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Archäologie: Eine mysteriöse Entdeckung hoch oben auf dem Grat

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Der Zufallsfund einer steinzeitlichen Beilklinge zwischen Berra und Cousimbert lässt die Archäologen andere Entdeckungen infrage stellen. War sie Teil eines uralten Rituals?

Die Krete zwischen der Berra und dem Cousimbert (Käsenberg), die im Kanton Freiburg von fast überall aus gut sichtbar ist, wird viel genutzt. Sobald das Wetter schöner wird, tummeln sich auf dem Weg zwischen den beiden markanten Gipfeln die Wanderer, Jogger und Biker. Die meisten von ihnen sind sich dabei wohl kaum bewusst, dass Menschen bereits vor über 6000 Jahren hier die schöne Aussicht bis ins Seeland und den Jura genossen.

Zufallsfund durch Wanderer

Das belegt ein neuer archäologischer Zufallsfund: Eine Wanderin, die wohl besonders gut darauf achtete, wo sie hintrat, entdeckte vor einigen Jahren unter ihren Füssen auf knapp 1582 Metern über Meer eine Beilklinge aus der Steinzeit. Schon fast ein Wunder, dass sie diese überhaupt als aussergewöhnlich erkannt hat. «Man muss sich das vorstellen wie so etwas hier», meint der Archäologe Léonard Kramer bei einer Begehung des Fundorts und hebt einen ganz gewöhnlichen Stein auf. «Die Beilklinge lag einfach am Boden. Sie wurde durch die Erosion des Wegs freigelegt.»

«Die Beilklinge lag einfach am Boden. Sie wurde durch die Erosion des Wegs freigelegt.»

Léonard Kramer
Sektorchef für Vor- und Frühgeschichte Amt für Archäologie
Das über 6000 Jahre alte Objekt ist wohl durch die Erosion des Wegs zum Cousimbert zum Vorschein gekommen.
Bild: Aldo Ellena

Das Amt für Archäologie (AAFR) hat dem Objekt nun einen Beitrag in den «Freiburger Heften für Archäologie» gewidmet. Denn das fein geschliffene und bearbeitete Stück Stein ist etwas ganz Besonderes. Es ist äusserst selten, dass in den Voralpen auf einem Grat oder Berg solche Zeugnisse der Jungsteinzeit gefunden werden.

Die Periode, in der die Beilklinge hergestellt wurde – das fünfte Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung –, markiert nämlich einen wichtigen Übergang in der Menschheitsgeschichte. Während zuvor noch die Lebensweise der Jäger und Sammler am meisten verbreitet war, begannen die Menschen nun, sich sesshaft zu machen, und entdeckten die Landwirtschaft.

Fein geschliffen und poliert: Diese steinzeitliche Beilklinge wurde auf der Berra gefunden.
Bild: zvg

Das bedeutet aber auch, dass sie es – anders als ihre Vorgänger – nicht mehr nötig hatten, Gipfel wie die Berra oder den Cousimbert aufzusuchen. «Wir vermuten, dass die Jäger und Sammler im Sommer eher noch in die Berge gingen, um dort von dem zu profitieren, was die Landschaft hergab, und dann im Winter im Tal blieben», erklärt Kramer. «In der Jungsteinzeit mit den ersten Siedlungen dürfte das nicht mehr der Fall gewesen sein. Deshalb ist es sehr speziell, hier oben eine Axt aus dieser Zeit zu finden.»

Eine geweihte Klinge?

Wegen des aussergewöhnlichen Fundortes direkt auf dem Grat gehen die Archäologen nun davon aus, dass die Axt absichtlich hier oben vergraben wurde und nicht einfach verloren ging. Wer immer dies getan hat, musste dafür einen weiten Weg auf sich nehmen. «Die bekannten steinzeitlichen Siedlungen im Kanton befinden sich meist am Ufer eines Sees», so Kramer. Rund die Hälfte der knapp 6000 steinzeitlichen Beilklingen in den Archiven des AAFR stammten aus den Regionen Muntelier und Delley-Portalban am Murtensee. «Am nächsten zur Berra ist wohl der Fundort an der Saane im Schiffenengraben», erklärt Kramer. Dort wurde eine grosse Ansammlung an 74 vergleichbaren Beilklingen oder Fragmenten solcher entdeckt.

«Die bekannten steinzeitlichen Siedlungen im Kanton befinden sich meist am Ufer eines Sees.»

Léonard Kramer
Sektorchef für Vor- und Frühgeschichte Amt für Archäologie
Léonard Kramer ist Sektorchef für Vor- und Frühgeschichte beim Amt für Archäologie des Kantons.
Bild: Aldo Ellena

Der Stein, aus dem die Beilklinge von der Berra gefertigt wurde, hat aber einen noch viel weiteren Weg auf sich genommen, wie der Archäologe erklärt: «Es handelt sich um Eklogit vom Monte-Viso-Massiv im Piemont. Wir wissen, dass es dort fast eine Massenproduktion solcher Objekte gab, die in ganz Europa verbreitet wurden.» Jedoch sei unklar, ob das Steinwerkzeug auch dort gefertigt wurde oder nur das Material exportiert wurde.

Alltagsobjekt und Statussymbol

«Diese Äxte waren ein enorm wichtiges Alltagsobjekt – fast wie heutzutage ein Smartphone. Man benutzte sie zum Fällen von Bäumen, beim Bau von Häusern und natürlich auch als Waffe», so Kramer. Die steinerne Klinge wurde mit einem Stück Hirschgeweih, das abfedernd wirkt, an einem Griff aus Holz befestigt. Wie dies genau aussah, weiss man von Funden in Seen oder Sümpfen – «wir haben kürzlich bei einem Tauchgang im Neuenburgersee so einen Griff gefunden», so Kramer. Äxte aus seltenem oder von weit her stammendem Material seien aber auch ein Statussymbol. «Es gibt Beispiele für Beilklingen, die so aufwendig dekoriert sind, dass sie wohl kaum für den Alltagsgebrauch gedacht waren.» Auch die Klinge von der Berra ist enorm fein gearbeitet und abgeschliffen. «Sie wurde vermutlich nie tatsächlich eingesetzt», so der Archäologe.

Léonard Kramer, Archäologe des Kantons Freiburg spezialisiert auf Frühgeschichte, zeigt, wie eine solche Beilklinge in der Steinzeit eingesetzt wurde.
Bild: Aldo Ellena

Zwischen Berra und Cousimbert wurde also ein Objekt mit viel Bedeutung an einem bedeutungsträchtigen Ort gefunden – das kann fast kein Zufall sein. Die Archäologen vermuten daher, dass die Axt wohl als eine Art Opfergabe in rituellem Kontext dort deponiert wurde. Dafür gibt es in den Schweizer Alpen noch andere Beispiele – etwa wurde auch am Fusse des Matterhorns eine solche Klinge entdeckt. Im Kanton Freiburg gab es bisher keine Belege für solche rituellen Niederlegungen in dieser Zeitperiode.

«Es ist eine aussergewöhnliche Entdeckung für uns», sagt Kramer. «Sie gibt uns einen kleinen Einblick, wie die Menschen damals tickten, der über den reinen Lebensalltag und das Überleben hinausgeht.»

«Es ist eine aussergewöhnliche Entdeckung für uns. Sie gibt uns einen kleinen Einblick, wie die Menschen damals tickten, der über den reinen Lebensalltag und das Überleben hinausgeht.»

Léonard Kramer
Sektorchef für Vor- und Frühgeschichte Amt für Archäologie

Gibt es noch mehr?

Nach der Entdeckung auf der Berra haben die Archäologen nun aber auch andere Objekte aus den Archiven noch einmal unter die Lupe genommen. Nur knapp 25 Beilklingen wurden einzeln gefunden, nicht im Zusammenhang mit anderen Spuren der Steinzeit. «Bei vielen kennt man leider den genauen Kontext des Fundes nicht mehr», so Kramer. «Aber wir haben zwei oder drei gefunden, bei denen es sich auch um eine rituelle Gabe handeln könnte – etwa vom Mont Vully oder eine Beilklinge, die unter einem Felsbrocken an der Saane begraben war.»

Léonard Kramer, Archäologe des Kantons Freiburg spezialisiert auf Frühgeschichte, zeigt eine Beilklinge aus Stein, die ähnlich aussieht wie die, die auf der Berra gefunden wurde.
Bild: Aldo Ellena

Bei einer solchen Opfergabe wird die Axt meist mit der Klinge nach oben begraben, erklärt Kramer. Und: Manchmal werden sie nicht alleine, sondern in Paaren gefunden. Wer also diesen Sommer auf der Berra unterwegs ist, hat vielleicht eine Chance, den «Zwilling» der Beilklinge zu entdecken. Dabei solle man nicht zögern, einen potenziellen Fund dem Amt für Archäologie zu melden. «Die Leute haben oft Angst vor Bussen – dabei machen sie nichts Falsches, wenn sie etwas mitnehmen. Wir freuen uns immer sehr, wenn man uns Objekte vorbeibringt», betont Kramer.

Wer nicht so viel Vertrauen in sein Finderglück hat und die neolithische Beilklinge von der Berra trotzdem in Person sehen möchte, kann sich freuen: Seit kurzem ist das Objekt Teil der Sonderausstellung zum 200-jährigen Jubiläum des Museums für Kunst und Geschichte in Freiburg.

Zwei Wanderer haben die Beilklinge per Zufall entdeckt.
Bild: zvg

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