Archiv 26.06.2002

Zum Spielen und Sammeln

Zum Spielen und Sammeln

Spielkarten-Ausstellung im Gutenberg-Museum in Freiburg

Alte und neue Jasskarten aus der privaten Sammlung von Walter Haas bilden das Gerüst für die neue Ausstellung «Spielkarten - Faszination einer populären Kunst» im Gutenberg-Museum.

Von CHRISTIAN SCHMUTZ

«Die Damen sind im Laufe der Zeit immer hässlicher geworden», sagte der Spielkartensammler Walter Haas vor der Eröffnung der Ausstellung im Erdgeschoss des Gutenberg-Museums. Natürlich bezog er sich auf die Damen im Kartenspiel. Seit anfangs des 20. Jahrhunderts wurden nämlich viele einmalige Bilder und Farbsysteme auf den Spielkarten vereinheitlicht. Die heutigen Jasskarten beispielsweise kämen ursprünglich aus Deutschland und seien wenig vorteilhaft, sagte Haas.

Freiburg schrieb Spielkartengeschichte

Da haben es ihm alte Kartenspiele schon eher angetan. Die Lieblingsspiele des Freiburger Germanistik-Professors kommen aus Böhmen oder aus dem Freiburg des 18. und 19. Jahrhunderts. «Freiburg war vor 200 Jahren wohl der wichtigste Spielkartenproduzent der Schweiz», sagte Haas. Hier seien die schönsten Spielkarten weitherum gedruckt worden. Leider aber seien diese am Ende des 19. Jahrhunderts untergegangen.

Der 59-jährige Sammler betätigte sich auch als Spielkartenforscher, als er sich vor einigen Jahren auf die Suche nach dem letzten Freiburger Kartenmacher Favre machte. Das Wissen über die Ursprünge der Spielkarten sei aber relativ neu, sagte Haas. Die Forschung habe erst in den 1960er Jahren richtig angefangen.

Schöne Kartenbilder vorzeigen

Walter Haas selbst hat im Ausland neuartige Kartenbilder gesehen und so mit ganz einfachen, billigen Kartenspielen zu sammeln begonnen. Mittlerweile besitzt er 1666 Spiele à 20 bis 97 Karten - je nach Spielart. «Ich sammle nur exemplarisch und will keine Vollständigkeit», sagte Haas, der trotz seiner Leidenschaft immer gut schlafen könne. Wahrscheinlich sei er kein richtiger Sammler, mutmasste er lachend.

Anders als andere Spielkartensammler will Haas aber seine Sammlung nicht verstecken: «So schöne Bilder muss man doch vorzeigen.» Gerade eingefleischte Jasser wolle er darauf hinweisen, welch konstante und spannende Geschichte hinter ihrem Spielwerkzeug steht. Für den Aussteller waren denn auch die Spielkarten als volkskundlicher Gegenstand mehr von Interesse als Luxus- oder Künstlerkarten. Diese seien aus Preisgründen nie volkstümlich geworden.

Ausstellung mit Jass am Computer

Die Ausstellung passt ideal zum Gutenberg-Museum, weil die Erfolgsgeschichte der Spielkarten eng mit der Geschichte des Bilderdrucks verbunden ist. Angaben zur Drucktechnik sind denn auch da. Konservator Bruno Glusstein dankte bei der Vernissage den Ausstellungs-Mitgestaltern Claudine Ammann und Heinz Schneider. Diese hätten «mit Liebe und Akribie und trotz sehr engem Budget» viel Schönes geleistet. Thematisch geordnet sind bis zum 6. Oktober 2002 Teile von über 120 Kartenspielen seit dem 18. Jahrhundert zu sehen.

Und wer bei Spielkarten zuallererst ans Jassen denkt, kommt auch auf seine Kosten - auch wenn der Jass laut Walter Haas neuer als viele andere Kartenspiele ist. Auf einem Computer in der Ausstellung gibts einen Schieber und in zehn verschiedenen Deutschschweizer Dialekten fluchen sich die Mitspieler an - wie im Wirtshaus.