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Angeschuldigte wollen nicht für tödlichen Arbeitsunfall verantwortlich gewesen sein

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Autor: Pascal Jäggi

Freiburg«Wenn ich eine Baustelle besuche, muss ich mindestens fünfzehn Mal Sicherheitsverletzungen kommentieren», erklärte der angeschuldigte Bauleiter gestern am Strafgericht des Saanebezirks. Zusammen mit einem Polier und einem Equipenchef muss er sich wegen fahrlässiger Tötung eines Arbeiters verantworten (FN vom 5. Juli).

Nicht viel Besseres hatte der Polier zu erzählen: «Auf mich hört niemand. Wenn einer Pause macht und seinen Helm auf den Boden wirft, sage ich ihm, dass er ihn tragen muss. Doch das ist dem völlig egal.» Das heisst, es gibt sehr wohl Anweisungen von oben, wie sich Arbeiter auf einer Baustelle zu verhalten haben, doch niemand kümmert sich darum. Zumindest wenn man den beiden Schweizern glaubt.

«Wir sind nicht die Polizei. Wenn wir keine Sanktionen ergreifen können, sind wir machtlos», hielt der 48-jährige Polier fest. Gerichtspräsident Alain Gautschi blieb da nur noch die Frage, wo die Konsequenzen aus solchen Zuständen blieben.

Entsprechend wollen die beiden Vorgesetzten auch nicht den Überblick gehabt haben, wie in der fraglichen Situation gearbeitet wurde.

Sicherung war möglich

Ein 45-jähriger Portugiese ist 2006 aus rund zehn Metern Höhe auf der «Multiplex»-Baustelle in Freiburg in den Tod gestürzt. Dabei stand er ungesichert auf einer Leiter. Das sei nicht üblich, meinte der 34-jährige Bauleiter. «Ich habe öfters Arbeiter gesehen, die gesichert waren», sagte er. Dem widersprach der Equipenchef, der aussagte, dass sichernde Auffanggurte praktisch nie benutzt wurden. Laut dem Polier wären diese aber für alle klar bereitgestanden.

«Jeder Equipenchef hat einen zur Verfügung gehabt», so der Polier. Davon wusste der entsprechende Equipenchef nichts. «Wir hätten aber die Gurte des Poliers nutzen können», hielt der Portugiese fest. Wieso das nicht getan wurde, blieb gestern unklar.

Der Equipenchef meinte, dass die Situation sehr speziell war. Da kaum Platz vorhanden war, sei es nicht möglich gewesen, mittels Kran ein eigentlich übliches Baugerüst aufzustellen. Sie seien vorher nie in dieser Situation gewesen, so der Equipenchef. Auf Nachfrage der Anwältin der Opferfamilie, Catherine Python, meinte der Polier, dass das Gerüst vom Boden aus hätte aufgebaut werden können. Aus Zeitgründen (der Aufbau hätte einen halben Tag gedauert) sei darauf wohl verzichtet worden, mutmasste der 48-Jährige.

Knappe Fristen einhalten

Überhaupt kam gestern der Eindruck auf, dass beim Multiplex sehr gedrängt gearbeitet wurde. Der Bauleiter hatte die Baustelle erst wenige Monate vor dem Unglück übernommen. Zudem war er gleichzeitig an drei anderen Orten verantwortlich. Das sei nicht anders gegangen, da sein Vorgänger ziemlich plötzlich gekündigt habe, erklärte der Bauleiter. Alle drei Beteiligten sprachen von knappen Fristen, die eingehalten werden mussten.

Heute folgen das Ende des Beweisverfahrens und die Plädoyers der fünf Anwälte.

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