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Adrenalin und blaue Flecken

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Angst vor blauen Flecken dürfen Downhill-Fahrer nicht haben. Wenn sie auf ihren Mountainbikes den Berg hinunterjagen, mit bis zu 70  km/h über Stock und Stein und Wurzeln brettern, über Schanzen springen und halsbrecherisch zwischen Bäumen hindurchkurven, dann gehören Stürze zur Tagesordnung. Eisspray, Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Pflaster befinden sich denn auch in jedem gut ausgestatteten Erste-Hilfe-Koffer der «Downhiller». So auch bei Janine Hübscher. Die 21-jährige Plaffeierin startet heute als eine von sechs Schweizerinnen an der Mountainbike-WM auf der Lenzerheide im Downhill.

Eine Gehirnerschütterung, zwei Handgelenkbrüche, eine Zerrung am Sprunggelenk sowie die obligaten blauen Flecken, Prellungen und Schürfungen hat sich Hübscher in den letzten zwei Jahren zugezogen – trotz umfassender Schutzausrüstung. «Eigentlich bin ich bisher ganz gut davongekommen», sagt sie mit einem Schmunzeln. «Je höher das Rennniveau, desto seltener die Stürze. Bei Rennen des Schweizercups oder im Europacup muss aber mindestens einmal pro Tag die Ambulanz oder die Rega kommen.»

«Nach den Rennen muss ich meiner Mutter immer sofort eine SMS schreiben und melden, dass ich noch heil bin.»

Janine Hübscher

Downhill-Mountainbikerin

 

Wünscht sich ihre Mutter angesichts dieser Tatsache nicht, die Tochter würde einfach Tennis spielen? «Oh ja, da wäre sie ganz sicher froh», sagt Hübscher. «Meine Mutter findet es zwar cool, dass ich Downhill fahre, und sie ist auch mega stolz auf mich. Aber nach den Rennen muss ich ihr immer sofort eine SMS schreiben und melden, dass ich noch heil bin, oder dass zumindest nichts Schlimmes passiert ist.»

«Bergauf war mir zu mühsam»

Seit sie sieben Jahre alt ist, sitzt Hübscher regelmässig auf ihrem Mountainbike. «Mein Vater war Präsident des Bike­clubs Sense-Oberland, meine Mutter Trainerin. Das Radfahren wurde mir quasi in die Wiege gelegt.» Auch ihre beiden Schwestern sind Mountainbikerinnen. «Im Gegensatz zu ihnen bin ich aber nie Cross-Country-Rennen gefahren. Mir war es immer zu mühsam, aufwärts zu fahren. Ich habe bald gemerkt, dass ich lieber den Berg hinunterdüse.»

Bis sich die Senslerin ganz dem Downhill hingab, dauerte es aber noch einige Zeit. Erst vor vier Jahren wechselte sie die Disziplin. «Der damalige Freund meiner Schwester ist selber Europacup-Rennen gefahren und hat mich einmal auf eine Downhill-Piste mitgenommen. Da war es um mich geschehen.» Zwei Jahre später startete Hübscher erstmals beim iXS European Downhill Cup. Dieses Jahr folgte die erste komplette Saison auf zweithöchster Rennstufe und der erste Podestplatz, als sie in Spicak (CZK) Zweite wurde.

Von Null aufs Podest in zwei Jahren

In zwei Jahren von Null aufs Podest – das wäre im Tennis kaum denkbar. In einer Randsportart, wie es das Downhill trotz steigender Popularität nach wie vor ist, sind mit viel Talent und einer nicht allzu grossen Konkurrenz solche Exploits durchaus möglich. «In der Schweiz kommt man im Downhill relativ schnell voran», erklärt Hübscher. Zurzeit gebe es etwa acht gute Fahrerinnen, die regelmässig Rennen bestreiten, und mit Emilie Siegenthaler eine Schweizer Profifahrerin. «International ist das Niveau aber sehr hoch, zumindest bei den ersten vier, fünf Athletinnen.»

«Das Gefühl, dein Bike zu beherrschen und einen Lauf ins Ziel zu bringen, das ist geil.»

Janine Hübscher

Downhill-Mountainbikerin

 

Man könne im Weltcup durchaus unter die Top  15 fahren, auch ohne dass man alles ins Downhill investiere. Hübscher ist dies vor zwei Monaten mit dem 14. Platz in Val di Sole (ITA) erstmals gelungen. «Aber um es ganz nach vorne zu schaffen, braucht es extrem viel. Die besten Fahrerinnen sind richtige Maschinen, physisch und mental top. Und sie verfügen über ein perfektes Umfeld.»

Während die Spitzenfahrerinnen einen ganzen Staff um sich haben und sich zu 100  Prozent aufs Fahren konzentrieren können, fährt Hübscher meist alleine zu den Rennen. «Der Vater von Yannick Bächler (siehe Kasten) hilft mir bei schwierigen Reparaturen am Bike. Alles andere, was es sonst noch braucht, um das Bike für den nächsten Tag wieder instandzusetzen, mache ich selber», sagt die Studentin. Auch ohne Entourage belaufen sich ihre Ausgaben pro Saison auf rund 4000 bis 5000  Franken. «Das Verschleissmaterial wie Bremsen, Bremsbeläge und Reifen sowie die Reisen und die Übernachtungen bei den Rennen gehen ins Geld. Auch wenn ich einige Male im Auto übernachtet habe, ist doch einiges zusammengekommen.»

Vertrauensbeweis von Swiss Cycling

Anders als im Cross Country, wo die Fahrer stets die Konkurrenz im Blick behalten und auch mal taktisch fahren müssen, gibt es im Downhill keine Planspiele. Die schmale Gratwanderung zwischen Sturzgefahr und maximalem Tempo fasziniert und reizt Hübscher beim Downhill stets von Neuem. «Es ist ein geiles Gefühl, einen Lauf runterzubringen. Das Gefühl, dein Bike zu beherrschen, und das Adrenalin, das du spürst, wenn du einen Fehler machst oder auf einen Sprung gehst, das ist unbeschreiblich.»

Den möglichst perfekten Run möchte die Plaffeierin auch an diesen Tagen an der Mountainbike-WM ins Ziel bringen. Die offiziellen Qualifikationsanforderungen von Swiss Cycling – zwei Top-15-Plätze oder ein Top-7-Platz im Weltcup – hat die Senslerin zwar nur zur Hälfte erfüllt. Dennoch wurde sie vom Verband für die Rennen auf der Lenzerheide selektioniert – was durchaus als Vertrauensbeweis vonseiten des Verbands an die 21-Jährige gewertet werden darf. Swiss Cycling ist offensichtlich von ihrem Talent überzeugt und traut ihr in Zukunft einiges zu, sonst hätte der Verband sie kaum berücksichtigt.

Allerdings hat Hübscher in letzter Zeit auch fleissig dafür gesorgt, dass der Verband sie nicht übergehen konnte. An der Schweizer Meisterschaft ist sie Zweite geworden, nur drei Sekunden hinter der Siegerin, die im Weltcup regelmässig in die Top  10 fährt. Auch im iXS European Downhill Cup wusste Hübscher zu überzeugen und war bei ihrer Premiere als Vierte klar beste Schweizerin im Gesamtklassement. Und schliesslich hat sie jüngst ihre Fähigkeiten auch bei den Trainings mit dem Schweizer Nationalteam unter Beweis gestellt: Bei den internen Wettläufen auf der WM-Strecke stellte sie die zweitbeste Zeit auf.

Lieber technisch als schnell

Letzteres lässt für die kommenden Tage, wenn sich Hübscher mit den weltbesten Fahrerinnen misst, einiges erhoffen – obwohl die WM-Strecke oberhalb der Rothorn-Talstation der jungen Freiburgerin nicht sonderlich behagt. Der Parcours, der in Zusammenarbeit mit der britischen Downhill-Legende Steve Peat geplant und gebaut wurde, misst 2,2 Kilometer, weist 413  Höhenmeter und durchschnittlich 18  Prozent Gefälle auf und gilt als einer der schnellsten im Rennzirkus. «Ich habe es lieber, wenn es sehr technisch und nicht so schnell ist», erklärt Hübscher. Im letzten von drei Trainingslagern mit dem Nationalteam auf der Lenzerheide habe sie sich aber etwas mit dem Parcours anfreunden können. «Ich habe mir immer wieder gesagt, dass ich positiv eingestellt sein muss und dass ich auch auf dieser Strecke Spass haben kann. Inzwischen habe ich ein besseres Gefühl.»

So blickt Hübscher mit viel Zuversicht dem heutigen Qualifikationslauf (11.30  Uhr) entgegen. Die 40 besten der Quali können am Sonntag um das Regenbogentrikot der Weltmeisterin kämpfen. «Da nur 35 Fahrerinnen an den Start gehen, werde ich die Quali wohl problemlos schaffen», sagt Hübscher mit einem Augenzwinkern. Was am Sonntag dann möglich sei, sei schwer abzuschätzen. «Weil ich wenig Erfahrung im Weltcup habe, weiss ich nicht, wo ich im Vergleich mit den Besten stehe. Zwischen Platz  10 und 30 ist alles möglich.»


Eine bestimmte Rangierung hat sie sich nicht zum Ziel gesetzt, «aber ich weiss, welche Konkurrentinnen ich unbedingt schlagen will». Ohne Angst, aber mit gesundem Respekt wird Hübscher ins Rennen steigen. Und dann wird sie auf ihrem Bike den Berg hinunterjagen und hoffen, dass sie irgendwie heil ins Ziel kommt. Auch ihrer Mutter zuliebe.

Downhill-WM

Britischer Zweikampf um den WM-Titel

Im Kampf um den WM-Titel im Downhill zeichnet sich bei den Frauen ein britisches Duell ab. Rachel Atherton und Tahnée Seagrave, die grossen Dominatorinnen der letzten Wochen im Weltcup, steigen als grosse Favoritinnen ins Rennen.

Die 30-jährige Atherton hat in ihrer Karriere so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der 23-jährigen Sea­grave gehört derweil die Zukunft. Wer wie sie in einer Saison drei Weltcup-Rennen gewinnt, der gilt als ernster Kandidat für Gold. Doch auch die letztjährige Weltcup-Gesamtsiegerin Myriam Nicole (FRA) will nach überstandener Verletzung wieder ein Wörtchen mitreden. Oder gibt es wieder eine überraschende Siegerin wie Miranda Millar (CAN) an der letzten WM in Cairns?ms

Downhill-WM. Programm: Heute Freitag: Qualifikation Frauen und Männer (11.30 Uhr). Sonntag: Final Frauen (13.00). Final Männer (14.30).

Yannick Bächler

Comeback nach einem Beinbruch

Neben der Plaffeierin Janine Hübscher nimmt mit Yannick Bächler auch ein Sensler Downhill-Fahrer an der WM auf der Lenzerheide teil. Der 17-Jährige aus Giffers startet bei den Junioren.

Seit vier Jahren rast Bächler mit seinem Bike den Berg hinunter. «Vorher habe ich Eishockey gespielt, doch irgendwann habe ich den Spass daran verloren. Über einen Onkel, der Downhill fährt, bin ich dann zu diesem Sport gekommen», sagt der junge Sensler.

Downhill ist heute bei den Bächlers eine echte Familienangelegenheit. Vom Downhill-Virus haben sich auch Yannicks jüngerer Bruder und sein Vater anstecken lassen, auch sie fahren inzwischen Rennen. «Wir drei und unsere Mutter reisen immer zusammen zu den Rennen. Wir haben einen kleinen Bus umgebaut, damit wir darin kochen und schlafen können. Oder wir mieten uns an den Renndestinationen eine Wohnung. Mein Vater macht die Mechanikerarbeiten und repariert unsere Bikes, die Mutter kocht und verarztet uns, wenn es wieder mal nötig ist», sagt Yannick Bächler mit einem Lachen. Zehn Rennen bestreitet der junge Polymechaniker in einer Saison – und opfert dafür auf der Arbeit seine ganzen Ferientage.

Mit einem mulmigen Gefühl

Für den WM-Qualifikationslauf kehrt Bächler heute mit einem etwas mulmigen Gefühl auf die Strecke auf der Lenzerheide zurück. Vor drei Monaten hatte er sich hier den Oberschenkel gebrochen und konnte seither keine Rennen mehr fahren. «Ich muss schauen, dass ich wieder langsam reinkomme. An der WM geht es für mich nicht um das Resultat, sondern in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln.»

In der kommenden Saison möchte Yannick Bächler auch Weltcup-Rennen bestreiten. Wegen seines Alters konnte er bisher nur im Europacup an den Start gehen. ms

 

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