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Algen sind der neue Speck

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Landen künftig Insekten, Mehlwürmer und Algen auf unserem Teller? Könnten uns der Klimawandel, der Treibhauseffekt, die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen, die Wasserknappheit eines Tages zwingen, unsere Ernährung umzustellen? Auf jeden Fall beeinflussen sie die Ernährungskette. Armut und Hunger sind weitere Faktoren: Derzeit leben rund 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde, und jedes Jahr werden es 78 Millionen mehr. Bereits jetzt leidet knapp eine Milliarde Menschen an Hunger.

Angesichts der globalen Herausforderungen und des Bevölkerungswachstums sind Visionen gefragt. Die Ausstellung «Food Revolution» im Gewerbemuseum Winterthur versucht, die dringlichsten Fragen in den vier Themenbereichen Farm, Markt, Küche und Tisch zu beantworten.

«Farm» und Komposttoilette

In der Ausstellung geht es auch um Ökologie. Im Themenraum «Farm» wird die Komposttoilette der Wohngenossenschaft Equilibre vorgestellt. 2018 wurde im Ökoquartier Les Vergers in Meyrin (Genf) eine Kompost­toilette, so wie sie in Alphütten noch vorzufinden ist, installiert. Urin wird zu Pflanzendünger filtriert. Regenwürmer wiederum fressen den Kot und tragen so zur Kompostierung bei. Und das alles direkt unter der Kloschüssel. «Normalerweise verbraucht jeder Mensch zur Entsorgung täglich 45 Liter Trinkwasser, bei uns ist es nur ein Bruchteil davon», sagt ein Bewohner im Film.

Mit kompostierbaren Windeln präsentiert sich die japanische Künstlerin Matsuzako. Die 100 Prozent biologischen Windeln werden gesammelt und in fruchtbaren Humus umgewandelt. «So kann ein einziges Kind dazu beitragen, monatlich mehr als 30  Liter wertvolle Humuserde zu erzeugen», heisst es auf der Infotafel. Der Produktionsstart für kompostierbare Windeln ist für 2019 geplant.

Ergänzt werden diese praktischen Projekte mit Spekulativem: So überlegt sich der Künstler Austin Stewart in seinem Projekt «Second Livestock», ob Hühner in Massentierhaltung glücklicher wären, wenn man ihnen eine Bauernhofidylle mit viel Auslauf vortäuschen würde. Mit einer Vir­tual-Reality-Brille wäre das möglich.

«Markt» und Mineralwasser

Im Themenraum «Markt» finden die Besucher Fakten zur Ernährung. Die Ausstellung nimmt unter anderem das Mineralwasser ins Visier. Der globale Handel mit Trinkwasser sei zu einem lukrativen und hart umkämpften Geschäft geworden, heisst es einleitend. Getränkekonzerne stilisieren Mineralwasser zu einem Gesundheitsprodukt, während in der Schweiz Wasser in guter Qualität ab dem Wasserhahn getrunken werden kann. Abgefülltes Mineralwasser ist ausserdem umweltbelastend. Man geht davon aus, dass aufgrund der Transportwege, der Verpackung und der Kühlung die Umwelt mit abgefülltem Mineralwasser bis zu 450 Mal mehr belastet wird als mit Trinkwasser aus dem Hahn.

Zwischen 2011 und 2017 wuchs der Weltmarkt für Flaschentrinkwasser um rund 40 Prozent auf über 430  Milliarden Liter. Konflikte sind programmiert, wie das Beispiel der französischen Gemeinde Vittel zeigt. 2018 sank der Grundwasserspiegel wegen einer massiven Wasserförderung durch den Markenbesitzer Nestlé so stark, dass die Einwohner unter Wassermangel litten. Heute werden sie mit Wasser versorgt, das über eine Pipeline aus Nachbargemeinden zu ihnen transportiert wird.

Wie sehr der Faktor Gewinn dominiert, zeigt auch die Vitrine mit den Äpfeln: 365 Sorten gab es einst in der Schweiz. Doch diese Vielfalt wurde in den letzten 100 Jahren durch die Konzentration auf gewinnbringende und anbaufreundliche Sorten massiv verkleinert.

«Küche» und Algen

«Jedes achte Lebensmittel landet durch unser Unwissen im Müll. Unser industrialisiertes Ernährungssystem ist äusserst anfällig geworden für Vergiftungen und Belastungen, woraus neue Gesundheitsrisiken und Krankheiten entstehen», ist im Raum «Küche» an der Wand zu lesen.

Einige Projekte in der Ausstellung zielen daher auf bessere Verwertung, wie etwa jenes des Zürcher Start-up-Unternehmens WormUp, das den «Worm Up Wurmkomposter» entwickelt hat. Dank diesem können auch Haushalte ohne eigenen Garten in der Küche wöchentlich bis 1,3 Kilogramm Bioabfall kompostieren.

Ein grosses Thema ist «Food» der Zukunft: «Die globale Tierhaltung produziert mehr schädliches CO2 als der Autoverkehr», heisst es auf der Infowand. Im Film «Sea Meat» wird daher für Algen geworben als Alternative zum Fleischkonsum. Gebraten schmeckt die Alge wie Schinkenspeck. Sie gilt als Superfood, das voller Mineralstoffe und Vitamine ist.

Interesse weckt ebenfalls der Film «Living Farms Hive». Hier wird gezeigt, wie Insekten die Ernährung der Weltbevölkerung sichern könnten. Rund 2000 essbare Insekten – Grillen, Ameisen, Fliegen und Co. – sind demnach bekannt. Die Tiere enthalten wertvolles Protein und viele Vitamine und Mineralstoffe. Ausserdem verbrauchen sie bei der Zucht weitaus weniger Ressourcen als Hühner, Schweine und Rinder. Denn mehr als die Hälfte der globalen Ackerflächen dienen der Produktion von Futtermitteln. Zusätzlich werden Unmengen von Antibiotika für die Fleisch-, Eier- und Milchproduktion verwendet. Insekten hingegen können auf kleinstem Raum, auf organischen Abfallstoffen und mit geringem Wasser- und Energieverbrauch gezüchtet werden. Auf dem Tisch liegen die Insekten in einer runden Dose zum Anfassen bereit. Ob sie jemand so schnell auf dem Teller haben will, bleibe dahingestellt.

«Tisch» und Esskultur

«Im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat sich unsere Esskultur fundamental gewandelt. Anstelle von gemeinsamen Mahlzeiten am Tisch findet die Nahrungsaufnahme zunehmend öfter unterwegs statt – alleine und zu jeder Uhrzeit», heisst es im Einführungstext im Raum «Tisch». «Durch grosse Teller und grosse Gläser werden wir visuell dazu verleitet, mehr zu essen, als wir müssten.» Ein Mittel, um weniger zu essen, wären «Volumnes» (Objekte), die zwischen dem Essen auf dem Teller platziert werden. Sie sollen den Eindruck von Sättigung erwecken.

Die Ausstellung ist äusserst vielfältig. Sie appelliert zweifelsohne an das Gewissen, macht einem aber auch bewusst, was man ändern könnte und was möglich ist.

Gewerbemuseum Winterthur. Bis zum 28.  April. Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Do. 10 bis 20 Uhr. Öffentliche Führungen: Do., 4. April, 18.30 Uhr; So., 28. April, 11 Uhr. «Food Revolution 5.0» ist eine Zusammenarbeit des Gewerbemuseums Winterthur und des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Die Ausstellung wurde bereits in Hamburg und Berlin gezeigt. Weitere Informationen: www.gewerbemuseum.ch.

Grossverteiler

Mehlwürmer am meisten verkauft

Seit kurzem haben die beiden Grossverteiler Coop und Migros Insekten im Angebot: Coop seit 2017, die Migros seit 2018. Coop verkauft sie verarbeitet, als gewürzte Snackmischungen oder Insektenburger. Die Migros hingegen hat Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken unverarbeitet im Sortiment. «Wir bieten sie unverarbeitet an, damit die Kunden sie selber würzen und verarbeiten können», sagt Pressesprecher Tristan Cerf auf Anfrage. Beliebt seien die Grillen vorab für Grillpartys. Am besten verkaufen sich aber die Mehlwürmer. Weil sie wohl, so Cerf, am einfachsten zuzubereiten sind. Heuschrecken hingegen sind relativ teuer und müssen zuerst entbeint werden. Doch Augen und Kopf können verzehrt werden. Gemäss Cerf ist der Verkauf gut angelaufen und mittlerweile stabil. Gleichzeitig hat der Grossverteiler auch Kochkurse eingeführt. Das Angebot bleibt allerdings ein Nischenprodukt.

il

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