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Alkohol trinken bis zum Umfallen

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Die Gemeinde Überstorf klärt nach Vorfall mit einem Primarschüler auf

Autor: Von REGULA SANER

Der Vorfall ereignete sich kurz vor den Sommerferien. Eine Gruppe von Kindern aus Überstorf trank in der Freizeit so viel Alkohol, dass ein Junge notfallmässig ins Spital eingeliefert werden musste. Die Kinder stehen vor dem Übertritt in die Orientierungsschule. Normalerweise hätten sie ihren Auftritt im Rahmen einer Schulaufführung gehabt, doch dann rückte der Nebenschauplatz ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Primarschule Überstorf setzte ein Zeichen und sagte die Aufführung «aus Solidarität», wie Klassenlehrer Thomas Vonlanthen sagt, ab. Auch Schulpräsident Toni Kammermann bestätigt den Vorfall auf Anfrage.Dennoch mag die Gemeinde die Geschichte nicht an die grosse Glocke hängen. Toni Kammermann unterstreicht denn auch, dass sich der Vorfall in der Freizeit ereignet habe. «Wir machen alles, um die Schulen sauber zu halten. Wenn Eltern das zu lassen, geht das die Schulen nichts an.» Und er fügt leicht entnervt an: «Immer bleibt es an den Schulen hängen und die Eltern sind fein raus.» Gleichwohl ist es ihm nicht gleichgültig, was da passiert war. «Es gibt einfach viele Leute, die nicht wahrhaben wollen, dass es ein Problem gibt. Immer wird auf die Ausländer gezeigt, wenn es etwas Negatives vorfällt, aber dieser Fall zeigt, dass solche Dinge in den sogenannt behüteten Kreisen geschehen.» Toni Kammermann ärgert sich auch, wenn behauptet wird, dass auch schon früher über den Durst getrunken wurde. Was man heute sehe, sei einfach nicht vergleichbar. Es werde verkannt, welche Schäden zu viel Alkohol verursachen könne, ist er überzeugt.

«Schule hat gut reagiert»

Dem schliesst sich auch Stéphane Winzenried, Fachmann für Drogenprävention und ehemaliger Sozialarbeiter von Überstorf, an. «Dass man die Folgen des Alkoholkonsums in der Gesellschaft immer noch so tabuisiert, stört mich kolossal.» Klar möge der konkrete Fall ein Einzelfall sein, «aber er ist einer von Hunderten».Stéphane Winzenried findet darum, dass die Primarschule Überstorf gut reagiert hat. So hat sie nach dem Vorfall alle Schüler informiert und die Gelegenheit gepackt, in der betroffenen Klasse Aufklärungsarbeit zu leisten. Sie beauftragte damit Stéphane Winzenried. Bei den Schülern habe er eine grosse Betroffenheit gespürt, sagt Winzenried. Und er hätte auch das Gefühl gehabt, dass das Ereignis bei den Beteiligten durchaus zur Einsicht geführt habe, beschreibt Stéphane Winzenried die Stimmung in der Klasse. Überhaupt arbeitet der ehemalige Sozialarbeiter gerne mit Beispielen. Verbieten bringe nicht so viel wie das «abschreckende» Beispiel. «Kinder wollen Stories, dann lachen sie vielleicht zuerst über das, was sie da hören, aber es ist ein gequältes Lachen.» Man muss in ihrer Sprache reden, sie muss echt sein, dann kommt die Botschaft an, ist Winzenried überzeugt.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Das Phänomen des exzessiven Trinkens unter Jugendlichen schreibt Stéphane Winzenried unter anderem der zunehmenden, leichtsinnigen Experimentierfreudigkeit bei Jugendlichen zu. Und obwohl er der Repression auch gute Seiten abgewinnen kann, stellt er fest, dass die Erhältlichkeit von Alkohol immer noch gross ist. «Auf dem Gurtenfestival zum Beispiel war das Mitbringen von Alkohol limitiert, gewiefte Festivalprofis umgingen dieses Verbot aber einfach, indem sie Bier oder harte Alkoholika für ihr Saufgelage vorher auf dem Berner Hausberg verbuddelten.» Aus diesen Gründen sei Information umso wichtiger, findet der Drogenfachmann weiter. Oft würden die Jungen nämlich aus purer Langeweile trinken, ohne sich der Folgen bewusst zu sein. «Niemand will zugeben, dass er keine Ahnung hat, was ein Glas Bier oder eine Wodka-Cola für seinen Körper bedeutet», beobachtet Stéphane Winzenried. Das sei ein Reifeprozess.

Verantwortung der Eltern

Was das Verantwortungsbewusstsein der Eltern angeht, sind die Wahrnehmungen unterschiedlich. So zeigt sich Schulpräsident Toni Kammermann eher ernüchtert. «Da geben wir den Eltern ein Merkblatt des Oberamtes ab, das auf das Verbot der Alkoholabgabe an unter 16-Jährige hinweist. Aber dann müssen wir feststellen, dass eine Schülerin in ihrem Rucksack Alkohol hat, den ihr ihre Mutter mitgegeben hat», beschreibt Toni Kammermann einen Fall, den er selber erlebt hat.Andere Erfahrungen hat bisher der Oberamtmann des Sensebezirks, Nicolas Bürgisser, gemacht. Wenn im Rahmen von Kontrollen an Schulfesten oder wie kürzlich beim Schützenfest in Überstorf, Jugendliche unter 16 Jahren mit Alkohol aufgegriffen worden seien, hätten die Eltern ihre Kinder in der Regel anstandslos abgeholt. Nicolas Bürgisser hat aber auch schon erlebt, dass Eltern gar nicht wussten, wo sich ihr Zögling aufhält und erstaunt waren, als sie einen Anruf vom Oberamt bekamen. Drogenfachmann Stéphane Winzenried sieht es so: «Wir Schweizer sind manchmal einfach Mimosen, Eltern sind oft nicht kritikfähig und fühlen sich schnell bevormundet. Dabei ist es ganz einfach: Wer mit dem guten Beispiel voran geht, kann von seinen Kindern auch etwas erwarten.»Mehr Mut wünscht sich Stéphane Winzenried auch von den Behörden. Anstatt das Problem nur bei den Jungen zu sehen, müsse man sich auch mal fragen, ob man für sie die richtigen Angebote habe. Die beste Prävention sei es, wenn junge Leute lernten, ihr Leben aktiv zu gestalten. Geld für funktionierende, betreute Jugendräume, findet Stéphane Winzenried darum, sei gut investiertes Geld, «auch wenn für die Gemeinden der Nutzen nicht unmittelbar ersichtlich ist».

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