Archiv 10.01.2001

Augustin Macheret will nicht mehr

Augustin Macheret will nicht mehr

Urs Schwaller und Michel Pittet streben dritte Periode im Staatsrat an

Nicht ganz unerwartet hat gestern der 63-jährige Erziehungsdirektor Augustin Macheret seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur als Staatsrat erklärt. Eine dritte Amtsperiode streben im nächsten Herbst hingegen seine Parteikollegen Urs Schwaller und Michel Pittet an, wie die CVP mitteilte.

Von ARTHUR ZURKINDEN

Somit steht fest, dass die Freiburger Regierung ab 2002 ein neues Gesicht erhalten wird. Wie stark sich dieses Gesicht verändern wird, hängt natürlich vom Willen der Freiburger Wählerinnen und Wähler ab. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass sich nebst Augustin Macheret alle andern bisherigen Staatsräte einer Wiederwahl stellen werden.

«Wir werden unsere beiden Staatsräte Claude Grandjean und Ruth Lüthi wieder präsentieren», erklärt SP-Präsidentin Liliane Chappuis gegenüber den FN. Auch die FDP-Präsidentin Claudia Cotting ist sich sicher, dass Claude Lässer wieder kandidieren wird. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass sich ebenfalls der unabhängige Pascal Corminboeuf einer Wiederwahl stellen wird.

Wieder eine bürgerliche Allianz?

Sehr viel mehr war aber gestern über die Staatsratswahlen vom kommenden Herbst nicht zu erfahren. Noch völlig offen ist, ob die CVP und die FDP wie vor fünf Jahren mit einer gemeinsamen Liste ins Wahlrennen steigen werden. Ende 1995 war die Ausgangslage ganz anders. Damals kandidierten alle drei amtierenden CVP-Staatsräte für eine zweite Periode. Und weil die CVP im Staatsrat «nur» drei Sitze besetzen will, hatte sie kein Interesse, mehr als drei Kandidaten zu präsentieren. So hatten die zwei FDP-Kandidaten Claude Lässer und Jean-Nicolas Philipona auf der CVP-Liste noch füglich Platz. Für die CVP ging die Rechnung voll auf, denn ihre drei Kandidaten wurden bereits im ersten Wahlgang gewählt.

Uneinigkeit über Strategie

Weil Augustin Macheret nicht mehr kandidiert, muss die CVP diesmal aber frisches Blut bringen. CVP-Präsident Paul Sansonnens denkt an vier Kandidaten, aber auch fünf sind möglich. Er persönlich kann sich dennoch eine gemeinsame Liste mit der FDP vorstellen, wenn die CVP vier Kandidaten präsentiert. Anders sieht es aber Claudia Cotting. «Wenn wir gemeinsam mehr als fünf Kandidaten aufstellen, so ist dies gegenüber der Wählerschaft unehrlich. Wir wirken arrogant. Wir können nicht mehr als fünf Sitze beanspruchen. Die SP als zweitgrösste Partei ist auch noch da. Meine Idee wäre eine gemeinsame Liste mit bloss fünf Kandidaten», hält sie fest, erinnert aber daran, dass am Ende die Delegiertenversammlung und nicht sie entscheiden wird. Weitere Diskussionen über eine gemeinsame Liste zwischen den beiden bürgerlichen Parteien sollen Ende Januar stattfinden.

FDP strebt zwei Sitze an

Claudia Cotting verheimlicht nicht, dass die FDP zwei Sitze anstrebt, ohne dabei sagen zu können, wer der zweite Kandidat oder die zweite Kandidatin neben Claude Lässer sein wird. Sie will auch nicht erklären, dass die FDP diesen zweiten Sitz der SP wegnehmen will. «Der siebte Sitz ist immer irgendwie frei. Die Wählerschaft wird entscheiden, wem er gehören soll. Wir waren von 1991 bis 1996 überhaupt nicht in der Regierung vertreten», hält sie dazu fest.

Die FDP-Präsidentin persönlich würde jedenfalls eine bürgerliche Allianz begrüssen, genauso wie sie sich über eine starke und kollegiale Regierung freuen würde, welche den Kanton in eine gute Zukunft führt.

Auch CSP und SVP kandidieren

Ins Rennen um einen oder mehrere Sitze in der Freiburger Regierung werden sicher auch andere Parteien einsteigen. CSP-Präsident Michel Monney und SVP-Präsident Denis Colliard bestätigten jedenfalls diese Absichten gegenüber den FN, ohne aber konkretere Angaben über mögliche Kandidaten machen zu können.

CVP dankt Augustin Macheret

Das Präsidium der CVP dankte gestern Abend in einer Pressemitteilung Augustin Macheret für seinen grossen Einsatz an der Spitze des Departementes für Erziehung und Kultur. Wie Paul Sansonnens gegenüber den FN durchblicken liess, ist die CVP nicht ganz unglücklich darüber, dass es nun zu einer Blutauffrischung kommt. Gleichzeitig gab sich die CVP auch sehr erfreut darüber, dass ihre beiden Magistraten Urs Schwaller und Michel Pittet «weiterhin für das Wohlbefinden der Feiburger Bevölkerung besorgt sein möchten.»

Besser
als sein Ruf

Von ARTHUR ZURKINDEN

Mit Augustin Macheret verlässt ein Mann den Staatsrat, der in den letzten zehn Jahren dafür gesorgt hat, dass sich die bürgerliche Mehrheit in der Freiburger Regierung nicht nach Belieben durchsetzen konnte. Er fühlte sich als CVP-Mann des Öftern auch im linken Lager wohl. Er galt nicht gerade als sehr entscheidungsfreudiger Mensch, doch seine Bilanz lässt sich durchaus sehen. Er hatte aber als welscher Staatsrat ein Herz für Deutschfreiburg. So brachte er als Erziehungsdirektor viel Verständnis für die Ausrichtung der Deutschfreiburger Schulen auf, die sich ja des Öftern nicht mit jener der Westschweiz deckt. Und bezüglich Neu- und Erweiterungsbauten von Schulhäusern und Turnhallen wurde Deutschfreiburg während seiner Amtszeit fast verwöhnt.

Der negative Ausgang der Volksabstimmung über die Förderung der Partnersprache im vergangenen Herbst hat ihn sehr getroffen und bedeutete für ihn eine grosse Niederlage. Aber er konnte sich auch als Sieger feiern lassen, z. B. bei der Volksabstimmung über den Uni-Erweiterungsbau auf der Perolles-Ebene oder den Neubau der kantonalen Diplommittelschule. In seine Zeit fallen auch grosse Schulreformen, die er voll unterstützte. So hat er sich für die Schaffung der pädagogischen Hochschule, welche das traditionelle Lehrerseminar ersetzt, stark gemacht und im Grossen Rat ein überzeugendes Ja erhalten. Dabei hat er sich insbesondere in Deutschfreiburg nicht nur Freunde geschaffen. Dies war auch der Fall, als es galt, aus Spargründen das Reglement über die Schüler- und Klassenbestände zu ändern, was mancherorts zu grösseren Schülerzahlen in den Klassen führte.
Der dritte schulfreie Nachmittag pro Woche in den Primarschulen wurde ebenfalls während seiner Amtszeit eingeführt. Eine gute Aus- und Weiterbildung der Lehrerschaft lag ihm stets am Herzen. Er setzte sich aber auch für die Integration von behinderten und verhaltensgestörten Kindern (heilpädagogischer Stützunterricht) und von fremdsprachigen Schülerinnen und Schülern (Sprachunterricht) in die Regelklassen ein. Sein Anliegen war es stets, die soziale Erziehung (Gesundheit) in den Schulen zu fördern. Erweiterte Lernformen (besseres Eingehen auf die Bedürfnisse der Kinder), neue Schülerbeurteilung (neue Zeugnisse), neues Übertrittsverfahren (Empfehlung der Lehrer, gewisses Mitspracherecht der Eltern), Einführung von Leitideen, Umsetzung des Reformberichts in den Deutschfreiburger OS mit eigenen Schulleitbildern und mit dem Einzug der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, Pilotversuche für Schulleitungsprojekte in der Primarschule usw. sind einige weitere Reformen, die unter seiner Regie insbesondere in Deutschfreiburg wirksam geworden sind.