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Anleitung für Kritiker

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

In meiner letzten Kolumne habe ich mich kritisch zu den Ausgaben der Schweizer Armee geäussert. Das hat erwartungsgemäss viele Reaktionen ausgelöst, zustimmende und ablehnende. Grund genug, wieder einmal über den Umgang mit Kritik nachzudenken. Mein Fazit: Kritiker und Gegenkritiker sollten einander dankbar sein, denn erstaunlicherweise kommt das Denken immer dann am besten voran, wenn es auf Widerstand stösst.

Zum Dank möchte ich diese Kolumne meinen Kritikern widmen, den guten wie den schlechten. Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Kritiker? Ein guter Kritiker ist einer, der den Kritisierten auf Widersprüche in seiner Argumentation aufmerksam macht, der ihm aufzeigt, dass er bedeutsame Aspekte übersehen hat, Fakten durcheinanderbringt oder Beispiele anführt, die keinen Erklärungswert besitzen. Solchen Kritikern möchte ich um den Hals fallen. Sie sorgen dafür, dass ich immer besser werde.

Ein schlechter Kritiker ist einer, der den Kritisierten als selbst ernannten Experten, als verkappten Kommunisten oder gar als hirnlos beschimpft, ohne dafür auch nur den Hauch einer Begründung zu liefern. Hören Sie zu, Sie können sich die Mühe sparen. Wenn Sie einen Autor auf diese Weise herunterputzen, erreichen Sie bloss das Gegenteil, nämlich dass sich der Kritisierte in seiner Meinung bestätigt fühlt.

Dasselbe gilt für Drohungen, offene oder versteckte. Zum Beispiel wenn Sie Ihre Sorge darüber äussern, dass der Autor auf junge Leute einen schlechten Einfluss haben könnte, wenn Sie einem Staatsangestellten verbieten möchten, sich kritisch mit seinem Arbeitgeber zu befassen, oder ihm gar raten, das Land zu verlassen, wenn es ihm hier nicht passt. Damit bringen Sie lediglich zum Ausdruck, dass Sie sich eine Schweiz wünschen, in der alle einer, nämlich Ihrer Meinung sind. Mit solchen Wunschvorstellungen können Sie höchstens im nordkoreanischen Staatsfernsehen oder bei den Taliban punkten.

Am schutzlosesten fühle ich mich aber jenen Kritikern ausgeliefert, die gar nichts mehr sagen, sondern nur noch ihren bösen Blick sprechen lassen, der alles sagt. Ich wäre sofort bereit, die Hände vor ihnen hochzureissen und mich kampflos zu ergeben, wenn sie es denn darauf abgesehen hätten. Aber ihre Absicht ist subtiler: Sie wollen dich nicht mit Sieg, sondern mit Verachtung strafen.

Menschen haben nun einmal die gattungsspezifische Eigenschaft, dass sie manchmal die Wahrheit wissen, aber sich noch viel öfter irren. Wir sollten uns gegenseitig helfen, uns weniger zu irren und häufiger die Wahrheit herauszufinden. Wir sollten Kritik als Dienst an der Wahrheit verstehen. Wir sollten voneinander lernen, immer bessere Kritiker zu werden. Wie macht man das? Indem man grundsätzlich davon ausgeht, dass der andere recht haben könnte. Zeigen Sie mir, dass Sie recht haben, befreien Sie mich von meinen Irrtümern, bringen Sie mich auf den richtigen Weg zurück, ich möchte weiterkommen, ich bin auf Ihre Kritik angewiesen!

«Ein Meisterjournalist ist einer, der recherchiert wie eine Wühlmaus und immer wieder tiefere Wahrheiten zum Vorschein bringt. So sollten Journalisten sein.» Der Mann, der das sagte, heisst Christoph Blocher, aber recht hatte er trotzdem.

Hubert Schallerunterrichtet Deutsch und Philosophie am Kollegium St. Michael. Er ist unter anderem Autor der Gedichtbände «Trommelfellschläge» (1986) und «Drùm» (2005). Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet. Der Inhalt der Kolumne braucht sich nicht zwingend mit der Meinung der Redaktion zu decken.

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