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«Alles hat Schaden genommen»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Lutz Collet ist Experte und nimmt den Anblick gelassen. Dennoch liegt die Stirn des Leiters Zentralstelle für Gemüsebau am Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve in Falten, wenn er über die Felder im Grossen Moos schaut. «Alles hat Schaden genommen», so sein Fazit über alle Gemüsekulturen hinweg. Natürlich gebe es grosse Unterschiede und einzelne Bauern kämen mit einem blauen Auge davon, doch «glücklich kann diesen Sommer niemand sein.»

Der Augenschein auf einem Feld entlang des Grand Canal belegt es: Namentlich in den Vertiefungen im Gelände sind grosse Wasserlachen, trotz aufwendiger Drainage, Aussparungen auf den Äckern mit wenigen oder kümmerlich kleinen Pflanzen, faule und verfärbte Blätter, abgeschwemmte Böden, verschieden grosse Pflanzen. Die Folge der Schäden sind geringere Erträge. Collet greift zum Spaten und gräbt eine kleine Kartoffelpflanze aus. Zwei winzige Knöllchen sind zu erkennen. Ein paar Schritte weiter eine Staude, die für Laienaugen besser aussieht. Unter dem Boden rund ein Dutzend Knollen. «Ja, dieser geht es besser, doch auch sie könnte unter normalen Bedingungen 18 Knollen haben oder sie wären grösser.»

 Viele Kartoffeln zum Beispiel stecken in feuchten Böden. Aufgrund des nass-feuchten Wetters sind Infektionen mit Kraut- und Knollenfäule eine häufige Folge davon. «Wir haben ideale Bedingungen für Pilzkrankheiten.» Eine weitere Tragik dieses Jahres für die Bauern: Kaum gibt es einige Sonnentage, haben Himbeeren Sonnenbrand, und Kartoffeln, die sich an Nässe und Kälte gewohnt haben, erleiden einen Hitzeschock und platzen wie Ballons.

2016 sei bis anhin ein für die Ernte vergleichbar schlechtes Jahr wie 2013 gewesen, erinnert sich Collet. Der Unterschied zu damals: Ab Juli trat eine Trockenperiode ein. In einem solchen Fall könne man noch bewässern, bei Nässe seien die Bauern ohnmächtig.

Faul bis ins Herz

Auf einem anderen Feld ist Eisbergsalat zu erkennen. Der Anblick ist ernüchternd. Die Blätter sind faul, selbst, wenn man viele Schichten abnimmt. «Das kann man nicht mehr vermarkten», so Collet. In diesen Fällen drohen Ausfälle von bis zu 90 Prozent, vermutet der Gemüsefachmann. Dazwischen sind Brokkoli und Blumenkohl zu sehen, von denen einige erntefähig sind, doch nebenan treiben die Pflanzen bereits.

Felder, die entlang des Grand Canal liegen, leiden unter einer besonderen Schwierigkeit: Der Wasserspiegel des Kanals liegt zum Teil über den Feldern, das Wasser drückt dann durch und sammelt sich in den Senken der Äcker. Die Drainagesysteme kommen kaum nach.

Auf vielen Feldern, die lange unter Wasser waren, gedeihe zusätzlich das Unkraut, sagt Collet. Und weil dieses rascher wachse als manche Kulturen, würden diese verdrängt. Zum Beweis fährt Collet ein Feld im Bellechasse an. Eigentlich ist es ein Zwiebelfeld, doch sichtbar sind vor allem unzählige Kamillenpflanzen. «Hier wirken die Herbizide nicht mehr.» Auch Rüebli und Bohnen hätten es schwer, sich gegen die wuchernde Konkurrenz durchzusetzen.

Schliesslich, so rundet Collet seine Ausführungen ab, könnten sich nicht einmal Betreiber von Gewächshauskulturen zurücklehnen. Denn ihre Pflanzen brauchten Licht. Zudem erhöhe die feuchte Witterung das Krankheitsrisiko in den Gewächshauskulturen. Die Kraut- und Knollenfäule könne von den Kartoffeln auf Tomaten überspringen. Auf der einen Seite die schwierigen Wachstums- und Erntebedingungen, auf der anderen Seite die Kundschaft, die umgehend qualitativ hochstehende Produkte will: «Wir müssen diesen Sommer wohl Gemüse importieren», so Collet, und die Schweizer Bauern hätten das Nachsehen.

Summe von Problemen

Die Ausfälle der Frühlingsernte müsse man sich übrigens noch dazu denken. Diese sehe man nicht mehr, weil die Gemüsegärtner wieder neu gepflanzt haben, so Collet. Die Nachfrage sei da, das Angebot jedoch sei verknappt. Die Preise steigen in der Folge. Es sei aber fraglich, ob dies die Ausfälle ausgleichen könne. Hinzu komme ein Ferieneffekt, räumt Collet ein. «Vor den Ferien konnten die Gemüsegärtner weniger ernten, weil eine Regenperiode nach der anderen dem Wachstum und der Arbeit auf den Feldern einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.» Und jetzt, in den Ferien, seien die Kunden in den Ferien. «Die Bauern müssen nun auf den Herbst hoffen.»

Die Schäden bei den Gemüseproduzenten seien im Vergleich zum Ackerbau zwar deutlich grösser, da auf der Gemüsefläche mehr Umsatz erzielt werde. Aber auch der Getreide-, Zuckerrüben- und Futteranbau leiden, so Collet. Gut sichtbar seien die Probleme auf Zuckerrüben oder Maisfeldern. Auffällig: die Grössenunterschiede, nur schon innerhalb eines Feldes. «Die Bauern haben alles gleichzeitig gesät», so Collet. Konkret könnten viele Bauern auf ihren Feldern nichts oder weniger ernten. Andere setzten oder säten gezwungenermassen zu spät, und den Pflanzen fehlt so die Zeit zum Wachsen. Schliesslich seien auch die immer kürzeren Tage ein Problem. Geringere Sonnenstrahlung hemme das Wachstum zusätzlich.

Die Wasseransammlungen sind von weither sichtbar.Viele Salate faulen zurzeit auf den Feldern.Kartoffelstauden im Grössenvergleich.

«Wirklich glücklich kann diesen Sommer kein Gemüsebauer sein.»

Lutz Collet

Leiter Gemüsebau Grangeneuve

Verspätungen: Die Folge sind tiefe Margen

B ernhard Herren von der Landi Kerzers kennt den Markt. Insgesamt erwartet er nicht nur tiefere Erträge, sondern auch eine schlechtere Qualität und eine geringere Haltbarkeit. Die Rüebli seien um zwei Wochen verspätet, die Bohnen ernte man gar drei Wochen zu spät, sagt er, «und die drei ersten Aussaaten dieses Jahres sind alle ins Wasser gefallen». Kürzlich habe er wieder Bohnen ausgebracht, «jetzt müssen wir 70 Tage warten und sehen erst dann, ob daraus etwas wird». Beziffern könne er sie nicht, «aber es ist klar: Es gibt finanzielle Einbussen», nicht nur bei den Produzenten, auch beim Handel. Komme hinzu, dass die Ernte häufig viel länger dauere, unter anderem wegen der tiefen Böden, und das schmälere die Marge.

Auf die Kartoffeln angesprochen, sagt Herren, bei der ersten Ernte habe man lediglich einen Verlust von 10 Prozent registriert, doch das sei noch bei «guten» Böden gewesen, noch vor dem verregneten Spätfrühling und Frühsommer. Beim Getreide rechne er mit einem Verlust von einem Viertel – «im Schnitt», wie er betont.

Auch die Produzentenpreise reagieren auf das Ungleichgewicht zwischen verknapptem Angebot und der vorhandenen Nachfrage. Ein Beispiel: Buschbohnen. Letztes Jahr wurden im Vergleichsmonat 82 Tonnen geerntet, dieses Jahr sind es nur noch 27 Tonnen. Die Erntemenge der Karotten halbierte sich auf 140 Tonnen. Eisbergsalat sank von 356 Tonnen auf noch 199 Tonnen, Zucchetti von 313 auf 223 Tonnen. Der Abnahmepreis für die Bohnen stieg im Gegenzug von 3.40 Franken pro Kilo auf 4.50 Franken, für Zucchetti verlangen die Produzenten 2.10 Franken statt 1.20 Franken. fca

Quelle: Gemüsebörse BE/FR/SO

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