Archiv 01.02.2001

Impfkampagne gegen Meningokokken C

Impfkampagne gegen Meningokokken C

Im Greyerzbezirk sind Infektionen in den letzten drei Monaten relativ häufig aufgetreten

Da im Greyerzbezirk verschiedene Fälle von Infektionen des Bluts und der Hirnhaut durch die Bakterien Meningokokken C festgestellt wurden, hat der Kantonsarzt eine Impfkampagne bei Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahren beantragt. Diese ist freiwillig, wird aber sehr empfohlen.

Von WALTER BUCHS

Gestern haben die Gemeinderäte und Schulkommissionen des Greyerzbezirks dringende Post von der Gesundheits- und Sozialfürsorgedirektion bekommen. Sie wurden darüber informiert, dass im ganzen Bezirk eine Impfkampagne gegen Meningitis (Hirnhautentzündung) angeboten wird. Diese richtet sich ausschliesslich an Kinder ab 18 Monaten und an Jugendliche bis 19 Jahren. Die Impfung der Kinder von 2 bis 17 Monaten ist ebenfalls vorgesehen. Für diese braucht es einen besonderen Impfstoff, der im Moment nur im Ausland beschafft werden kann. Der Kanton trägt die Kosten der Kampagne.

Keine Notfallsituation

Wie am Mittwoch an einer von Staatsrätin Ruth Lüthi geleiteten Pressekonferenz bekannt gegeben wurde, häufen sich seit mehr als einem Jahr die Infektionen durch Meningokokken. Während in den Jahren 1996 bis 1999 im Kanton jeweils nur vier Fälle registriert wurden, waren es im letzten Jahr 25. 16 davon traten im Greyerzbezirk auf; einer verlief tödlich. Allein in den letzten drei Monaten sind in diesem Bezirk sieben Fälle aufgetreten, wovon drei bei Geschwistern.

Aus diesem Grunde hat nun der Kantonsarzt die Impfkampagne beantragt, obwohl laut Bundesamt für Gesundheit keine medizinische Dringlichkeit besteht. Er hat die Lage vorgängig mit den Spezialisten des Kantonsspitals für Infektions- und Kinderkrankheiten geprüft. Gemäss Brief an die Gemeinden sind die Ärzte der Meinung, dass es besser ist, «diese Kampagne jetzt zu organisieren, so lange die Erkrankungen noch lokalisiert werden können und noch keine Epidemie darstellen. Der Kanton beschafft die rund 10 000 Dosen Impfstoff gegen Meningokokken C und versucht auch den Impfstoff für Kleinkinder im Ausland zu beschaffen. Der Import ist bereits bewilligt.

Aufgaben der Gemeinden

Der Kantonsarzt ist beauftragt, die Impfungen gemeinsam mit den Gemeinden durchzuführen. Letztere haben die Bevölkerung sofort zu informieren. Sie nehmen die Anmeldungen entgegen und leiten sie an die Schulkommission weiter. Kinder bis zum vollendeten 17. Monat sind getrennt zu erfassen.

Die Schulkommissionen haben im Kontakt mit dem Schularzt die Impfsessionen zu organisieren. Sie legen Ort und das oder die Daten fest. Die OS, das Kollegium und die Berufsschule Bulle werden zusammen mit den vom Kantonsarzt bezeichneten Ärzten die Impfungen vornehmen. Jugendliche, die Schulen ausserhalb des Bezirks besuchen und sich für die (nicht obligatorische) Impfung anmelden möchten, tun dies bei ihrer Gemeinde. Es ist auch möglich, sich im Bezirksspital in Riaz (Notfalldienst) direkt gratis impfen zu lassen. Eine vorherige Anmeldung ist allerdings notwendig. Die Kampagne muss am 23. Februar abgeschlossen sein. Alle geimpften Personen erhalten eine Impfbescheinigung, die ins Impfbüchlein gelegt wird.

Wirkung: Drei Jahre

Infektionen durch Meningokokken treten hauptsächlich bei Kleinkindern, Kindern und gelegentlich bei Jugendlichen auf. Deshalb wird in der jetzigen Situation bei diesen Alterskategorien im Greyerzbezirk die Impfung empfohlen. Sie schützt gegen Meningokokken A und C. Gemäss Informationsblatt an die Eltern und Jugendlichen sind die Meningokokken C gegenwärtig für fast alle Infektionen verantwortlich.

Der Impfschutz beginnt nach zwei Wochen und hält drei Jahre lang an. Eine Wiederholung drängt sich auf, wenn das Infektionsrisiko immer noch hoch ist. Bei einem Infektionsfall müssen Personen, die in engem Kontakt zum Kranken standen, vorsorglich behandelt werden. Auf diese Weise bekam man bisher sporadisch auftretende Infektionen in den Griff, so dass es weder Folgeschäden noch kleine Epidemien gab, betont der Kantonsarzt. Die Impfung besteht in einer Spritze unter die Haut oder ins Innere der Muskeln. Gelegentlich treten Nebenwirkungen wie Rötungen oder lokale Schwellungen auf.