Archiv 24.05.2000

Hoffnung auf bessere Zeiten

Das Ja zum Verkauf der Feldschlösschen-Brauerei scheidet die Geister: Die einen malen den Teufel an die Wand, andere wiederum sehen den Himmel voller Geigen. Das eine oder andere wird für Cardinal über kurz oder lang eintreffen.

Der Cardinal-Direktor Dieter Zingg sieht der Zukunft optimistisch entgegen

Autor: Von IRMGARD LEHMANN

Bis Ende Jahr sollte der Käufer des Feldschlösschen-Getränkebereichs bekannt sein. Dann weiss auch Cardinal Bescheid über ihre Zukunft. Die entscheidende Frage ist die, ob der neue Konzern Cardinal auf der Plus- oder Negativseite einstuft.

«Es kann ja sein, dass der neue Besitzer überhaupt kein Interesse hat an den Verträgen zwischen Cardinal und Feldschlösschen», sagt der ehemalige Direktor Arnold Bertschy. Dem Feldschlösschen-Beschluss Positives abzugewinnen vermag hingegen Cardinal-Direktor Dieter Zingg. «Ein Wechsel ist allemal besser, als im gleichen weiterzufahren wie bisher.» Keine Angst also vor einer Schliessung des Betriebes? «Klar kann ich keine Garantie für ein Weiterbestehen abgeben.» Dass aber ein Brauer kaufe, um gleich einen Sozialplan aufzustellen, sei doch eher absurd.

Kapazitäten nur teilweise
ausgeschöpft

Die Cardinal-Brauerei in Freiburg bietet zurzeit in den Bereichen Produktion, Administration und Grobverteilung rund 130 Arbeitsplätze an. Der Betrieb verfügt über moderne Anlagen, deren Kapazitäten gegenwärtig nicht ausgeschöpft sind. Cardinal produziert rund eine halbe Million Hektoliter pro Jahr. Insgesamt bringt die Gruppe zwei Millionen Hektoliter auf den Markt.

Die Direktion sieht in diesen neuen Anlagen ebenfalls Pluspunkte, die für eine Zukunft des Betriebes sprechen.
Feldschlösschen hat Cardinal im Jahre 1994 übernommen. Und vor zwei Jahren hat der Protest der Freiburger Regierung und der Bevölkerung bewirkt, dass die Cardinal weiterhin bestehen blieb.

Der Vorwurf ist gefallen

Der Getränkebereich der Feldschlösschen hat rund 600 Millionen Franken Schulden. Robert Jeker, Verwaltungsratspräsident, wies an der Aktionärsversammlung vom Montag auf die Gründe hin. Die Cardinal-Brauerei schien eine der Schuldigen zu sein. Darauf angesprochen, wollte Robert Jeker seine Aussage am Dienstag auf Anfrage der FN nicht so krass formuliert haben. «Ich habe lediglich das Einmischen der Politiker als problematisch hingestellt.» Auch gehe es nicht an, einzelne Betriebe - wie das eben in Freiburg der Fall war - besser zu behandeln als andere.

Zum Vorwurf - ob krass oder abgeschwächt - wollte Direktor Dieter Zingg nicht Stellung nehmen. Es stehe ihm nicht an, die Aussage des Verwaltungspräsidenten zu kommentieren. Kein Blatt vor den Mund nimmt hingegen Arnold Bertschy, der bis Ende 1997 Generaldirektor war. «Der Schuldenberg ist die Quittung für ein Missmanagement in der jüngeren Feldschlösschen-Ära.»
Der Bierkoloss hat in den letzten Jahren wahllos Brauereien zusammengekauft. Rheinfelden hat sich damit eine bessere Überlebenschance ausgerechnet. Die Rechnung ging jedoch nicht auf. Auf der Strecke blieben die Innovationen.

Für jedes Bier eine Heimat

An der Aktionärsversammlung hat Rober Jeker auch darauf hingewiesen, dass «Bier eine Heimat haben muss». Etwas, das Cardinal immer wichtig war. Doch Feldschlösschen habe nichts dafür getan. Punkto Werbekampagne sei Freiburg vernachlässigt worden. Dazu Arnold Bertschy: «Ich spreche Jeker jegliche Kompetenz im Biermanagement ab.»