Archiv 10.03.2000

«Alle Erwartungen übertroffen»

Die Freiburger Bevölkerung stand kollektiv Kopf, als Nationalrat Joseph Deiss heute vor einem Jahr in die Landesregierung gewählt wurde. Turmhoch waren die Erwartungen, die nicht zuletzt auch die lokalen Politikerinnen und Politiker in den frischgebackenen Magistraten setzten. Zwölf Monate nach dem historischen Moment hat eine FN-Umfrage ergeben, dass Deiss die Hoffnungen nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen hat.

Bundesrat Joseph Deiss im Urteil von Freiburger Politikerinnen und Politikern

Unmittelbar nach Joseph Deiss' Wahl in den Bundesrat war sich die Freiburger Politprominenz quer über alle ideologischen Gräben hinweg einig: «Joseph Deiss», so der Tenor, «ist nicht nur ein Glücksfall für Freiburg, sondern für die ganze Schweiz.»

Ein Jahr später singt derselbe Chor in derselben Harmonie dasselbe Loblied in denselben Hochtönen: «Ich bin froh, dass Deiss damals gewählt worden ist», sagt CSP-Nationalrat Hugo Fasel und gibt damit die Meinung all seiner Parlamentskolleginnen und -kollegen wieder. «Deiss», rühmt Fasel, «hat es nicht nur geschafft, das Aussenministerium zu entkrampfen und seine Arbeit dank seiner Zweisprachigkeit auch für die Deutschschweizer Normalbürger verständlich zu machen. Er hat auch seine sozialpolitische Haltung beibehalten, was ihm als Mitglied einer Mitte-Rechts-Regierung sehr hoch anzurechnen ist.»

Offen, kompetent, gelassen und schlau

Anton Cottier, CVP-Ständerat und langjähriger Weggefährte von Deiss, stellt schlicht fest: «Joseph macht das ganz gut.» Sein Parteikollege zeichne sich sowohl durch eine hohe Kompetenz als auch durch eine beneidenswerte Gelassenheit aus, was ihm nicht zuletzt auch bei seinen Bemühungen um eine politische Öffnung der Schweiz zugute komme.

Gemäss SP-Nationalrat Erwin Jutzet hat Joseph Deiss die in ihn gesteckten Erwartungen «mehr als erfüllt». «Joseph ist offen, unbeschwert, sehr disponibel und schlau und legt darüberhinaus sehr viel Wert auf die persönliche Kontaktpflege zu uns Parlamentariern.» Der Umstand, dass Deiss seit seinem Amtsantritt bald häufiger im Ausland als in den Strassen von Bern unterwegs ist, stört Jutzet nicht im Geringsten - im Gegenteil: «Mit seinen vielen Reisen trägt Joseph ungeheuer viel dazu bei, dass die Schweiz international und erst noch positiv wahrgenommen wird.»
Hubert Lauper hat seinerseits erfreut zur Kenntnis genommen, wie die vermeintlich graue Politmaus quasi über Nacht zu einem humorvollen Sympathieträger avanciert ist. Was die politische Benotung anbetrifft, so vergibt auch der CVP-Nationalrat einen glatten Sechser: «Deiss ist exakt der charismatische , der dem Land noch gefehlt hat.»

«Was er anpackt, macht er richtig»

Für die frischgebackene SP-Nationalrätin Liliane Chappuis ist besonders erfreulich, dass Deiss «enorm viel zu einer Öffnung unserer Aussenpolitik und damit auch zu einer Schweizer Annäherung an die EU und die Uno beiträgt». Mit dem Empfang der umstrittenen österreichischen Aussenministerin Benita Ferrero-Waldner hat Deiss bei Chappuis diese Woche zwar den einen oder anderen Sympathiepunkt verscherzt, was an ihrem positiven Gesamturteil aber nichts ändert.

Elisabeth Leu-Lehmann sitzt nicht im eidgenössischen Parlament, war aber - damals noch als Grossratspräsidentin des Kantons Freiburg - ebenfalls live mit von der Partie, als Joseph Deiss in die Landesregierung befördert wurde. Sie hat sich von Deiss «keine Wunder erhofft». Umso glücklicher ist sie nun über den Umstand, dass Deiss seit seinem Ja-Wort vor der Vereinigten Bundesversammlung «richtig über sich hinausgewachsen ist und praktisch alles, was er anpackt, richtig macht».

Klar, konkret und mutig»

Selbst der Generalsekretär der SP Schweiz, Jean-François Steiert, dem sicher nicht überbordende Sympathien zur CVP nachgesagt werden können, hat an Deiss' Arbeit bis anhin nichts auszusetzen: «Er führt sein Departement tadellos. Bei seinen Staatsbesuchen hat er jedenfalls immer eine klare, offene, konkrete und mutige Haltung an den Tag gelegt.»