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Anleitung für einen Aprilscherz

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Vor nicht allzu langer Zeit bat mich ein guter Freund, zu «Ehren des ersten Aprils» seine wahrhaft und wirklich erlebte Geschichte zu Papier zu bringen.

«Es sind nun doch schon einige Jahre her», so begann er seine Erzählung, «da wollte ich einem befreundeten Ehepaar einen spontanen Besuch abstatten. Wie ich mich dem Haus näherte, wurde ich dank dem offenen Küchenfenster unfreiwillig Zeuge einer äusserst lebhaften Unterhaltung.

Sie: «Woher sind diese Fische?»

Er: «Du weisst genau woher.»

Sie: «Doch nicht etwa?»

Er: «Woher denn sonst?»

Sie: « Fischen ist dort verboten!»

Er: «Na und?»

Sie (gut hörbar): «Wie oft habe ich dir gesagt, dass ich das nicht will. Was du tust, ist illegal! Stell dir vor, du wirst erwischt, angezeigt oder gar verurteilt. Das ganze Dorf würde mit Fingern auf uns zeigen, sich hinter meinem Rücken das Maul über mich zerreissen. Du wärst vorbestraft, der Ruf der ganzen Familie in den Schmutz gezogen. Ich traute mich kaum mehr aus dem Haus, die Kinder würden verspottet. Ich, die Frau eines Kriminellen.»

Er (kaum hörbar): «Aber, Schatz …»

Sie (sehr gut hörbar): «Kein Aber, und Schatz schon gar nicht! Verschwinde mit den Viechern, ich will sie nicht mehr sehen, und dich im Moment auch nicht!»

Ich verzichtete auf meinen Besuch und trat den Rückzug an. Auf dem Heimweg «het mir z Tüüfeli guslet» und brachte mich auf eine Idee, wie ich dem ehelichen Streit «no as Schittli» drauflegen könnte.

Noch am gleichen Abend, der Kalender zeigte Ende März, schrieb ich in etwa folgenden Brief:

Briefkopf: Oberamt

Sehr geehrter Herr  …

Gegen Sie läuft eine Anzeige wegen Wilderei (im engeren Sinne Fischfrevel). Dieses Schreiben gilt als Vorladung.

Ort: Oberamt

Datum: 1. April …, Zeit: 7.00 Uhr

Lokal: Untersuchungszimmer Nr. 371, 4. Stock (wie viele Zimmer und Stockwerke hat unser Oberamt?).

Nicht-Erscheinen zieht automatisch schwere strafrechtliche Konsequenzen nach sich.

Unterschrift: Der Oberamtmann

Dieser Brief ging per Einschreiben an die Adresse meines Freundes. Zufällig war an diesem Tag niemand zu Hause, und so lag eine «Abholeinladung» im Briefkasten. Zufällig kam mein Freund etwas früher nach Hause, weil man noch einkaufen wollte. So fuhren sie gleich noch beim Postamt vorbei, um besagten Brief abzuholen. Er stieg aus, bekam den Brief, öffnete ihn und erstarrte. Offensichtlich war sein schlechtes Gewissen so gross, dass er weder den ersten April, noch die unmöglichen Angaben betreffend Oberamt bemerkte. Ohne ein Wort zu sagen, setzte er sich ins Auto und fuhr weiter. Nach einer gewissen Zeit kam es zu folgendem Gespräch:

Sie: «Was stand in dem Brief?»

Er: «Nichts.»

Sie: «Was nichts?»

Er: «Nichts Wichtiges.» Dann wieder Schweigen. Sie konnte förmlich spüren, dass etwas nicht stimmte.

Sie: «Du hast etwas.»

Schweigen.

Er: «Sie haben mich, ich habe eine Anzeige wegen Wilderei!»

Was jetzt folgte, kann kaum originalgetreu wiedergegeben werden. Es begann mit «Ich glaube es nicht, wie oft habe ich dir …» und endete mit «Du fährst jetzt sofort zurück, rufst beim Oberamt an und bringst die Sache in Ordnung!» Die Worte dazwischen können im «Senslerdeutschen Wörterbuch» im Kapitel Schimpfwörter nachgelesen werden …

Wieder zu Hause, Telefon ans Oberamt, es wurde der Oberamtmann persönlich verlangt.

Er: «Was soll das?»

Oberamtmann (OA): «Was soll was?»

Er: «Tu nicht so scheinheilig, spiel nicht den Unschuldigen, es geht um deine Anzeige.»

OA: «Anzeige?»

Er: «Genau, und du hast unterschrieben, Herrgottnochmal, ich hab den Brief vor mir.» Der Oberamtmann verstand überhaupt nichts mehr und befahl, unverzüglich samt Brief im Amt zu erscheinen. So raste mein guter Freund unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln zum Oberamt. Mit zittrigen Händen, Herzklopfen und Schweissausbruch überreichte er den Brief. Unser Oberamtmann, bekannt für seinen Scharfsinn, bemerkte nach mehrmaligem(!) Durch- lesen, dass das Ganze aus der Luft gegriffen war. Erst jetzt sah auch unser Freund das Datum 1. April. Endlich fielen ihm sämtliche (Fisch-)Schuppen von den Augen, und augenblicklich war ihm auch klar, wer das inszeniert hatte. Mit zittriger Stimme verlangte er den Brief zurück, doch er hatte die Rechnung ohne den Wirt bzw. den Oberamtmann gemacht.

OA: «Kommt nicht in Frage, dieser Brief gilt als Beweismittel, ist sozusagen das corpus delicti. Hier handelt es sich nicht bloss um einen dummen Scherz, wir haben es hier mit einem schweren Fall von Amtsanmassung, Dokumenten-, Urkunden- und Unterschriftenfälschung zu tun. Eine Straftat, die laut StGB Paragraf 267 et al. mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft werden kann. Ich persönlich leite unverzüglich ein Verfahren gegen Unbekannt ein, und ich versichere dir, ich werde alles daran setzen, diese unverschämten Straftaten aufzudecken. Ich lasse mein Amt von niemandem ins Lächerliche ziehen. Hast du vielleicht eine Vermutung, wer dahinter stecken könnte?»

Er hatte natürlich keine Ahnung, verliess fluchtartig das Amt und stürmte in mein Büro. Es kam zu einer längeren Aussprache, eigentlich wollte ich alles aufklären, aber dann wäre ich in die unbarmherzigen Gesetzesmühlen geraten. So liessen wir es beim Schwur ewiger Verschwiegenheit und besiegelten das Versprechen im nahe gelegenen Wirtshaus.

Und was lernen wir: Hat jemand ein schlechtes Gewissen, so ist er leicht zu täuschen.

Mit unseren Beamten ist nicht zu spassen, selbst wenn es um einen Scherz geht, kennen sie keinen Humor.

Eine Krise kann eine Beziehung festigen: Mein Freund und seine Ehefrau («die beste von allen») fanden sich wieder, und weil sie nicht gestorben sind, so lieben und streiten sie sich noch heut.

Und nach einigen Bieren kamen wir zur Erkenntnis, dass am ganzen Chaos, wie so oft, die Frauen schuld sind. Nachdem wir auch dies geklärt hatten, umarmten wir uns und bestellten noch eine Runde.»

Mein Freund verabschiedete sich, nicht ohne noch einmal zu betonen, dass alles sich wirklich so zugetragen habe.

Der Düdinger Franz Engel ist pensionierter Arzt und verbringt nun seine freie Zeit mit Fischen und dem Hüten der Enkelkinder. Als Gastkolumnist bearbeitet er im Auftrag der «Freiburger Nachrichten» in regelmässigem Rhythmus selbst gewählte Themen.

 

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