Archiv 19.04.2005

Homepage für La Tuile

Über 6000 Übernachtungen haben die Notschlafstelle La Tuile an der Marlystrasse und «Banc Public» im Jahr 2004 gezählt. Die Institution hat mit Jean-Claude Jaquet einen neuen Präsidenten und ab 1. Mai eine eigene Homepage.

«Lassen Sie uns mit den unzutreffenden Klischees aufräumen, dass Notschlafstellen freiwillig von einigen Randständigen aufgesucht werden. Die Realität sieht anders aus.» Dies schreibt La-Tuile-Direktor Eric Mullener im Jahresbericht der Notschlafstelle. Die Grenzen würden verschwimmen und sehr rasch könne jemand seine Grundbedürfnisse nicht mehr decken. Deshalb seien an der Marlystrasse zwischenmenschliche Beziehungen und Gespräche mindestens so wichtig wie die materielle Dienstleistung. So könnten Betroffene wieder ihren Platz in der Gesellschaft finden, schreibt Mullener.

Er hob dabei als Ergänzung die Tagesstätte «Banc Public» im Schönberg hervor. Diese steht ebenso unter der Verantwortung der Notschlafstelle wie seit Januar 2004 die begleitete Wohnung St. Bartholomäus. Die insgesamt 6042 gezählten Übernachtungen betreffen zu mehr als drei Viertel die Marlystrasse, der Rest das begleitete Wohnen im Schönberg. Auch sonst sei «La Tuile» ein wichtiger Teil eines breiten kantonalen und nationalen Angebots, teilte Mullener mit.
93 Prozent der 265 Leute, die im Jahr 2004 in der Notschlafstelle Unterschlupf fanden, waren Männer. 49 Personen blieben länger als 30 Tage und 63 Personen litten an psychischen Störungen oder an Abhängigkeiten. Insgesamt seien 51 verschiedene Nationalitäten zusammengekommen, erklärte Madeleine Christinaz, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit.

Bald 50

Auch im Hintergrund der La Tuile tat sich einiges. Nach fünf Jahren verliess die Präsidentin Corinne Siffert den Verein. Ihr Nachfolger wurde im November Jean-Claude Jaquet, ehemaliger Direktor der Krankenpflegeschule Freiburg. In diesem Jahr wird die 50000. Übernachtung seit der Gründung 1992 erwartet.

Diese Neuigkeit und viele andere Informationen über die Notschlafstelle und die Sozialarbeit sollen ab 1. Mai im Internet angeboten werden. www.la-tuile.ch sei sowohl für Fachleute wie für die Öffentlichkeit bestimmt, schrieb Madeleine Christinaz. «Wir wollen zeigen, dass es uns gibt und dass jeder Mensch in Not an die Türe der Tuile klopfen kann.»