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Arbeitsplätze statt Kulturgüter

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Erneut kommt ein Projekt für ein interinstitutionelles Kulturgüterlager nicht zustande. Nach dem Scheitern des Vorhabens im Gebäude der Schumacher AG in Schmitten (siehe Kasten) wird auch der Neubau auf einem Grundstück des Unternehmens der Firma Bat-Mann Construction in Domdidier nicht realisiert.

Wie der Staatsrat gestern mitteilte, hat er an seiner letzten Sitzung beschlossen, auf den Erwerb der Parzelle zu verzichten. Grund dafür: Das in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Unternehmen Wago AG will seine Produktion in Deutschland sowie in der Schweiz konzentrieren und in den nächsten Jahren mehrere Hundert Arbeitsplätze in Domdidier schaffen. Dazu braucht Wago nebst der ehemaligen Milupa-Fabrikationshalle auch das Grundstück, auf dem der Kanton bauen wollte (FN vom 20.9.).

«Ich gehe nicht davon aus, dass es ein Jahr dauert, bis wir eine neue Lösung präsentieren.»

Jean-François Steiert

Staatsrat (SP)

 

Wie der Staatsrat ausführt, habe er eine Interessenabwägung vorgenommen: auf der einen Seite die von Wago in Aussicht gestellten Arbeitsplätze im Bereich Automations­lösungen für die Industrie, auf der anderen Seite der Verzicht auf den Standort Domdidier für das Kulturgüterlager und die damit verbundene Verzögerung der Renovierung der Kantons- und Universitätsbibliothek (KUB). Mit seinem Entscheid habe der Staatsrat verhindern wollen, dass die Entwicklungsstrategie von Wago gefährdet wird. Gemäss dem Unternehmen wäre diese Strategie mit dem Projekt des Staates unvereinbar: Es braucht diese zusätzliche Parzelle.

Als Folge führt eine Ad-hoc-Delegation des Staatsrats ihre Arbeit nun weiter: Sie soll so schnell wie möglich einen Vorschlag unterbreiten, wie es weitergehen soll.

«Ich gehe nicht davon aus, dass es ein Jahr dauert, bis wir eine neue Lösung haben», zeigt sich Bau- und Raumplanungsdirektor Jean-François Steiert (SP) optimistisch. Gemäss ihm werde die staatsrätliche Delegation Standorte erneut eva­luieren, die schon vor dem Entscheid für Domdidier im Raum standen. Zusätzlich habe der Kanton durch das Bekanntwerden des Interessenkonflikts in Domdidier von gut einem Dutzend Eigentümern Grundstücke zum Verkauf angeboten erhalten. Hauptkriterium für ein neues Gelände ist, dass es bereits eingezont ist. «Sonst würden wir zu viel Zeit verlieren», so Steiert.

«Ich habe Angst, dass wir die Kantons- und Universitäts­bibliothek plötzlich leeren müssen.»

Jean-Pierre Siggen

Staatsrat (CVP)

Genaue Zahlen bezüglich neuer Stellen kann Wago noch nicht bekannt gegeben, sagt Volkswirtschaftsdirektor Olivier Curty (CVP). «Zum heutigen Zeitpunkt ist es vor allem eine Option für die Zukunft. Wago kauft eine 30 000 Quadratmeter grosse Fläche, um sich weiterzuentwickeln.» Für ihn als Volkswirtschaftsdirektor sei das eine höchst erfreuliche Sache. «Wago ist seit 40 Jahren im Kanton und beschäftigt hier bereits 500 Personen. Das Unternehmen ist international in einem hoch spezialisierten Bereich tätig; es investiert viel in die Forschung.»

Da sich durch die jüngste Entwicklung die Renovierung der KUB auf unbestimmte Dauer verzögert, fasst der Staatsrat für sie eine Zwischenlagerung ins Auge. «Meine grösste Sorge gilt der KUB», sagte Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen (CVP) auf Anfrage. Er erwähnte die gefährdete Stabilität des Gebäudes. Es haben sich Risse gebildet, und rund 250 Stahlstützen mussten installiert werden. «Ich habe Angst, dass wir das ganze Gebäude plötzlich leeren müssen», so Siggen. Wie gefährdet das KUB-Gebäude ist, soll nun eine Statik-Analyse an den Tag bringen. «Wir können vielleicht noch ein paar Monate warten, aber nicht länger.» Zudem habe das Stimmvolk den Auftrag für die KUB-Renovierung bereits gegeben.

Eine Zwischenlagerung für die KUB-Bestände würde gemäss Siggen Mehrkosten verursachen. «Die Bibliothek müsste dann zweimal statt nur einmal umziehen», sagte er. Zudem befürchtet er, dass aus einer provisorischen Lösung eine unbefriedigende Dauerlösung würde. Gemäss Siggen sind neben der KUB vor allem der Archäologische Dienst und das Naturhistorische Museum am dringendsten auf ein kantonales Kulturgüterdepot angewiesen.

Chronologie

Weder in Schmitten noch in Domdidier

Für die Einrichtung eines Kultur­güterlagers hatte der Kanton ursprünglich geplant, das Gebäude der Schumacher AG in Schmitten zu kaufen und es dort einzurichten. Der Grosse Rat genehmigte im September 2016 dazu 31,1  Mil­lionen Franken. Technische Probleme zwangen den Kanton aber, das Projekt in Schmitten im Juni 2017 aufzugeben. Dann wurde er in Domdidier fündig, wo ein Neubau entstehen sollte. Der Staatsrat hat das Nach­folgeprojekt im Juli 2018 präsentiert. Gesamtkosten: 36,6 Millionen Franken, davon 5 Millionen vom Bund. Nun meldete Wago sein Interesse an. Am 13. September kam es zu einer Aussprache zwischen Staatsrat und Wago, und am 2. Oktober entschied der Staatsrat, auf den Erwerb der Parzelle zu verzichten.

uh

Kommentar von Kantonsredaktor Urs Haenni

Kein Grund für einen erneuten Aufschrei

Als der Staatsrat letztes Jahr bekannt geben musste, dass er das Kulturgüterdepot aufgrund von Statikproblemen nicht im Schumacher-Gebäude in Schmitten realisieren kann, kassierte er Häme und Kritik: Die Probleme hätten erkannt werden müssen, bevor das Projekt so weit fortgeschritten war, hiess es im Grossen Rat. Nun krebst der Staatsrat beim selben Projekt ein zweites Mal zurück. Er tut es dieses Mal aus freien Stücken und nimmt damit sogar eine weitere Verzögerung des Ausbau- und Renovationsprojekts für die Kantonsbibliothek in Kauf. Doch gibt es dieses Mal keinen Grund für einen neuerlichen Aufschrei. Vielmehr ist der Verzicht auf das Grundstück für den Bau des Kulturgüterlagers in Domdidier ein logischer Schritt. Der Staatsrat ist bewusst nicht den Weg des geringsten Widerstands gegangen. Bei der Interessenabwägung kam er zum Schluss, dass die Schaffung von Hunderten Arbeitsplätzen dem Kanton mehr bringt als eine sofortige Lagermöglichkeit für zum Teil jahr­hundertealte Kulturgüter. Die Kantonsregierung bekennt sich so zu ihrer aktiven Bodenpolitik und setzt ihr Regierungsprogramm konsequent um. Trotzdem sollte der Staatsrat jetzt ohne Verzug den Standort für das Kulturgüterlager finden. Denn ein drittes Mal zurück auf Feld eins fallen wäre dann doch peinlich.

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