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«Alpsommer» entlastet Jagd- und Sammelgebiet

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«Alpsommer» entlastet Jagd- und Sammelgebiet

Schon Steinzeitmenschen verbrachten einen Teil des Jahres in den Bergen

Nicht erst heute geniessen die Menschen die Sommerzeit gerne in den Bergen. Schon die Menschen der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum), von 9500 bis 5000 v. Chr., zog es im Sommer in die Voralpen.

Von ANTON JUNGO

Auf dem Jaunpass und in Château-d’Oex sind seit längerem Spuren von Menschen aus der Mittleren Steinzeit bekannt. «Wir haben uns gefragt, weshalb nicht auch in den Freiburger Voralpen solche Spuren zu finden sein sollten», meint Michel Mauvilly, Chef des Sektors Früh- und Vorgeschichte am kantonalen archäologischen Dienst. Tatsächlich ist sein Kollege Serge Menoud dann auch in unserer Gegend fündig geworden. Im Euschelstal – zwischen Schwarzsee und Jaun – fand er an 15 Stellen Spuren, die auf Lagerstätten steinzeitlicher Menschen hinweisen. Weitere Fundstellen kamen im Kleinen und im Grossen Mungtal hinzu.

Wer sucht, der findet

In der Zwischenzeit sind gegen 40 Stellen bekannt, die steinzeitlichen Menschen als «Basislager» oder als zeitweiliger Lagerplatz gedient haben. Gegen 4000 Artefakte – Pfeilspitzen, Steinschaber usw. – wurden bis jetzt eingesammelt. «Eine systematische Suche zahlt sich offensichtlich aus. Denn in der Zwischenzeit sind im Freiburger Voralpengebiet am meistten Fundstellen aus dieser Zeitspanne überhaupt bekannt», erklärt Michel Mauvilly.

Die Lagerplätze der Steinzeit-Menschen liegen auf Höhen zwischen 1200 und 2000 Metern. Für die Fundstellen lässt sich eine Nord-Süd-Achse von Schwarzsee nach Château-d’Oex und eine Ost-West-Achse feststellen. Auf beiden Achsen gibt es Pässe, die offensichtlich schon von den steinzeitlichen Menschen benutzt wurden.

Guter Rundblick und Wasser

Unterdessen wissen die Archäologen, wo sie nach Lagerplätzen suchen müssen. «Die Leute bevorzugten Plätze mit einem guten Rundblick. In der Nähe musste es auch Wasser haben», führt Michel Mauvilly aus. Beliebt waren auch Felsblöcke, die als Schutzdach dienten. Mit Fellen wurden Zelte errichtet oder bei einem grossen Stein zusätzliche Schutzvorrichtungen erstellt.

Der Kleine Mung könnte
Referenzgebiet werden

Als besonders wertvolles Fundgebiet beurteilt Michel Mauvilly den Kleinen Mung. Nicht weniger als 15 Siedlungsplätze sind dort bis jetzt bekannt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes des archäologischen Dienstes – verbunden mit sehr viel freiwilliger und Freizeitarbeit – wird versucht, das Gebiet genau zu dokumentieren. Besonders erforscht wird dabei auch die Umgebung eines Felsblocks, der als Schutzdach für ein Basislager gedient haben könnte. Zusammen mit Studenten wurden auch schon Sondiergrabungen vorgenommen, die verschiedene Artefakte zum Vorschein brachten.

Am Projekt beteiligen sich Geologen, Zoologen und Botaniker. Es soll versucht werden zu ermitteln, was diese Gegend für die vorgeschichtlichen Menschen so attraktiv machte. Man möchte auch herausfinden, wie sie den Sommer in den Bergen verbrachten, wie sie lebten, was sie taten. Michel Mauvilly ist überzeugt, dass der Kleine Mung zu einem Referenzgebiet für das Mesolithikum werden könnte.

«Dies könnte auch zu einer besonderen touristischen Attraktion werden», meint er. «Das bedingt aber, dass man zur Gegend besonders Sorge trägt und sie schützt.» Er befürchtet Zerstörungen durch Wegbau und Drainagen. Er hat aber auch schon festgestellt, dass heutige Berggänger, um sich für eine Nacht ein angenehmes Lager einzurichten, einen steinzeitlichen Lagerplatz zerstört haben, der Jahrtausende ungestört überlebt hatte.
Eine genaue Kenntnis der Lebensumstände der vorgeschichtlichen Menschen ist gemäss Michel Mauvilly aber auch wichtig, um die Geschichte der Alpenwelt zu verstehen. Es herrschte in der Zeit um 5500 v. Chr. offensichtlich eine ähnliche Situation wie heute (vgl. auch Kasten). Erstaunlich ist für ihn aber, dass man dann fast 6000 Jahre – bis ins Mittelalter – warten muss, bis man wieder Spuren von Menschen findet, die die Voralpen zeitweilig als Lebensraum genutzt haben.
Neutrales Territorium

Die Menschen des Mesolithikums waren Sammler und Jäger und führten in Gruppen vereint ein halbnomadisches Leben

Woher die Menschen stammten, die die Sommermonate in den Voralpen verbrachten, ist nicht klar. Michel Mauvilly geht davon aus, dass sie die Gegend von Bulle bis ins Dreiseen-Gebiet bewohnten. Vielleicht wollten sie ihre angestammten Jagdgebiete entlasten und zogen deshalb jeweils für einige Zeit in die Berge.

«Die Gruppen waren sehr mobil», beschreibt er die Lebensweise. Sie blieben zwei bis drei Wochen am gleichen Ort. Vielleicht hatten sie irgendwo ein Basislager.

In den Bergen fanden sie genügend jagdbares Wild (Gämsen, Steinböcke, Hirsche usw.) vor. Es gab aber auch Pflanzen, Beeren und Pilze. Mit der Herstellung von Rauchfleisch und dem Dörren von Pilzen, Beeren und Pflanzen konnten sie Wintervorräte anlegen.

Sie fanden in den Bergen aber auch das notwendige Rohmaterial für die Herstellung von Pfeilspitzen, Kratzern und Schabern. Als Ersatz für den begehrten Silex fanden sie im Kleinen Mung Radiolarith, der sich für die Herstellung der erwähnten Gegenstände eignete.

Michel Mauvilly geht davon aus, dass die Berge bei den Steinzeit-Menschen auch eine symbolische Rolle spielten. Die Leute lebten in kleinen Gruppen. Zum Überleben waren die Gruppen aber aufeinander angewiesen. «Die Berge waren eine neutrale Zone, in der sich die verschiedenen Gruppen begegnen konnten», glaubt er. ja

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