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Amt rüstet sich für den Sonderfall

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Im August strich die Ilford Imaging GmbH in Marly 92 der 220 Arbeitsstellen. Letzte Woche gab die Wifag-Polytype-Gruppe in Freiburg bekannt, dass sie unmittelbar 50 Stellen abbauen werde und 150 weitere folgen könnten. Am Donnerstag kam eine weitere Hiobsbotschaft der Ilford: Die Firma wird den Konkurs nicht abwenden können, 130 Mitarbeiter werden ihre Stelle verlieren.

Dass so viele Leute auf einen Schlag ohne Erwerb dastehen, stellt für das Freiburger Amt für den Arbeitsmarkt (AMA) eine Ausnahmesituation dar, obwohl sich auch sonst im Schnitt 900 Menschen pro Monat arbeitslos melden. «Wir haben alles unter Kontrolle», sagt der Direktor Charles de Reyff auf Anfrage der FN. Mit beiden Firmen stehe das Amt in Kontakt. «So können wir uns gut vorbereiten», sagt de Reyff. Ilford habe das Amt bereits am Montag über die schwierige Situation informiert. Er lobt die Direktionen der beiden Firmen: «Sie wollen, dass es den Mitarbeitern gut geht.»

Nicht alle gleichzeitig

De Reyff hält fest, dass sich nicht alle Entlassenen gleichzeitig beim AMA melden würden. Dies aufgrund unterschiedlicher Kündigungsfristen, Frühpensionierungen oder auch, weil etliche Arbeit finden. «Im August wurden bei Ilford gut 50 Leute arbeitslos, bis Ende Oktober haben sich nur fünf von ihnen bei uns gemeldet», sagt de Reyff. Bei Polytype werde es ähnlich ablaufen: Die ersten Entlassungen werden im Januar erfolgen, voraussichtlich wird das auf dem Amt und bei der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) erst im Frühling spürbar.

Ad-hoc-RAV in der Firma

Bei einem Konkurs läuft das Verfahren für die Mitarbeiter gleich ab wie bei einer Entlassung, ausser dass die Kündigungsfrist wegfällt. Sie können deshalb direkt Arbeitslosengeld beantragen. Gemäss de Reyff ist vorgesehen, bei einem Konkurs der Ilford eine Ad-hoc-RAV im Firmengebäude einzurichten. «So können die Leute vor Ort alle nötigen Formulare ausfüllen und wir können ihnen dabei helfen.»

 Da Ilford dem Bezirksgericht Saane die Zahlungsunfähigkeit erklärt hat, wird der Richter nun über den Konkurs und so auch über die Kündigungen entscheiden. Möglicherweise werden sofort alle Arbeitsplätze gestrichen; möglich ist allerdings auch, dass ein Teil der Mitarbeiter für eine gewisse Zeit noch bleibt, beispielsweise um aufzuräumen.

Sobald der Konkurs ausgesprochen ist, wird die Arbeitslosenkasse auch für die nicht bezahlten Löhne aufkommen, zumindest für jene der letzten vier Monate vor dem Konkursdatum. Und ist die Konkursmasse einmal festgestellt, sollten auch die Monatslöhne bezahlt werden, die während der Kündigungsfrist hätten entrichtet werden sollen.

Polytype und Ilford sind stark spezialisierte Firmen. Wie schwierig wird es sein, den Entlassenen neue Jobs zu vermitteln? «Das hängt von vielen Faktoren ab, etwa von der Ausbildung und der Flexibilität der Leute», sagt de Reyff. «Wir wissen heute aber noch nicht, wer die Stelle verlieren wird.» Die meisten Mitarbeiter beider Firmen seien gut ausgebildet, aber es könne dennoch schwierig werden.

Noch nie solche Situation

Eine Situation wie jetzt mit Ilford hat es für das Amt für den Arbeitsmarkt noch nie gegeben. «Bei der Cardinal-Schliessung etwa hatten wir länger Zeit, uns vorzubereiten.» Auch bei der Druckerei St. Paul, die Ende 2014 den Zeitungsdruck einstellt, könne man im Voraus Lösungen suchen.

 Wäre Ilford im Juli Konkurs gegangen, als die Firma bereits zahlungsunfähig war, wäre das für das AMA eine grosse Herausforderung gewesen. «Das wären 200 Arbeitslose innerhalb weniger Wochen gewesen.»

René Jenny. Bild aw/a

Rückblick

Zwei Unternehmen kämpfen schon lange

Der Fotopapierhersteller Ilford und der Maschinenhersteller Polytype sind Freiburger Traditionsunternehmen. Beide kämpfen schon seit längerem mit Problemen. In diesem Jahr spitzte sich die Lage weiter zu: Ilford stand bereits im Juli kurz vor dem Konkurs, jetzt scheint er nicht abzuwenden zu sein. Polytype droht 200 der 460 Arbeitsplätze zu verlieren. Ilford feierte 2012 das 40-jährige Bestehen ihrer Beschichtungsanlage, Polytyp feierte das 50-Jahr-Jubiläum.mir

René Jenny: Der Glaube an Freiburgs Stärken

I n der Freiburger Wirtschaft herrscht Betroffenheit über die angekündigten Entlassungen bei Ilford und Polytype. Dennoch glaubt René Jenny, Präsident der Handels- und Industriekammer (HIKF), weiterhin an die Trümpfe von Freiburg.

Was kann die HIKF beitragen, wenn grosse Freiburger Unternehmen in eine Krise geraten?

Wir optimieren die Rahmenbedingungen, welche die Freiburger Wirtschaft braucht. Wir haben einen strategischen Beirat geschaffen, der Kanäle aufbaut. So können Probleme am runden Tisch behandelt werden.

Wifag-Polytype, Ilford und auch die St.-Paul-Gruppe haben alle mit dem Druckwesen zu tun. Zufall?

Meiner Ansicht nach ist in dieser Branche ein Strukturwandel im Gang. Vielleicht ist da ein Zyklus langsam am Auslaufen. Ein Punkt, der überwunden werden muss.

Nimmt das Image der Freiburger Wirtschaft Schaden?

Ich bin überzeugt, dass Freiburg mit dem Know-how, der Ausbildung, der Zweisprachigkeit weiterhin wichtige Trümpfe aufweist. Eine Umfrage bei Unternehmern vom Oktober zeigt eine verhalten optimistische Grundstimmung auf. uh

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