Archiv 13.07.2001

Pfadfinder besetzen Gletterens

Pfadfinder besetzen Gletterens

Rund 650 Kinder und Jugendliche nehmen am kantonalen Lager teil

Das Lager ist errichtet und die Zelte bezogen. 18 der 19 Pfadfindergruppen des Kantons Freiburg verbringen die nächsten zehn Tage gemeinsam in Gletterens. Mit dabei auch die drei deutschsprachigen Gruppen aus Murten, Düdingen und der Stadt Freiburg.

Von CORINNE AEBERHARD

Enerd'jie@2001 lautet das Logo des Kantonallagers der Pfadi Freiburg. Es ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet Energie. Viel Energie haben die rund 650 teilnehmenden Pfadfinderinnen und Pfadfinder bereits investiert, um das Zeltlager zu errichten.

Gegenseitig hat man versucht, sich zu übertreffen. «Wir haben den höchsten Turm des Lagers», behauptet der Murtner-Leiter Dominic Sydler «Dimitri» genannt. Dies sagt er mit einem Seitenblick auf die Pfadfinder St-Thérèse aus Freiburg. Sie errichteten ihr Lager auf hohen Pfählen, darauf montierten sie mit Holzbrettern einen Boden, auf welchem nun die Zelte stehen. Eine Art Pfahlbauersiedlung. Man weiss ja nie, wie sich das Wetter entwickelt.

Synergien mit der Expo nutzen

Auf einem rund 8000 Quadratmeter grossen Feld können sich die 650 teilnehmenden Buben und Mädchen sowie die rund 150 Helferinnen und Helfer in den nächsten zehn Tagen breit machen. Das Grundstück hat die Gemeinde der Pfadi zur Verfügung gestellt. Auf umliegenden Plätzen finden weitere Aktivitäten statt.

Vor drei Jahren haben die Arbeiten für die Organisation des Anlasses begonnen. «Die Idee war, Synergien mit der Expo zu nutzen», sagt der für die Organisation verantwortliche Sacha Pipoz mit einem Schmunzeln. «Wir waren bereit und motiviert, deshalb führen wir das Lager nun auch dieses Jahr durch.»

Der 29-jährige Flugverkehrsleiter hat viel Zeit in die Organisation gesteckt. Die Pfadi sei eigentlich seine Hauptbeschäftigung in der Freizeit. Von der guten Vorarbeit, die geleistet wurde, profitieren die einzelnen Pfadfindergruppen. Christoph Jungo, Leiter bei der Pfadi St. Peter & Paul, aus Düdingen erklärt, dass sie sich bereits zum Voraus für die einzelnen Aktivitäten anmelden konnten.

Jede Gruppe wählte ein Thema, zu dem sie dann Pflichtübungen absolvieren muss. Zur Auswahl standen: Pfadi, Kommunikation, Sozialgebiet, Ökologie und Energie.

Dieses Thema dient der einzelnen Gruppe als roter Faden. Sie darf dann aber auch Aktivitäten zu anderen Themen besuchen.

Taufe verlangt Mut

Das Lagerleben gefalle ihnen bis jetzt, sagen Yvo, Fabian und Tilman von der Pfadi Freiburg Maggenberg. Einzig Yvo hat etwas Mühe mit dem unebenen Boden. «Am Morgen tut mir alles weh». In der Pfadi nennt man in «Waka», was ein Indianername ist. Sein Freund Tilman ist «Wontolla» (Wolf). Noch nicht getauft ist Fabian, da er noch nicht zwei Jahre in der Pfadi ist. Er fürchtet sich ein wenig davor, denn das sei eine «schlimme Sache», wie ihm Yvo verraten habe.

So müsse man beispielsweise mit verbundenen Augen «gruusige Sachen essen» wie etwa ein mit Mayonnaise bestrichener Apfel oder in Essig eingelegte Früchte. Das ginge ja noch, aber die anderen erklärten dann, dass es Kuhaugen seien. Noch Schlimmeres erwarte einen, wenn man sich umtaufen lassen wolle.

Vier Taufen hat die Pfadi Andromeda Murten im Lager bereits durchgeführt. Um halb zwei in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch wurde Matthias Widmer auf «Logo» getauft, Yves Blondel erhielt den Namen «Majestix», Nadine Oehler wird nun «Naria» gerufen und Christoph Loy heisst «Snoopy».

Die Vier mussten einige Mutproben ablegen wie beispielsweise auf den hohen Turm klettern. Am Schluss wurde ihnen ein Zaubertrank serviert.

Konkurrenz
von anderen Vereinen

Trotz allem habe die Pfadi alles Moderne überstanden, sagte Sacha Pipoz, und sprach damit zwischen den Zeilen die Konkurrenz zu anderen Vereinen an. Im Kanton Freiburg seien rund 1400 Kinder und Jugendliche in einer Vereinigung. 55 000 seien es schweizweit.

Werner Gander, Präsident der Pfadfinder Düdingen und in seiner Lagerfunktion als Koch in Sachen Gewürze unterwegs, bestätigt die starke Konkurrenz zu anderen Vereinen, wie etwa Sportklubs. Wenn beispielsweise am Samstag ein Fussballmatch stattfinde, dann entschieden sich die Kinder für den Sport. In die Pfadi könne man ja dann ein anderes Mal wieder gehen. Er bedauert diese Einstellung und will deshalb mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten. Man wisse zu wenig, was man in der Pfadi alles lernen könne. Und Sacha Pipoz meint, dass in der Pfadi viel Jugendarbeit geleistet werde. Die jungen Leute würden durch Junge erzogen und lernten Werte kennen und schätzen.

Feuer, Wasser, Erde und Luft

Das Lager in Gletterens ist in vier «Dörfer» unterteilt. Jedem Dorf ist ein Element zugeteilt und dementsprechend ist es auch dekoriert. So verfügen die Glücklichen, welche im «Wasserdorf» leben über eine Brunnen, in welchem sie die Füsse kühlen können. Das «Luftdorf» ist mit Windspielen geschmückt, im «Feuerdorf» steht ein Haufen Holz und im Dorf der Erde gibt es gar «Haustiere». Zwei kleine schwarze Schweinchen liegen träge im Schatten und Hasen verstecken sich in einem Gehege.

Lager soll verbinden

Das Lager, das die Wölfli, Bienchen, Pfadfinder, Pionnier, Cordée und Rover, wie die Pfadfinderinnen und Pfadfinder je nach Altersgruppe genannt werden, nun geniessen können, verfügt über ein Budget von 350 000 Franken. Ein Teil der Kosten übernehmen Sponsoren, Gemeinden sowie Kirchgemeinden. Pro Kind kostet das Lager zwischen 195 und 275 Franken.

Fragt man im Lager herum, dann wollen die Kinder vor allem andere kennen lernen. Mit dem zweisprachigen Lager wolle man auch etwas gegen den «Röschtigraben» tun, so Lagerorganisator Pipoz.

Als weiteren Integrationsschritt ist vorgesehen, dass behinderte Pfadfinder aus Bulle und Marly ein paar Tage im Lager verbringen werden.

Die Lagerteilnehmer werden zudem in den Genuss von Konzerten kommen. Weiter stehen Museumsbesuche an, ein Cybercafé ist eingerichtet und die täglichen News erfahren die Pfadfinder aus dem «Le Journal», welches zweisprachig gedruckt wird.