Archiv 23.06.2008

CVP schiebt Schuld den andern zu

Die bürgerlichen Parteien hatten im zweiten Wahlgang Stimmfreigabe erklärt. Der CVP-Kandidat Hubert Dafflon sieht dies als Hauptgrund seiner Niederlage.

Freiburg7740 Stimmen hat Hubert Dafflon im ersten Wahlgang vor drei Wochen geholt. Diesen Sonntag kam er auf 7900 Stimmen (siehe auch Tabelle rechts). Carl-Alex Ridoré hatte im ersten Wahlgang 11 970 Stimmen auf sich vereinigt; im zweiten Durchgang waren es noch 11 700. «Wir haben zwei Mal fast dasselbe Resultat erreicht», sagte Dafflon gestern vor den Medien. Sein Schluss: «Die Leute des FDP-Kandidaten Denis Boivin haben nicht gestimmt.» Er sei enttäuscht, sagte Dafflon.

Nach dem ersten Wahlgang hatte der gescheiterte Boivin erklärt, dass er seine Stimme dem Juristen und Sozialdemokraten Ridoré gebe - und nicht dem bürgerlichen Kandidaten Dafflon. FDP und SVP beschlossen Stimmfreigabe. Diese fehlende bürgerliche Allianz macht Dafflon nun als Hauptgrund für sein Scheitern aus. Vor allem der Umgang mit der FDP sei bei diesen Wahlen sehr schwierig gewesen, sagte Dafflon: «Sie haben mich von Beginn weg in eine linke Ecke gestellt.» Das Gerücht, er betreibe linke Politik, habe in der Wählerschaft zirkuliert, und dies sei ihm zum Verhängnis geworden. «Und dabei hat die FDP erst mich angefragt, ob ich für sie ins Rennen ums Oberamt steige», sagt Dafflon. Da sei es unverständlich, wenn dieselbe Partei später befinde, er stehe zu weit links.

Thomas Zwald, Präsident der FDP Stadt Freiburg, weist diesen Vorwurf zurück: «Wir haben zu keinem Zeitpunkt offizielle Gespräche mit Hubert Dafflon geführt». Von einer Anfrage an Dafflon, FDP-Kandidat zu werden, könne darum keine Rede sein. Allerdings verstehe er, sagt Zwald, wenn die FDP-Basis Dafflons Politik misstrauisch betrachte. «Er hatte kaum Kredit bei unserer Wählerschaft.» Denn auch wenn die FDP Stimmfreigabe beschlossen habe, hätte der einzelne Wähler für Dfflon stimmen können, sagt Zwald: «Er hat es aber nicht geschafft, das brachliegende Elektorat zu überzeugen.»

«Gutes Resultat»

Emanuel Waeber, Kantonalpräsident der CVP, graulierte Dafflon vor den Medien zu seiner «guten Kampagne und zu seinem guten Resultat». Die CVP sei nach wie vor von den Qualitäten Dafflons überzeugt. «Die Wähler haben sich aber für eine populäre Person entschieden.» Auch Waeber machte die fehlende bürgerliche Unterstützung für die Niederlage Dafflons verantwortlich. Daniel Gander, Präsident der SVP Stadt Freiburg, meint dazu nur: «Wir sind nie von der FDP angefragt worden, ihren Kandidaten zu unterstützen.»

Auf die Frage, ob die CVP ein Personalproblem habe, meinte Waeber: «Wir haben ein Problem, was die Planung des Nachwuchses betrifft. Das haben wir erkannt, und daran arbeiten wir.» njb