Archiv 17.02.2000

Für die CVP wollen rund 50 Frauen in den Verfassungsrat

Für die Frauen der CVP Freiburg ist die Rechnung einfach: Frauen machen 54 Prozent der Bevölkerung aus. Also müsste nach Adam Riese die Hälfte der Sitze im Verfassungsrat von Frauen besetzt sein. Und das wären 65 bei insgesamt 130 Sitzen!

65 Frauen im Verfassungsrat: zu schön, um wahr zu sein! Doch man hofft wenigstens - auch bei der CVP -, dass möglichst viele Frauen den Sprung schaffen. Und man hofft natürlich trotz der Tatsache, dass den insgesamt 250 Frauen 500 Männer gegenüberstehen. Die Frauen der CVP Freiburg jedenfalls zeigen sich erfreut, dass sich nebst den 90 CVP-Männern am 12. März auch 50 CVP-Frauen zur Wahl stellen.

Rund 10 Frauen, Kandidatinnen aus den verschiedenen Bezirken, haben gestern den Medien ihre Ziele der Revision vorgestellt. «Moitié-moitié» heisst die Devise vorderhand einmal für die Organisation. So soll ein Ko-Präsidium die Leitung des Verfassungsrates übernehmen. Ein Mann und eine Frau. Ausserdem wird eine paritätische (proportional gleichberechtigte) Besetzung von Rätinnen und Räten in allen Organisationen und Kommissionen des Verfassungsrates verlangt.

An die Familie gedacht

Damit die gewählten Frauen ihr Amt trotz ihrer erzieherischen Aufgaben in Ruhe ausüben können, setzen sich die Frauen für eine unentgeltliche Betreuungsstrukur ein. Das kann eine Kinderkrippe oder ein Kinderhütedienst sein.

Auch an der Medienorientierung gestern Mittwoch war ein weiteres Mal das altbekannte Lied zu hören. «Immer noch sind die Frauen in den Politetagen dünn gesät - zu dünn», betonte Marianne Meyer, Kandidatin und Mitarbeiterin beim Gleichstellungsbüro. Bald einmal 30 Jahre Frauenstimmrecht und 20 Jahre Gleichstellungsartikel, und trotzdem sitzen nur gerade 28 Frauen - bei 102 Männern - im Grossen Rat. Auch liege die CVP mit dem Frauenanteil im Vergleich zu andern Parteien immer noch im Rückstand. Tatsächlich: Die CVP als grösste Partei im Grossen Rat ist nur gerade mit vier Frauen vertreten - bei 41 Männern.

Ein Wahlprozedere mit Nachklang

Die CVP-Frauen wollen auch diejenigen Frauen ins Prozedere miteinbeziehen, die am 12. März nicht gewählt werden. «Kompetenzzentrum» heisst das Projekt: Die Nichtgewählten sollen den Gewählten mit Rat und Tat zur Seite stehen. Alle gewählten Frauen erhalten somit eine Liste, auf der Beruf, Kompetenz und allenfalls Kommissionenerfahrung der Nichtgewählten aufgeführt sind. Die Gewählten haben somit die Möglichkeit, auf das Wissen und die Unterstützung dieser Frauen zurückzugreifen. Ein Wahlprozedere mit Nachklang, meint Angelika Sekulic, Präsidentin der CVP-Frauen, und warnt leicht schmunzelnd die Runde: «Ihr müsst immer mehr mit uns rechnen!»