.

Bis der Prozess zu Ende ist, dürften Wochen, wenn nicht Monate verstreichen. Die nächste Sitzung ist für kommenden Mittwoch anberaumt. Abramowitsch selber wird dann nicht mehr persönlich in Freiburg erscheinen, wohl aber sein Mitbeklagter.

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