Archiv 15.10.2005

Armut in der Gesellschaft

Untertitel:

Autor: Von DENISE PFAMMATTER

Dass das Thema Armut der Gesellschaft nicht gleichgültig ist, zeigte die grosse Beteiligung am Diskussionsabend der Notschlafstelle La Tuile. Tische mussten durch weitere Stühle ersetzt werden und der Saal drohte aus allen Nähten zu platzen, als am vergangenen Dienstagabend über die Armut von gestern und heute debattiert wurde.

Kein einheitliches Profil

Diskussionsgrundlage war eine Studie von Professor René Knusel von der Universität Lausanne, der aufgrund einer Analyse von Dossiers von Nutzern der Notschlafstelle ein Profil des heutigen Obdachlosen zu erstellen suchte. Sein Fazit: «Der stereotype Stadtstreicher von gestern existiert nicht mehr - die Nutzer einer Notschlafstelle sind heute sehr verschieden und ähneln uns allen immer mehr!» Und ebenso unterschiedlich wie diese Menschen selber seien auch deren Ursachen, die sie in die Armut geführt hätten.

Unterschiedlichste Standpunkte

Um die Debatte möglichst breit zu gestalten, konnte Eric Mullener, der Direktor der Notschlafstelle, für den Abend Vertreter aus den verschiedensten Bereichen zur Teilnahme bewegen: aus der Politik (SP-Ständerat Alain Berset und FDP-Grossrätin Claudia Cotting), aus dem sozialen Bereich (François Mollard, Chef des kantonalen Sozialamts), aus der Kirche (Nicole Jakubowitz vom Sozialdienst der Reformierten Gemeinde Freiburg) und aus der Wissenschaft (Professor René Knusel). So erstaunt es denn auch nicht, dass Einwände, Anregungen und Gedanken unterschiedlichster Art aufeinander trafen. Von der grundlegenden Frage einer Einwohnerin, ob man einem Bettler Geld geben soll, damit er «angeblich» in der Notschlafstelle ein Dach findet, über die vielleicht etwas idealistische Aussage, dass bereits ein Lächeln etwas verändern könne, bis hin zur klaren Forderung «mehr Integration statt nur Sozialhilfe» von Ständerat Alain Berset wurden die verschiedensten Inputs vorgebracht. Die Diskussion um die Armut verlief somit sehr lebendig und angeregt und bisweilen sogar hitzig - was wohl nicht nur am zu kleinen Saal gelegen haben mag.