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Als Marionetten noch politisch waren

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Wer heute an Mario­netten denkt, denkt meist an einfaches Puppentheater für Kinder. Dass dies nicht immer so war, zeigt jetzt eine Ausstellung im Marionettenmuseum Freiburg. Zu sehen sind Figuren aus dem traditionellen Puppenspiel aus Lyon rund um die Figur des Guignol, der französischen Variante des Kasperli. Das Lyoner Puppenspiel hat seine Wurzeln im frühen 19. Jahrhundert. Es geht zurück auf den Seidenweber Laurent Mourget (1769–1844), der in den Revolutionsjahren seine Arbeit verlor und sich und seine junge Familie zunächst mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser hielt. Als Zähne­aus­reis­ser suchte er auf der Strasse nach Patienten und lockte diese mithilfe einer Marionette an. Mit seinem Puppenspiel war er bald so erfolgreich, dass er mit dem Zähneziehen aufhörte, seine eigene Figur, den Guignol, erfand und damit regelmässig vor Publikum auftrat.

Märchen und Satire

Während des ganzen 19. Jahrhunderts richtete sich dieses Marionettentheater an Erwachsene: Der Guignol wurde zur Stimme der Arbeiterschaft und prangerte soziale und politische Missstände an. «Die Obrigkeit kontrollierte und zensurierte die Stücke, und bei den Aufführungen waren oft Polizisten zugegen», sagt Nicole Lehner-Gigon, die die Ausstellung realisiert hat. Erst im 20. Jahrhundert sei aus dem Guignol eine Figur für Kinder geworden, wie man sie heute kenne.

Diese Entwicklung zeigt die Ausstellung im Museum anhand von Figuren des Theaters Daniel Streble, das bis heute aktiv ist. Da sind Szenen aus klassischen Kinderstücken wie «Rotkäppchen» oder «Dorn­rös­chen» zu sehen, aber auch solche aus satirischen oder parodistischen Stücken für ein erwachsenes Publikum. So taucht der Guignol etwa als französischer Soldat im Ersten Weltkrieg auf. Die 80 bis 120 Jahre alten Figuren sind Leihgaben von Daniel Streble; die meisten hat dessen Grossvater hergestellt. Die Puppen aus Lindenholz tragen die typischen Züge der Lyoner Marionetten, wie Laurent Mourget sie einst geschaffen hat. Die Ausstellung findet pünktlich zu Mourgets 250. Geburtstag statt. Dessen Nachkommen führten die Tradition übrigens bis 2012 fort, als der letzte Puppenspieler der Familie starb: Jean Brunel, genannt Jean-Guy Mourget.

Eine Schenkung aus Zürich

Parallel zur Ausstellung über den Lyoner Guignol zeigt das Marionettenmuseum bis Ende September eine Schenkung, die es von der Roca-Puppenbühne aus Zürich erhalten hat. Es handelt sich um ein Ensemble von Figuren und Bühnenbildern zum Stück «Peter und der Wolf» nach dem gleichnamigen Musikmärchen von Sergei Prokofjew. Noch vor wenigen Jahren waren diese Marionetten auf der Bühne zu sehen. Inzwischen hat sich die 1998 gegründete Roca-Puppenbühne dem Schattentheater zugewandt und Abnehmer für ihre alten Puppen gesucht. «Dass wir immer mehr solche Schenkungen erhalten, zeigt, dass unser Museum bei den Schweizer Puppenspielern anerkannt ist», sagt Nicole Lehner-Gigon.

Marionettenmuseum, Hinter den Gärten 2, Freiburg. Beide Ausstellungen bis 29. September. Mi. bis So. 11 bis 17 Uhr.

«Die Obrigkeit kontrollierte und zensurierte die Stücke, und bei den Aufführungen waren oft Polizisten zugegen.»

Ausstellungskuratorin

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