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«Angestarrt zu werden ist für uns normal»

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Autor: Michel Spicher

Es war im Sommer 2004, als sich das Leben von Ann und Claire Recht grundlegend änderte. Da erhielten die beiden das offizielle Guinness-Buch-Zertifikat als «die grössten Zwillinge der Welt». Von da an rissen sich die Medien um die amerikanischen Rekordhalterinnen. Tyra Banks, Jay Leno, Oprah Winfrey, Larry King – sie alle klopften bei den 2,02 m grossen Zwillingen an die Tür. Sogar ein japanisches Kamerateam kam eigens nach Oregon, um den Rechts den Vorschlag zu machen, mit Helmkameras zu posieren, damit die japanischen Zuseher einen Eindruck erhielten, wie die Aussicht von dieser Höhe war.

Auf der Strasse angestarrt

Als Exotinnen fühlen sich die beiden deswegen nie. Auch nicht, als in einem italienischen Restaurant dem Kellner das Silbertablett aus der Hand fiel, als er die beiden erblickte. Und die beiden schrumpfen auch nicht, wenn Passanten sie ungläubig anschauen und fragen, ob sie Basketballspielerinnen seinen. «Spielen Sie Minigolf?», tönt es dann schon mal schlagfertig aus ihrem Mund.

«Angestarrt zu werden ist für uns normal. Wenn uns nicht Kollegen gelegentlich darauf aufmerksam machen würden, wenn uns jemand anstarrt, würden wir es gar nicht mehr bemerken», sagt Claire, die 45 Minuten älter ist als ihre Schwester. Und Ann ergänzt: «Amerikaner und Schweizer nehmen uns unterschiedlich wahr. In den Staaten finden es die Leute cool, so gross zu sein. Wenn wir hier angesprochen werden, dann im Stil von ?Oh ihr Armen, ist es schlimm, wenn man so riesig ist?»

Die Zwillinge haben noch drei ältere Geschwister. Die Brüder Kyle and Warren sind gar ein paar Zentimeter grösser als die beiden Nesthäkchen. «Unsere Schwester Martha ist nur 1,80 m gross. Deswegen rufen wir sie alle ?Shorty? (Kleine)», verrät Ann mit einem Schmunzeln.

Vom Fussball über Basket zum Volleyball

An der La Salle High School entdeckten Ann und Claire Recht als 14-Jährige den Volleyball-Sport. Zuvor hatten sie wie ihre Geschwister Fussball gespielt, wo sind anfangs dank ihrer Grösse überlegen waren, bald einmal aber von den kleineren und wendigeren Kolleginnen ausgedribbelt wurden. Also probierten sie es mit Basketball. «Da trugen wir immer Schrammen an den Armen und Quetschungen am Rücken davon. Und auch den Kontakt mit aggressiveren Spielerinnen mochten wir nicht wirklich», sagt Claire.

Der Wechsel zum Volleyball lag auf der Hand, umso mehr, da Ann und Claire am Netz blocken konnten, ohne überhaupt hochzuspringen. Bald wurden die Zwillinge an der High School entdeckt und erhielten ein Stipendium an der American University in Washington. Als 17-Jährige zogen sie von der Westküste an die Ostküste in die amerikanische Hauptstadt und fingen an, seriös Volleyball zu spielen. «An der Uni trainierten wir 20 Stunden in der Woche, daneben haben wir ein Studium in Wirtschaft gemacht», erinnert sich Ann. «Das alles unter einen Hut zu bringen, war happig. Oft hatten wir Heimweh, was es nicht unbedingt einfacher machte.»

Hohe Erwartungen

Die beiden Schwestern bissen sich aber durch, feierten mit dem Universitäts-Team zahlreiche Erfolge, schlossen das Studium erfolgreich ab. «Nach der Uni mussten wir im Ausland auf Klubsuche, weil es in den USA keine Profiliga gibt», sagt Claire Recht. Bald hatten sie Angebote aus Basel und Düdingen vorliegen – und entschieden sich für Letzteres. «Düdingen hat sich mehr um uns bemüht», begründet Ann die damalige Entscheidung.

Als die grössten Zwillinge der Welt vor drei Monaten zu Volley Düdingen wechselten, wurden sie mit hohen Erwartungen empfangen – Grösse spielt eben auch im Volleyball eine Rolle. Doch die von den Fans erhofften Wunderdinge konnten die beiden Schwestern bisher nicht auf den Platz zaubern. Wie sollten sie auch? Schliesslich spielen sie erst seit fünf Jahren intensiv Volleyball und sind mit ihren 22 Jahren noch relativ jung. «Wir wussten, dass die beiden Auszubildende sind», sagt Interims-Trainer Roland Schneuwly, «ansonsten hätten wir sie uns in Düdingen gar nicht leisten können. Die beiden haben aber ein grosses Potenzial und haben zuletzt sehr grosse Fortschritte gemacht. Wenn sie so weitermachen, in den Armen und in der Verteidigung an Schnelligkeit zulegen, können sie es in vier, fünf Jahren sehr weit bringen.»

Zukunft ist noch offen

Ob sie dann noch bei den Senslern auflaufen, steht noch in den Sternen. Im Sommer läuft der Vertrag von Ann und Claire Recht in Düdingen aus. «Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, wie es danach weitergehen soll», so Ann. «Es gefällt mir in Düdingen und ich könnte mir gut vorstellen, hier zu bleiben. Ich könnte mir aber auch vorstellen, noch in einem anderen Land Volley zu spielen oder in die Staaten zurückzukehren und einen normalen Beruf auszuüben.» Claire nickt zustimmend.

Gleich und doch verschieden

Auch wenn die beiden Zwillinge oft gemeinsam unterwegs sind und obwohl sich Claire körperlich von ihrer Schwester nur durch ihr etwas runderes Gesicht und ihr Muttermal auf dem linken Knie unterscheidet, charakterlich sind die beiden definitiv verschieden. «Claire ist die Seriösere von uns beiden. Und sie ist etwas verschlossener als ich», findet Ann. «Ann macht mehr Unsinn, und wenn wir unter Leuten sind, ist sie die Lautere von uns beiden», findet Claire. «Und sie ist etwas ruppiger als ich.»

Doch egal wie unterschiedlich ihre persönlichen Vorlieben und Charaktereigenschaften auch sein mögen, äusserlich werden sich die beiden immer ähnlich sein. «Und das ist gut so», findet Ann, «schliesslich ist es unser einmaliges Aussehen, das uns viele Türen geöffnet und uns viel Selbstvertrauen gegeben hat.»

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