Archiv 18.02.2002

Zwei Pioniere der Ökonomie

Zwei Pioniere der Ökonomie

Prof. Valarché und Prof. Billeter gestorben

Die beiden Hochschullehrer Jean Marie Valarché und Ernst Billeter haben die Entwicklung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg massgebend geprägt. Sie haben Generationen von Ökonomiestudenten ihr Wissen vermittelt.

Der 1917, am Tag des Beginns der Oktoberrevolution, in Paris geborene Jean Marie Valarché ist am 11. Februar gestorben. Er kam 1949 an die Universität Freiburg und lehrte daselbst Volkswirtschaft und Geschichte der Wirtschaftstheorien. Bis zu seiner Pensionierung hatten auch die deutschsprachigen Studenten die Dogmengeschichte bei ihm zu belegen. 1956 und 1958 sowie 1965/66 war er Dekan der Fakultät.

Als junger Ökonom hat er 1950 die Theorie der Wirtschaftspole entwickelt. Zu Beginn der 60er Jahre hat er das Seminar für Raumwirtschaft und Transport gegründet. Damit hat er in dieser Zeit wesentlich zur Strategie der Wirtschaftpolitik des Kantons Freiburg beigetragen, die auf der «konzentrierten Dezentralisierung» beruhte. Die heutige Wirtschaftsstruktur des Kantons spiegelt sich darin. Freiburg war für ihn zur zweiten Heimat geworden und er setzte sich voll für die Universität und den ganzen Kanton ein.

Professor Valarché hat als Humanist und tief gläubiger Mensch immer darauf hingewiesen, dass das Ziel der Wirtschaftsentwicklung darin besteht, für die Bevölkerung eine bessere Zukunft aufzubauen. Die ethischen Belange waren für ihn sehr wichtig, und auch die beiden Begriffe «Wirtschaft» und «Moral» miteinander zu verbinden.

In seinen insgesamt 130 Publikationen räumte er der Soziallehre der Kirche einen besonderen Platz ein. Persönlich setzte er die Zielsetzungen der Soziallehre ebenfalls um. Auch wenn er auf den ersten Blick eher distanziert und unnahbar zu sein schien, behandelte er die Mitmenschen, namentlich seine Studenten, mit grosser Achtung und Zuvorkommenheit.
Am 19. Januar ist auch Professor Ernst Billeter gestorben, der in Freiburg Ordinarius für Statistik und Informatik war. Vorher in der Privatwirtschaft tätig, kam er 1957 an die hiesige Universität, wurde im Jahr darauf zum ausserordentlichen Professor ernannt und gründete im gleichen Jahr das «Institut für Automation und Unternehmungsforschung (Operations Research) IAUF. Bei einem Studienaufenthalt zu Beginn der 50er Jahre in den USA kam er in Kontakt mit den riesigen Computern der ersten Generation. Davon war er fasziniert, und er kam mit dem Bestreben nach Freiburg, die Automation hier einzuführen (das Wort «Informatik» war damals noch unbekannt). Die Beschaffung des ersten Computers an der Universität liess aber wegen Geldmangels bis zum Jahr 1961 auf sich warten. Es war der allererste Computer an einer schweizerischen Universität. 1964 wurde dieser durch einen grossen Rechner ersetzt und dann ebenfalls in die Dienste der Verwaltung gestellt.
Von 1970 bis 1986 war Ernst Billeter ordentlicher Professor. Bereits 1979 war er von der Leitung des IAUF zurückgetreten, um sich noch mehr der Forschung und den Publikationen widmen zu können. In rund dreissig Jahren hat er ungezählten Studierenden die Kenntnisse der Statistik, der Operations Research und der Informatik vermittelt. Mit dem Bestehen der Prüfung in Statistik war für die meisten Ökonomiestudenten bereits eine entscheidende, wenn nicht die höchste Hürde übersprungen. Um ihnen die Arbeit zu erleichtern, hatte er verschiedene Lehrbücher herausgegeben. Auf die Initiative von Professor Billeter, der ein zurückhaltender, ruhiger und sensibler Mensch war, wurden Zeitschriften gegründet, Workshops und Symposien durchgeführt, und er war Mitglied vieler internationaler Institutionen seines Fachs. wb