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Als in Freiburg noch Holzhäuser standen

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Bestand die Stadt Freiburg im Mittelalter bereits vollständig aus Steinhäusern? Archäologen sagen: Ja. Doch die Historikerin Kathrin Utz Tremp widerspricht in der neusten Ausgabe der Freiburger Geschichtsblätter.

Wer an die Freiburger Altstadt denkt, denkt unweigerlich auch an Sandstein. Das Material prägt die Gebäude in der Saaneschlaufe und rund um die Kathedrale. Doch das war nicht immer so. Das schreibt die Historikerin Kathrin Utz Tremp in der Ausgabe 2021 der Freiburger Geschichtsblätter.

Sie widerspricht in ihrem Beitrag dem Archäologen Gilles Bourgarel. Im Katalog zur Ausstellung über Freiburg im 14. Jahrhundert, die im Winter 2019/20 im Museum für Kunst und Geschichte Freiburg stattfand, schreibt dieser, dass die «Versteinerung» der Stadt Freiburg bereits im 12. Jahrhundert stattgefunden habe – also kurz nach der Gründung.

Schriftliche Quellen zeigten aber, dass es bis ins 15. Jahrhundert hinein noch hölzerne Häuser gegeben habe, schreibt Kathrin Utz Tremp. «Das Thema ist wirklich umstritten», sagt sie im Gespräch mit den FN. Sie stützt sich für ihre These unter anderem auf Dokumente von Notaren und auf das erste Bürgerbuch der Stadt, das festhält, wer das Bürgerrecht erhält. Dazu brauchte es in der Regel ein eigenes oder «geliehenes» Haus.

Holz und Stein nebeneinander

In diesen Quellen aus dem späten 14. und frühen 15. Jahrhundert hat Kathrin Utz Tremp mehrere Erwähnungen von Steinhäusern, aber auch von Holzhäusern gefunden und daneben von sogenannt gemauerten Häusern. «Ich nehme an, dass dies Häuser mit einem gemauerten Fundament waren, worüber eine Holzkonstruktion gebaut worden war.»

Hinzu kommt, dass die Stadt zu dieser Zeit mehrere Massnahmen gegen Brände umsetzte. «Das lässt darauf schliessen, dass es damals noch zahlreiche Holzhäuser gab, denn für diese ist die Gefahr eines Feuers ungleich grösser als für reine Steinhäuser», so die Historikerin. «Feuer war zu jener Zeit ein sehr grosses Problem. Die Häuser waren dicht an dicht gebaut, und im Fall eines Brandes gingen sie reihenweise in Flammen auf.» Und das betraf nicht nur Freiburg: In Bern brannten im Jahr 1405 rund 600 Häuser.

Um die Gefahr einzudämmen, förderte die Stadt Ziegeldächer. Diese sollten die Holzschindeldächer ersetzen. Wer sein Dach mit Ziegeln decken wollte, dem zahlte die Stadt die Hälfte aller Ziegel. Zudem ermunterten die Behörden zum Bau von Brandschutzmauern. Diese Mauern zwischen den Häusern sollten das Übergreifen eines Feuers von einem Haus aufs nächste verhindern. «Wenn sie gut gemacht waren, brachten diese Mauern durchaus etwas. Sie waren aber nicht immer gut konstruiert», sagt Kathrin Utz Tremp.

Gradueller Prozess

Bis sämtliche Dächer der Stadt mit Ziegeln gedeckt waren und bis alle Häuser aus Stein bestanden, dürfte es mehrere Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte gedauert haben, sagt Kathrin Utz Tremp. «Das war ein gradueller Prozess.» In der Gründungszeit um 1157 dürften wohl nur sehr wichtige Gebäude wie Kirchen und das damalige Rathaus – die spätere Burgpost – aus Stein gewesen sein.

Dank Bauverträgen und Mietverträgen aus dem 14. und 15. Jahrhundert wisse man heute ziemlich genau, wie die Häuser der Stadt damals ausgesehen haben. «Typisch für Freiburg waren gotische Dekorationen über den Fenstern», sagt Kathrin Utz Tremp.

Struktur erhalten

Die Struktur von damals hat sich bis heute in den Altstadtquartieren nicht gross verändert. Freiburg hat sein mittelalterliches Gesicht behalten – im Gegensatz zu Bern, das heute sehr barock wirkt. «Freiburg war in der frühen Neuzeit arm. Es war schlicht kein Geld da, um mehrere Häuser aufzukaufen und sie in einen grossen barocken Palast zu verwandeln.»

Seither wurden aber die meisten Häuser umgebaut. Eine Ausnahme ist das Gebäude an der Ecke Augustinergasse/Goltgasse im Auquartier, das noch Bausubstanz aus dem 14. Jahrhundert besitzt. Es war schon damals ein Steinhaus – wahrscheinlich neben zahlreichen Holzhäusern.

Definition

Der Unterschied zwischen Archäologie und historischen Wissenschaften

Sowohl Archäologen als auch Historikerinnen beschäftigen sich mit der Vergangenheit. Während Archäologinnen sich vor allem auf Gegenstände oder Gebäude aus der Vergangenheit als Quellen stützen, nutzen Historiker schriftliche Quellen. Sie lesen aber auch die Berichte der Archäologen und rekonstruieren so die Vergangenheit, wie Historikerin Kathrin Utz Tremp sagt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sei sehr wichtig. nas

Freiburger Geschichtsblätter

Von Holzhäusern, Wanderungen und Alkohol

Der Deutsche Geschichtsforschende Verein des Kantons Freiburg hat vor kurzem den Band 98 der Freiburger Geschichtsblätter publiziert. Kathrin Utz Tremp beschäftigt sich darin mit der Frage der Holz- und Steinhäuser in der spätmittelalterlichen Stadt Freiburg (siehe Haupttext). Hubertus von Gemmingen nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Tour durch den Kanton Freiburg mit Franz Kuenlin. Der Autor aus dem 19. Jahrhundert hat zahlreiche Reisebeschreibungen hinterlassen. Juri Auderset widmet seinen Beitrag der Kultur- und Sozialgeschichte des Alkohols von 1850 bis 1950 in Freiburg, aber auch in der ganzen Schweiz. Marino Maggetti untersucht die Landkarten, die eine Genfer Apotheke zwischen 1914 und 1924 als Werbegeschenke verteilte. Und Jean-Pierre Anderegg beleuchtet die Geschichte der Berner Enklave Clavaleyres, die seit 1. Januar 2022 zu Freiburg gehört. nas

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