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Alter schützt vor Bosheit nicht

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Margaret Atwood, bald achtzigjährig, vermag es noch immer, die Leserschaft mit ihrer Literatur in den Bann zu ziehen. In «Die steinerne Matratze» führt sie virtuos durch das boshafte Wirken ihrer alles andere als altersmilden Protagonisten. Die 1939 geborene Autorin Margaret Atwood gehört zweifellos zu den grossen Vertreterinnen der kanadischen Literatur. Die neu auf Deutsch vorgelegten neun Erzählungen beweisen, dass frau bis ins hohe Alter kein bisschen netter werden muss. Dies gilt für das Personal der neun Geschichten und für die Schöpferin der Erzählungen selbst. Gnadenlos beschreibt Margaret Atwood in «Die steinerne Matratze», zu was die einstigen «Blumenkinder» im hohem Alter noch fähig sind.

Späte Rache

In «Die steinerne Matratze», der titelgebenden Erzählung, entscheidet sich Verna für eine Senioren-Gruppenreise in die Arktis. Im Bikini im Liegestuhl liegend würde man ihre trotz aller kosmetischen Bemühungen faltige Haut sehen; also keine Karibikreise. Unter den allein reisenden Männern entdeckt sie Bob, den Fussballstar und Herzensbrecher, der vor über 50 Jahren sie, die unbedeutende Verna für den Winterball als seine Begleiterin auserkoren hatte. Der Abend ging nicht gut aus, mit schwerwiegenden Folgen. Verna hat sich später aufgerappelt, mittlerweile ist sie zum dritten Mal Witwe, die Details ihrer Witwenschaft sind auch ganz pikant. Und nun die Begegnung mit ihrem Widersacher von früher! Verna übt späte Rache.

Nicht alle der Geschichten sind Krimis. In der ersten Erzählung «Alphinland» müht sich die alte Constance durch vereiste Strassen, es tobt ein Schneesturm, der halb Kanada lahmlegt. Constance hat erst spät einigen Ruhm als «Dichterin» erfahren, in jungen Jahren wurden ihre Fantasy-Stories noch als Kitsch abgetan. Damals war sie in Torontos Hippie-Szene die Freundin des Poeten Gavin, bevor sich dieser seiner Muse Marjorie zuwandte. Diesen Gavin lernt man in der zweiten Erzählung «Wiedergänger» kennen. Hier lebt der alte Mann unter den Fittichen seiner viel jüngeren Frau, er ist ihr in der Gebrechlichkeit seiner alten Tage gnadenlos ausgeliefert. An seiner Beerdigung begegnen sich, dies ist die dritte Erzählung «Dark Lady», Constance und Marjorie wieder. Es kommt zwischen den Feindinnen von früher am Ende zu einer erstaunlichen Einvernehmlichkeit. Um einen Vertrag, leichtfertig in der Studenten-WG der Sechziger entstandenen, geht es in der Erzählung «Die tote Hand liebt dich». Damals glaubte keiner, nicht einmal Jack selber, dass er einmal mit seiner Autorentätigkeit, wenn auch nur mit einem Horror-Klassiker, international reüssieren würde. Nun muss Jack bis ans Ende seiner Tage den vertraglich vereinbarten Anteil an die anderen drei leisten.

Kein bisschen altersmilde

Bestehend aus einer attraktiven Mischung aus Ironie und Humor bietet «Die steinerne Matratze» ein vergnügliches Leseerlebnis. Die neun Erzählungen der Altmeisterin Atwood beweisen, wie unterhaltsam Bosheit sein kann, zumindest literarisch betrachtet.

Margaret Atwood: «Die steinerne Matratze», Erzählungen, Berlin Verlag 2016, 304 S.

Silvia Häcki-Eggimann ist Erwachsenen­bildnerin.

Zur Person

Kanadische Erfolgsautorin

Margaret Atwood, 1939 in Ottawa geboren, gehört zu den Grand Old Ladies der kanadischen Literatur. Ihr «Report der Magd», 1985, wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Weitere Werke der Autorin, die weltweite Beachtung erfuhren: «Katzenauge» 1988 und «Die Räuberbraut» 1993. Margaret Atwood wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis und dem Pen-Printer-Preis. Die Autorin lebt in Toronto.

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