Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Alte Bäume als Kinderstuben für Egli

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ludwig Eder rechnet vor: In den 1960er-Jahren konnte ein Fischer an einem normalen Tag bis zu 100 Egli aus dem Murtensee ziehen. Heute müsse er froh sein, sagt der Präsident des Sportfischervereins Vully, wenn er mit zehn Tieren nach Hause komme. Die Bestände seien klein geworden, und das trotz aller Bemühungen der kantonalen Fischereiverantwortlichen und der Zuchtanlagen, Jungfische in den See einzubringen. Der Verein habe deshalb beschlossen, das Seinige dazu beizutragen, dass der beliebte Speisefisch Egli wieder zahlreicher im See herumschwimmt.

Weihnachtsbaumrecycling

Das Mittel zum Zweck: 14 übrig gebliebene Weihnachtsbäume; nicht verkaufte Nordmanntannen vom Coop. Der Verein hat sie in den letzten Tagen mit angehängten Steinen beschwert und an drei Orten im See zwischen Murten und Muntelier versenkt. Die dürren Bäume, die zum Teil bereits ihre Nadeln verloren haben, dienen den erwachsenen Eglis als Kinderstube. Sie können dort laichen und suchen dort Schutz. Im Frühling dann schlüpfen die Jungtiere und schwimmen davon. «Mitte Juni nehmen wir die Bäume dann wieder heraus, schreddern sie, und sie werden als Dünger verwendet.» So sei allen gedient, so Eder. Um die Bäume zu einem späteren Zeitpunkt wiederzufinden, hängen weisse Kanister an den Seilen und schwimmen obenauf. Sie sind das Einzige, was von den Eglibäumen auf der Wasseroberfläche sichtbar ist.

Schutz vor Schlamm

Neu sei die Idee keineswegs. Viele Vereine hätten früher Bäume versenkt, um die Bestände zu stärken, erinnert sich Eder. Aber irgendwann sei das den Vereinen zu anstrengend geworden, so dass die Tradition vor rund 15 bis 20 Jahren allmählich in Vergessenheit geriet. An verschiedenen anderen Seen wird die Hegemassnahme weiterhin praktiziert. «Wir wollen die Idee nun aufnehmen und wieder regelmässig durchführen. Wir hoffen, dass andere Vereine mitziehen.» Die älteren Mitglieder könnten sich noch gut an die jährlichen Einsätze erinnern, den jüngeren Fischern jedoch sei die Tradition nicht mehr geläufig, bedauert Eder.

Der Anstoss für die Versenkung der Bäume kam von Fischereiaufseher Elmar Bürgy. «Wir geben so dem Fisch die Möglichkeit, sich auf einer natürlichen Basis fortzupflanzen», so Bürgy. Mit den Tannen gebe man den Tieren einen idealen Lebensraum zurück; etwas, was in den letzten Jahren verloren gegangen sei. «Es ist eine natürliche Bestandessicherung», so Bürgy, und das Gegenteil dessen, was in der Vergangenheit immer wieder praktiziert wurde: starke Eingriffe durch den Menschen, zum Beispiel durch Besatzmassnahmen, die immer wieder Anlass zu Diskussionen geben. «Wir rücken je länger, je mehr davon ab und wollen den Tieren die Möglichkeit geben, sich ihrer Natur gemäss zu entwickeln.» Egli – wie im Übrigen auch der mit ihm verwandte Zander – seien Gegenstandslaicher, sie benützten für die Eiablage Objekte im Wasser wie Wurzelstöcke oder versunkenes Schwemmholz. Deshalb sei das Anlegen von Brutgelegenheiten eine sinnvolle Ergänzungsmassnahme. Hechte zum Beispiel legten ihre Eier vorzugshalber in Flachzonen, zum Beispiel im Schilf.

Die versenkten Bäume haben einen natürlichen Auftrieb, was dem Laich Sicherheit gibt. Sonst müssen die Fische an modernden Baumteilen und Pflanzenteilen laichen. «Wenn diese zum Beispiel nach einem Sturm oder einem Erdrutsch von Schlamm überdeckt werden, ist das Gelege verloren», so Eder.

Nicht gleich dieses Jahr

Sie hätten die Idee, die ja eben keine neue ist, gerne wieder aufgenommen, sagt der Präsident des Sportfischervereins Eder. So werde man auch unabhängig vom Import. Die Schifffahrt wird durch die versenkten Bäume nicht beeinträchtigt. Die Bäume schweben auf einer Höhe von zwei bis sechs Metern unter dem Seespiegel. Und wenn die Fische die versenkten Tannenbäume als Laichplatz annehmen, erwartet Sportfischer Ludwig Eder ab nächstem Jahr erste positive Auswirkungen auf den Bestand und die Fangmenge. Männliche Egli sind nach zwei Jahren geschlechtsreif, weibliche drei Jahre nach der Geburt.

Zahlen und Fakten

Lange Schnüre im Wasser

Egli vermehren sich unter günstigen Lebensbedingungen ungewöhnlich schnell. Sie laichen ab einer Temperatur von zehn Grad. Dafür hängen sie sogenannte Barsch-Schnüre an Wasserpflanzen, Steine und Äste. Diese Schnüre sind bis zu drei Meter lange, netzartige Gebilde, die von den Männchen besamt werden. Gelaicht wird in der Regel in den Monaten April und Mai. Eine Schnur kann zwar bis zu 250 000 Eier umfassen, doch ein Weibchen legt im Schnitt nur eine Schnur pro Jahr. Die Eier haben eine Brutzeit von rund zwei bis drei Wochen.

fca

Mehr zum Thema