Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Am Tag eins nach der Wahl

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Der Schreck über die knappe sonntägliche Wahlniederlage von Beat Vonlanthen sass der CVP auch gestern – einen Tag danach – noch in den Knochen. Noch am Sonntag hatte die Kantonalpartei eine Nachzählung gefordert, was aber gestern von der Staatskanzlei beziehungsweise von den involvierten Oberämtern abgelehnt wurde (siehe Artikel rechts). Ob die Partei einen formellen Rekurs gegen das Wahlresultat einreichen will, wird sie voraussichtlich bis übermorgen Donnerstag entscheiden.

«Der Faktor Zeitgeist»

Nach den Gründen für Vonlanthens Niederlage gefragt, nennt Laurent Baeriswyl, Präsident der CVP Sense, die Tatsache, dass hier eine junge Frau, ein «neues Gesicht» angetreten sei und dass die Wahlbeteiligung relativ gering war. «Das Deutschfreiburger Argument war demgegenüber offenbar für viele Wähler zu wenig wichtig», so Baeriswyl. Namentlich im Seebezirk sei Vonlanthen zu wenig unterstützt worden. Der Bezirks-Parteipräsident moniert auch, dass Gapanys «Leistungsausweis, ihre Inhalte und ihr Netzwerk sehr bescheiden» seien. Da müsse sie in den kommenden vier Jahren doch einiges beweisen. Den Vorwurf, dass sich Vonlanthen im ersten Wahlgang zu wenig engagiert habe, weist Baeriswyl zurück. «Leider wurde aber sein hervorragender Leistungsausweis als Staatsrat und Ständerat zu wenig zur Kenntnis genommen», sagt er. Hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der FDP bei den nächsten kantonalen Wahlen sieht der Bezirks-Parteipräsident jedenfalls durchaus Probleme. Denn da Levrats Wiederwahl so unbestritten gewesen sei, sei klar, dass die FDP von Anfang an den CVP-Sitz angepeilt habe.

Der Co-Präsident der CVP-Kantonalpartei, Markus Bapst, ortet die Gründe für die Niederlage bei der «hervorragenden Kampagne unserer Gegenkandidatin». Seine Partei habe «den Wettkampf wohl im ersten Wahlgang verloren, weil dort die Präsenz ungenügend war und wir Vonlanthens Leistungen zu wenig differenziert herausgestrichen haben». Nicht gross beeinflussen können habe die CVP hingegen den Faktor Zeitgeist. «Auch hier wirkte sicher der Trend zum Wechsel, zur Wahl junger Leute und junger Frauen», so Bapst. «Was wir aber konkret anders hätten machen können, müssen wir noch im Detail untersuchen», so Bapst. Ob man einen Rekurs anstreben solle, sei auch eine politische Frage. Denn es sei vielleicht auch ungünstig, als schlechter Verlierer dazustehen. Vonlanthen werde jedenfalls auch in diese Entscheidung eingebunden. Nicht positiv auswirken werde sich dieses Wahlergebnis sicher auf die Zusammenarbeit mit der FDP bei den nächsten kantonalen Wahlen. Auch dies müsse aber noch im Detail diskutiert werden.

Die «Planetenkonstellation»

Ganz anders tönt es auf der Seite der Sieger vom Sonntag. «Ich hoffe, dass diese Wahl die künftige Kooperation mit der CVP nicht beeinträchtigen wird», sagt Isabelle Portmann, Präsidentin der FDP Sense. «Johanna Gapany wurde ja nicht von uns gewählt, sondern vom Volk – und wir hätten eine Wahlniederlage auch hinnehmen müssen.» Ausschlaggebend war für Portmann, dass «dieses Mal sehr viele Frauen eine Frau gewählt haben». Dass Deutschfreiburg nicht mehr im Ständerat vertreten ist, bedauert sie persönlich. Aber sie traue Gapany zu, dass sie sich als Vertreterin des ganzen Standes auch für diesen Kantonsteil einsetzen werde. «Das war ja auch bei Vonlanthen nie ein Problem», bemerkt sie dazu. Natürlich stehe Gapany jetzt unter Druck, in Bundesbern auch wirklich zu zeigen, was sie könne. «Ich glaube aber, dass ihr das gelingen wird», ist sich Portmann sicher. Sie bringe doch einen beachtlichen Leistungsausweis mit. «Aber sie darf sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen», so Portmann. «Schon im ersten Wahlgang war der Wille zur Veränderung bei den Stimmbürgern spürbar», ergänzt der Präsident der FDP-Kantonalpartei, Sébastien Dorthe. Schliesslich habe nun die richtige «Planetenkonstellation» den Ausschlag gegeben, dass es gereicht habe, wobei die Faktoren Jugend und Weiblichkeit gleichermassen eine Rolle gespielt hätten wie Gapanys Kompetenzen. «Es gelang unserer Kandidatin, sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite Stimmen zu sammeln», so Dorthe. Der Sieg sei aber knapp gewesen, mit ungefähr einer Stimme mehr pro Gemeinde im Kanton. Nach dieser Wahl, bei der notabene alle bürgerlichen Parteien von Anfang an allein angetreten seien, gelte es nun, die Si­tua­tion zu analysieren. Danach sei die FDP aber offen dafür, sich mit Vertretern anderer Parteien an einen Tisch zu setzen, um über eine künftige Zusammenarbeit zu diskutieren.

Reaktionen

«Für Levrat wird es sicher nicht einfacher»

Auch bei den Präsidenten der anderen Parteien gibt der Wahl-Thriller vom Sonntag zu reden. «Für unseren zweisprachigen Kanton ist es schade, keinen deutschsprachigen Ständerat mehr zu haben», sagt SP-Präsident Benoît Piller. «Aber auch für Christian Le­vrat wird es sicher nicht einfacher, weil die CVP uns politisch näher steht als die FDP.» Der Sozialdemokrat beklagt sich auch darüber, dass es in Gapanys Kampagne mehr um die Form als um den Inhalt gegangen sei. «Sie hat sich als junge Frau präsentiert, aber selten konkrete Lösungsvorschläge weiterverfolgt», so Piller.

Für SVP-Vizepräsident Ad­rian Brügger war Beat Vonlan­then vor dem ersten Wahlgang schlicht zu wenig präsent. «Ausserdem zeigt der Trend momentan in Richtung Veränderungen», so Brügger. «Man wählt jüngere Leute, und die grüne Welle ist da.» Von der offiziellen Wahlempfehlung seiner Partei, leere Wahlzettel einzuwerfen, hätten offenbar nicht allzu viele Wähler Gebrauch gemacht. Brügger vermutet, dass viele von ihnen ihre Stimme Gapany gaben.

Grünen-Präsident Bruno Marmier lokalisiert den Grund für Gapanys Erfolg ebenfalls bei «ihrer Jugend, ihrer Zweisprachigkeit und der Erneuerung, die sie verkörpert». Dabei sei gerade Gapanys umweltpolitisches Programm «relativ vage und wenig ambitioniert». Die vorgestrige Informatikpanne (siehe Artikel rechts) dürfte laut Marmier vor allem die Einführung des E-Votings verzögern. «Denn bei physischen Wahlzetteln kann man wenigstens nachzählen», sagt er.

jcg

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema