Archiv 23.11.2000

Politiker ohne Eigennutz

Heute feiert alt Staatsrat Ferdinand Masset bei respektabler geistiger und körperlicher Frische in seinem Heim in Freiburg seinen 80. Geburtstag. Er krönte seine Karriere als Staatsrat. Von 1976-1986 war er Baudirektor.

Untertitel: Alt Staatsrat Ferdinand Masset wird 80 Jahre alt

Autor: Von MARKUS ESCHER

Der Bürger von Bussy (Broye) wurde in Courtion geboren. Dem Handelsdiplom am Kollegium St. Michael folgte einige Jahre später das eidgenössische Buchhalterdiplom. Beruflich fungierte Ferdinand Masset während etlichen Jahren als Direktor des kantonalen Arbeitgeberverbandes, mit dem er bis heute fest verbunden ist.

Kontinuierlicher,
zielstrebiger Aufstieg

Wer an Ferdinand Masset denkt, assoziiert im gleichen Gedankengang (freisinnige) Politik. 1961 wird er in den Grossen Rat und 1966 in den Gemeinderat der Stadt Freiburg gewählt, dem er bis Ende 1974 angehörte. 1971 ist für die Freisinnigen des Kantons Freiburg ein schwarzes Jahr; sie werden unverhofft aus dem Staatsrat geworfen und an ihrer Stelle nehmen zwei Sozialdemokraten Einsitz. Doch schon fünf Jahre später erfolgt die Retourkutsche; den Radikalen gelingt es mit Unterstützung ihrer historischen Erzrivalin, der CVP, die beiden SP-Staatsräte aus den Regierungsfauteuils zu kippen.

Der Zweier-Vorschlag der FDP kann sich dabei durchsetzen: Masset erzielt ein gutes Resultat, und auch sein Mitbewerber aus dem Seebezirk, Hans Bächler, schafft den Sprung in den Staatsrat. Ferdinand Masset wird die Baudirektion anvertraut, die er bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1986 leitet. Im Jubeljahr 1981, als das Üechtland die 500-jährige Zugehörigkeit zum Bund feiert, präsidiert er die Kantonsregierung, ein Amt, das ihm 1985 noch einmal zufällt, so wie eben die Anciennitätsregeln im Regierungskollegium spielen.

Aktiver Ruhestand

1986, mit 66 Jahren und nach zehn-jähriger Zugehörigkeit zur Kantonsregierung, entscheidet er sich, seine politische Laufbahn zu beenden, obwohl ihn die Exponenten seiner Partei eindringlich gebeten haben, doch noch eine Periode anzuhängen. Hier sollte sich eigentlich der Ruhestand des Jubilars anschliessen. Doch die res publica konnte und wollte nicht so ohne Weiteres auf diesen versierten und erfahrenen Politiker verzichten, dessen Qualitätsmerkmal Augenmass, rationelles Denken und Entscheidungsfreude ist.

Praktikable Antworten
auf delikate Fragen

Wo eine tüchtige und starke Kraft gesucht wurde, kam man rasch auf Masset, der für Staat und Gesellschaft in zahlreichen delikaten Fragen eine praktikable Antwort gefunden hat. Wenn es heute auch etwas ruhiger um ihn geworden ist, heisst dies noch lange nicht, er würde sich nun seiner dritten Lebensphase, dem Rentnerleben, hingeben. Aktiv sein ist ihm wichtig, und regelmässig kreuzt er beim Arbeitgeberverband an der Spitalstrasse auf, um eine anstehende Arbeit zu erledigen.

Was soll man über einen alt Staatsrat sagen, von dem anzunehmen ist, dass er nicht bloss in die Fussnoten der Geschichte des Kantons Freiburg eingehen wird? Etliche seiner Kollegen, die mit ihm die Regierungsverantwortung geteilt haben, meinen, dass man sich gerne an ihn erinnere, weil er, ohne Eigennutz, selbst in scheinbar ausweglosen Situationen die Führung übernommen habe, um eine brauchbare Lösung zu finden. Das ist für den 80-jährigen Ferdinand Masset ein wohlverdientes Lob.