Archiv 25.05.2000

Gastgewerbe im Strudel neuer Gesetze

Gastgewerbe im Strudel neuer Gesetze

Die Wirte kämpfen zum Überleben um gute Rahmenbedingungen

«Den Erwartungen unserer Kundschaft entsprechen zu können, ist unser wichtigstes Anliegen», sagte Gastro-Freiburg-Präsident Tobias Zbinden an der Delegiertenversammlung seines Verbandes. Dazu brauche es aber gute Rahmenbedingungen. Angekündigte Geset-zesänderungen seien aber diesbezüglich nicht verheissungsvoll.

Von WALTER BUCHS

In seinem ausführlichen Jahresbericht vor den Delegierten des Wirtevereins (Gastro-Freiburg) und den vielen Gästen gab Tobias Zbinden gestern in Bulle bekannt, dass sich Gastro-Schweiz beim Bundesrat für eine Verschiebung der Inkraftsetzung des Arbeitsgesetzes eingesetzt habe. Das Gastgewerbe müsse mehr Zeit haben, um sich darauf einzustellen.

An der Generalversammlung kam ebenfalls die vorgesehene Revision des Berufsbildungsgesetzes zur Sprache. Dieses bringt eine Verlängerung der Grundausbildung und eine stärkere Beteiligung der Berufsverbände.

Mehr Sicherheit auf der Strasse
- aber nicht um jeden Preis

Der Präsident gab klar zu verstehen, dass Gastro-Freiburg zwar mehr Sicherheit auf der Strasse begrüsse, aber gegen eine Senkung der Alkohol-Toleranzgrenze für Motorfahrzeuglenker von 0,8 auf 0,5 Promille sei, wie es die Revision des Strassenverkehrsgesetzes vorsehe. Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Alkoholgehalt im Blut der Fahrzeuglenker, die in einen Unfall verwickelt gewesen sind, im Durchschnitt 1,7 Promille betragen habe. Eine Wirkung der vorgesehenen Massnahme sei daher nicht bewiesen. Letztere habe «gravierende Konsequenzen für die regionale Wirtschaft und führe zu Arbeitsplatzverlusten in ländlichen Gegenden».

Tobias Zbinden vertrat weiter die Ansicht, dass die Revision des Betäubungsmittelgesetzes nicht anwendbar und für das Gastgewerbe überflüssig sei. Die Kriminalisierung von alkoholhaltigen Getränken und Tabak, welche als Droge angesehen werden, sei nicht annehmbar. Im Bereich des Rauchens rief der Wirtepräsident zu «Toleranz und Rücksichtnahme» auf, um zu verhindern, dass Lösungen aufgezwungen werden, wie sie in Frankreich oder den USA eingeführt wurden.

Angesichts der vorgesehenen Revisionen ist es somit für Tobias Zbinden notwendig, die Gesetzgebung aufmerksam zu verfolgen. Dabei stellte er mit Genugtuung fest, dass das Ausführungsreglement zum kantonalen Gaststättengesetz wesentliche Fortschritte bringe, namentlich auf dem Gebiet der verlängerten Öffnungszeiten und des Nachtbetriebes. Der Dialog, der mit Politikern und den Behörden geführt wurde, habe sich also ausbezahlt.

Konjunkturaufschwung ist das eine - strukturelle Probleme das andere

Alain Bischofberger hatte an der Mitgliederversammlung im Bericht der Kommission für Wirtschaftsfragen und Marketing festgestellt, dass die Umsätze der Branche seit Jahren rückläufig seien. Es sei daher überraschend, dass die Zahl der Gaststätten weiter zunehme, und auch ein Beweis, dass der Wettbewerb spiele.

Tobias Zbinden hielt dann im öffentlichen Teil der Veranstaltung fest, dass die gute Konjunkturlage entgegen den allgemeinen Beteuerungen noch nicht überall durchgeschlagen habe. Wie er den FN gegenüber ergänzte, gibt es weiterhin strukturelle Probleme zu bewältigen. Die Betriebe, welche sich im Angebot innovativ zeigen und gut geführt sind, könnten aber bereits von der verbesserten Konjunktur profitieren.

Neue Charta:
«Produkte aus dem Freiburgerland»

Wirtepräsident Zbinden rief seine Mitglieder schliesslich auf, sich im Bereich Tourismus mehr zu engagieren. In diesem Zusammenhang freute er sich darüber, dass zusammen mit dem vor wenigen Monaten gegründeten «Verband zur Förderung der Produkte aus dem Freiburgerland» eine Charta ausgearbeitet wurde. Diese wurde zum Schluss der Versammlung offiziell unterzeichnet, und die Mitglieder wurden eingeladen, im Sinne der Charta, deren Text auf Deutsch noch nicht vorliegt, an der Förderung einheimischer Produkte mitzuwirken.

Wie bereits Tobias Zbinden wies Staatsrat Claude Grandjean auf die Bedeutung der Aus- und Weiterbildung im Gastgewerbe hin. Der Beruf sei anspruchsvoll, verlange gute Unternehmer, denen es gelingt, ihre Innovationskraft unter Beweis zu stellen.

In Fortsetzung der Ausführungen des Polizeidirektors betonte auch Grossratspräsidentin Evelyne Krauskopf die soziale Rolle der Bran-
che. Gaststätten seien Orte der Begegnung und des Gedankenaustausches.

Grundausbildung
in sechs Modulen

An der gestrigen Delegiertenversammlung von Gastro-Freiburg sind zum Schluss die Fähigkeitsausweise an die Teilnehmer der letzten beiden Berufskurse (frühere Wirtekurse) überreicht worden. Insgesamt haben 39 französischsprachige Personen diese Kurse bestanden. Für elf Deutschsprachige hat im letzten Monat ein Kurs begonnen.

Der letzte Kurs, der von Januar bis März dauerte, wurde zum ersten Male nach einem völlig neuen Konzept von Gastro-Schweiz durchgeführt. Er dauert insgesamt 45 Tage und ist in sechs Module unterteilt. Künftig soll diese Grundausbildung, die alle zwei Jahre angeboten wird, auf acht Monate verteilt werden. Deutschsprachige können den Kurs auch in Bern besuchen und müssen dann lediglich den Teil «Kantonale Gesetzgebung» in Freiburg nachholen.

Die zweite Stufe der Ausbildung ist der Betriebsleiterkurs. 12 Personen besuchen gegenwärtig einen solchen Kurs, der am 6. Juli offiziell abgeschlossen wird. Die dritte Stufe bildet das eidg. Restaurateur-Diplom. Er wird von Gastro-Schweiz durchgeführt. In der Westschweiz fand noch kein solcher Kurs statt.

Präsident Tobias Zbinden rief seine Mitglieder ebenfalls dazu auf, den Kurs «Qualitäts-Label» von Schweiz-Tourismus zu besuchen, um so die Qualität des eigenen Hauses zu heben. Im Übrigen sei er zuversichtlich, dass sie die Innovationskraft haben, die grossen Vorteile gegenüber der Fast-Food- und Schnellimbiss-Welle zum eigenen Vorteil auszuspielen. wb

Hallo . . . Kantonspolizei!

Kaum hatte der Präsident von Gastro-Freiburg mit dem Vortragen seines Jahresberichts begonnen, wurde er jäh unterbrochen. Ein zuerst undefinierbarer Lärm in der Lautsprecheranlage übertönte ihn.

Bald wurde klar, dass hier, für alle im vollen Saal des Hôtel-de-Ville hörbar, Funksprüche ausgesendet und empfangen wurden. So konnte der Polizeidirektor auch während des Besuchs bei den Wirten die Arbeit seiner Untergebenen direkt mitverfolgen! Nach wenigen Minuten war die offensichtliche Panne be-
hoben. FN