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Am Anfang war der Wille

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Am achten Tag ist alles vorbei. Die Fastenden sitzen schweigend am Tisch, ein paar gekochte Birnen- und Apfelschnitze vor sich, die sie in kleinen Bissen behutsam zum Munde führen und unisono mit einem «Mmm» begleiten. Diese erste Mahlzeit nach Tagen des Verzichts vermittelt ein einzigartiges Glücksgefühl.

Gut eine Woche zuvor sind die Gäste in der Casa das Águas Calmas eingetroffen. 15 Frauen und Männer im Alter zwischen 30 und 70 Jahren, begrüsst vom Zenlehrer Marcel Steiner und von der Köchin und Masseurin Anabela Mesquita. Im Hinterland der Algarve im Süden Portugals, rund zehn Kilometer vom Meer entfernt, haben Cristina und Marcel Steiner in den letzten sechs Jahren aus einem ehemaligen Bauerngut mit viel Geduld ein kleines Paradies geschaffen. «Hier empfangen wir Menschen, die ganz bewusst eine Alternative zum gängigen Tourismusrummel suchen», sagt der St. Galler, der das Zentrum heute alleine führt.

Weisheit des Körpers

Unter den Gästen sind solche, die jedes Jahr fasten. Einige haben bei der Ankunft bereits Tage des Verzichts hinter sich. Für andere ist alles neu, eine Zeit der Ungewissheit. Sie sind mit vielen Fragen angereist. Darunter auch die Schreibende. Stehe ich das durch in meinem Alter? Wird mich die Migräne befallen, oder werde ich gar vor lauter Hunger in Ohnmacht fallen? Zu schlaflosen Nächten haben auch all jene beigetragen, die Fasten als «Blödsinn» abstempeln, als enormen Stress für den Körper. Doch der 57-jährige Theologe Steiner beschwichtigt: «Macht euch keine Sorgen, der Körper hat in seinen Zellen die Weisheit des Fastens gespeichert.»

Die drei ersten Tage sind hart. Man ist müde und antriebslos. Über die drei Stunden Ruhepause über Mittag ist man froh. Wir sonnen uns am Schwimmteich, hören den quakenden Fröschen zu oder haben sonstwo inmitten des grossartigen Naturgartens ein Plätzchen gefunden. Aber auch die tägliche Wanderung oder der Ausflug ans Meer lassen so manche Pein vergessen. Zu dieser Zeit sind die Strände menschenleer. So laufen wir bei strahlendem Frühlingswetter dem Meer entlang, setzen uns irgendwo in den Sand, entzückt vom mystischen Tosen der Wellen. Sind die ersten kritischen Tage vorbei, ist Essen kein Thema mehr, Saft und Suppe reichen, die Energie kehrt zurück, die Lebensfreude auch. Man staunt, wie wenig man braucht. Yogaübungen zwei Mal pro Tag helfen, in Schwung zu bleiben. Und die feinfühligen und engagierten Massagen bei Anabela sorgen für ein wohltuendes Körpergefühl. Von Tag zu Tag wird man beweglicher, Gelenkschmerzen verschwinden, Entzündungen sind weg. Man freut sich auf die Meditation. Und unerwartet überfällt einen ein Glücksgefühl, fern von jeglichem Begehren und Wollen.

«Gast sein bei sich selbst»

Marcel Steiner hat mit 21 Jahren zum ersten Mal gefastet und macht das nun seit 36 Jahren zwei bis drei Mal im Jahr. «Mittlerweile bittet mein Körper darum», sagt er schmunzelnd. «Eigentlich ist das Fasten das gleiche wie die Minifastenzeit während der Nacht, halt nur etwas länger.» Fasten und Schweigen gehören für Steiner zusammen: «Fasten ist der Verzicht des Körpers auf feste Nahrung. Und Schweigen ist Fasten auf geistiger Ebene.» Das Schweigen unterstütze das Bei-Sich-Sein, indem keine neuen Impulse von aussen kämen. Daher auch das Meditieren, das Sitzen im Zendo. «Gast sein bei sich selbst», nennt es Steiner. Alle nehmen zwei Mal pro Tag am 20-minütigen Zazen teil. Der harte Kern hingegen sitzt sechs Mal.

Steiners Fastenwoche basiert auf der Buchingermethode mit Tee und Zitrone zum Frühstück, einem dickflüssigen Fruchtsaft am Mittag und einer sämigen Suppe am Abend. Das sind rund 250 Kalorien pro Tag. Normalerweise verbrennt eine Frau täglich 2000 Kalorien, ein Mann 2500. Im Begegnungsraum steht warmer Tee zur Verfügung. Und damit der Zuckerspiegel konstant bleibt, darf man sich am Nachmittag aus dem Honigtopf bedienen. Ein Teelöffel, lautet die Order. Einige nehmen – wenn sie sich alleine glauben – zwei, drei.

Im Augenblick leben

Der reformierte Theologe Marcel Steiner meditiert seit 24 Jahren täglich morgens und abends. Ausserdem erteilt er im Lassalle Bad Schönbrunn (ZG) seit vielen Jahren Zenkurse. Somit ist Steiner rund drei Monate pro Jahr am Sitzen. Ob ihn das verändert hat? «Ich habe gelernt, mehr im Augenblick zu leben», sagt er und zitiert den Philosophen Emerson: «Zeit gibt es für die Rose nicht. Da ist nur die Rose; sie ist vollkommen, in jedem Augenblick ihres Daseins. Der Mensch aber verschiebt oder erinnert; er lebt nicht in der Gegenwart, sondern beklagt mit rückwärtsgewandtem Blick die Vergangenheit oder er steht, der Reichtümer, die ihn umgeben, nicht achtend, auf den Zehenspitzen, um die Zukunft vorauszusehen. Er kann nicht glücklich und stark sein, bis er mit der Natur in der Gegenwart lebt, ausserhalb der Zeit.»

Am letzten Tag ziehen wir Bilanz. Auch Elda aus Thun, die seit 30 Jahren fastet: «Mit Fasten komme ich in eine Ruhe, die ich nirgendwo anders finde, und jetzt fühle ich mich körperlich so stark und so sanft in der Seele.» Auch Trauriges, Belastendes tritt in der Stille zutage, doch die Freude überwiegt. Eva aus Basel sagt es so: «Dieser Ort ist ein Geschenk an die Welt.»

Praktische Informationen

Zehn Kilometer vom Meer entfernt

Die Casa das Águas Calmas liegt im Ort Boliqueime, 20 Autominuten vom Flughafen Faro und zehn Kilometer vom Meer entfernt. Die drei Wohnungen können auch für Ferien gemietet werden. Die nächsten Fastenkurse finden wie folgt statt: Sommerfasten vom 4. bis zum 12. August 2017, Frühlingsfasten vom 16. bis zum 23. März 2018. Weitere Fastenkurse sind geplant. Preis: ca. 800 Euro, Massage 90 Euro. Weitere Kurse und Informationen gibt es im Internet unter www.casadasaguascalmas.com oder per E-Mail an: zen@epost.ch

il

Fasten

«Ein gesunder Mensch kann ohne Gefahr mehrere Wochen fasten»

Beim Fasten wird der Körper vom Alltagsgeschäft des Verdauens entlastet und kann die frei werdende Energie, rund 30 Prozent, für seine Regeneration verwenden. Bereits nach zwei bis drei Tagen stellt der Körper auf den Fastenstoffwechsel um und beginnt von seinen Fett- und Eiweissreserven zu zehren. «Ein gesunder Mensch kann ohne Gefahr mehrere Wochen fasten», sagt Marcel Steiner. Der Stoffwechsel führt auch zur Beruhigung des Nervensystems, was die seelische Sensibilität verstärkt und zu Einsichten führt, die in der Hektik des Alltags kaum möglich sind. Während einer achttägigen Kur nimmt man etwa drei bis vier Kilogramm ab. Damit das Fett schmilzt und nicht Muskeln verschwinden, muss man sich bewegen. Die bessere Sauerstoffversorgung des Gehirns steigert die Endorphinausschüttung. Für den «Fastenpapst», den Arzt Otto Buchinger, gibt es nichts Besseres als Fasten: «Der Verzicht kann gesundheitlichen Störungen vorbeugen und bestehende Erkrankungen positiv beeinflussen.»

il

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