Archiv 19.09.2001

Kein Klassenzimmer ohne Computer

Kein Klassenzimmer ohne Computer

Der Grosse Rat genehmigt ein Globalkonzept zur Förderung der Informationstechnologien in den Schulen

In den Freiburger Schulstuben muss mindestens ein Computer mit Drucker und Internetanschluss stehen. Der erste Kontakt mit dem Computer hat schon im Kindergarten zu erfolgen. Der Grosse Rat hat gestern ein entsprechendes Globalkonzept und 7,2 Mio. Franken genehmigt.

Von ARTHUR ZURKINDEN

«FR-IKT» nennt sich das Projekt, das den Freiburger Kindern und Jugendlichen jene Computer-Kenntnisse vermitteln soll, um später auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. «FR-IKT» steht für «Integration der Informations- und Kommunikationstech- nologien an den Freiburger Schulen». Ein Drei-Säulen-Konzept soll dem Projekt zum Durchbruch verhelfen: Ausbildung der Lehrpersonen, die Schaffung einer kantonalen pädagogischen Fachstelle FR-IKT sowie die Ausrüstung der Schulen mit Computern. Das Globalkonzept betrifft alle Schulstufen, angefangen beim Kindergarten über die Primar- und Orientierungs- bis hin zu den Mittel- und Berufsschulen. Die Fachstelle FR-IKT steht dabei den Lehrpersonen für Fragen und Probleme zur Verfügung. Sie hat sich auch um die Ausbildung zu kümmern und muss eine eigentliche Bildungsoffensive lancieren.

Gemeinden finanziell gefordert

Rund 13 Mio. Franken kostet die Umsetzung des Konzeptes in den nächsten fünf Jahren: 7,3 Mio. übernimmt der Staat, 5,7 Mio. gehen zu Lasten
der Gemeinden. Kommissionssprecher Benoît Rey war sich bewusst, dass die finanzielle Belastung für die Gemeinden gross ist. Er wies aber auf die Mittel hin, welche der Bund und Privatfirmen für solche Projekte zur Verfügung stellen. CSP-Sprecherin Antje Burri-Escher wollte wissen, ob der Staat die Gemeinden über ihre Kostenbeteiligung orientiert habe, zumal diese beginnen, das Budget 2002 aufzustellen. Pierre-Alain Clément (SP, Freiburg) verlangte gar eine vollständige Kantonalisierung dieser Aufgabe, um allen Schülerinnen und Schülern des Kantons die gleiche Ausbildung zu garantieren. Er befürchtete ansonsten, dass die Gemeinden ihren Verpflichtungen nicht im gleichen Masse nachkommen werden.

Gehen dem Staat die Gelder aus?

Max Felser (SP, Meyriez) machte sich Sorgen, dass die 7,2 Mio., die der Kanton übernimmt, nicht reichen werden. Ihm war zu Ohren gekommen, dass der Staat schon beabsichtige, das Budget 2002 für dieses Projekt um 30 Prozent oder 400 000 Franken zu kürzen. Auch Beat Vonlanthen (CVP, St. Antoni) hat davon Kenntnis erhalten und forderte den Staatsrat auf, von solchen Sparabsichten abzusehen. Er gab sich enttäuscht über die Zurückhaltung gegenüber diesem Projekt, die er aus verschiedenen Wortmeldungen herauslesen konnte. «Selbst im hintersten Winkel Westafrikas gibt es Internet-Anschluss», meinte er. «Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben», zitierte er weiter Michael Gorbatschow. «Hier würde aber die Freiburger Jugend bestraft», fügte er an.

Beat Vonlanthen gab zu bedenken, dass ein Nein zu diesem Globalkonzept und den Krediten in der ganzen Schweiz nur Kopfschütteln auslösen würde. Ein solches Globalkonzept bilde aber Voraussetzung, um über
das bundesweite «Public-Private-Partnership»-Projekt Gelder zu erhalten.
Erziehungsdirektor Augustin Macheret pflichtete dem Sensler Grossrat bei, dass hier auch das Image des Kantons Freiburg auf dem Spiel stehe. Er wehrte sich gegen eine Kantonalisierung des Projektes, zumal die Gemeinden sich der Wichtigkeit der neuen Technologien bewusst seien und bereits in der Vergangenheit die Schulen grosszügig mit Computern ausgerüstet hätten. So rief er in Erinnerung, dass die Gemeinden im vergangenen Jahr drei Mio. Franken in diesen Bereich investiert haben. Mit 91 zu zwei Stimmen (neun Enthaltungen) genehmigte der Grosse Rat in der Folge das Globalkonzept und gewährte die notwendigen Gelder.