Archiv 21.06.2008

Ein Abschied auf Raten

Wenn kein Wunder geschieht, schliesst die deutschsprachige Buchhandlung Lindwurm in Freiburg in einigen Monaten ihre Türen. Noch hoffen die Genossenschafter - wohlwissend, dass das Ende unausweichlich ist.

Autor: Nicole Jegerlehner

«Wir sind zu keinem Entscheid gekommen.» Die Genossenschafter des Lindwurm haben am Donnerstag über die Zukunft ihres Geschäfts diskutiert, das seit drei Jahren rote Zahlen schreibt. Ein Lager habe sich für das rasche Ende ausgesprochen, sagt Vorstandsmitglied Christoph Bauer; ein anderes ziehe einen sanften Abgang vor. «Die Meinung des zweiten Lagers hat überwogen.»

Fehlende Laufkundschaft

Möglichkeiten zur Rettung bleiben den Genossenschaftern kaum. Ein Umzug an einen besseren Standort ist in der heutigen Situation unmöglich «Für einen Umzug bräuchten wir Geld», sagt Bauer, «und das gibt uns angesichts unseres schlechten Geschäftsgangs zurzeit niemand.» Zu schaffen machen der Genossenschaft viele Faktoren: An der Lausannegasse fehlt die Laufkundschaft; immer mehr Leseratten kaufen ihre Bücher über Internet, viele Deutschfreiburger pendeln zur Arbeit nach Bern - und kaufen dort ihre Literatur ein.

Hoffen auf Mietreduktion

«Die Lausannegasse ist nicht mehr, was sie vor zwanzig Jahren war», sagt Bauer. Gleich geblieben ist aber der Mietzins: Über 5000 Franken muss der Lindwurm monatlich für sein Geschäftslokal bezahlen. «Das bringen wir an diesem Standort nicht mehr herein», sagt Bauer. Die Genossenschafter haben mehrmals versucht, weniger Miete bezahlen zu müssen - vergebens. Doch noch ist vor Gericht ein Vorstoss hängig, in dem es um eine Mietzinsreduktion geht. «Auch deswegen haben wir den endgültigen Entscheid über das Weiterbestehen des Lindwurms vertagt.» Er fügt an, dass der Vermieter der Genossenschaft «sehr, sehr entgegenkommen muss», damit die Buchhandlung an der Lausannegasse weitermachen könnte.

Gegen ein sofortiges Aus spricht die Absicht der Genossenschafter, «wenn schon, dann eine geordnete Liquidation» über die Bühne zu bringen, wie Bauer erklärt: Ein Drittel der Lindwurm-Bücher ist für Studierende. Darum ist es sinnvoll, den Ausverkauf zu starten, wenn wieder Studierende in der Stadt sind - also erst im Spätherbst.

Im letzten Geschäftsjahr hat Lindwurm 30 000 Franken Verlust geschrieben. «Das ist nicht enorm - aber wenn sich Verluste über mehrere Jahre summieren, ist es ein Problem», sagt Bauer, und fügt an: «Wenn kein Wunder passiert, ist unser sanfter Abschied bereits Realität.»