Archiv 06.10.2000

Reine Nervensache

Zwischen zwanzig und dreissig Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren werden von ihren Eltern täglich im Kinderhort der Freiburger Messe «parkiert». Um die Kids kümmert sich ein fünfköpfiges Team von geschulten Betreuerinnen, das die mitunter recht turbulente Lage völlig im Griff hat.

Im Freiburger-Messe-Kinderhort läufts rund

Autor: Vom H. ORCHER (Texte)
und S. PÄHER (Bilder)

Gute Nerven und ein grosses Einfühlungsvermögen gehören zu den unabdingbaren Charaktereigenschaften, die jemand aufweisen muss, um sich während der Freiburger Messe als Kinderhüterin zu betätigen.

Tanya Heimo zählt zum weiblichen Betreuerquintett, das Tag für Tag dafür sorgt, dass sich die Grossen in den Messehallen tummeln können, ohne sich gross um den Nachwuchs kümmern zu müssen.

«Musterbeispiele an Artigkeit»

Ihren Entschluss, sich als Kinderhüterin für das Comptoir zur Verfügung zu stellen, hat Tanya Heimo bis heute noch keine Sekunde lang bereut: «Die Kinder machen überhaupt keine Probleme und sind eigentlich durchs Band weg Musterbeispiele an Artigkeit», sagt die ebenso charmante wie versierte «Kids-Bändigerin».

Um die mitunter überaus lebhaften Drei- bis Siebenjährigen bei Laune und unter Kontrolle zu halten, stehen Heimo und ihre Kolleginnen eine Anzahl von Spielen, ein Fernseher («ist sehr, sehr gefragt») sowie eine bunte Rutschbahn zur Verfügung, auf der sich die lieben Kleinen während maximal drei Stunden die Hosenböden durchwetzen können.

Startnummern machen
die Sache etwas leichter

Um die Kinder auseinander halten zu können, erhalten sie beim Eintritt in den Hort eine Art Startnummer. Anschliessend werden sie auf Wunsch in die farbigsten Spiel- und Märchenwelten entführt, wobei das Hort-Personal längst gelernt hat, keine Bücher mehr herumliegen zu lassen: «Das geht fünf Minuten, und die Seiten sind bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt», erzählt Heimo.

Und ergänzt, dass ihr und ihren Kolleginnen angesichts dieser Tatsache wenig anderes übrigbleibt, als sämtliche Geschichten «freihändig» (lies: auswendig) zu erzählen.

Notfalls werden die Eltern alarmiert

Sollten sich in der munteren Schar kranke oder sich speziell auffällig gebärdende Kinder befinden, würden die Eltern per Lautsprecher gebeten, sie sofort wieder abzuholen.

Der Kinderhort in der Freiburger Messe ist täglich zwischen 11 und 20 Uhr geöffnet. Das Depot für ein Kind beträgt einen Fünfliber; wer zwei Kids temporär in fremde Obhut geben will, bezahlt acht Franken, und wer ein Trio gaumen lassen will, legt einen Zehnernote auf den Tisch.
Die Kinder können zwischen fünf und dreihundert Minuten im Hort «deponiert» werden. Aus Erfahrung weiss Tanya Heimo, dass die Eltern ihren Nachwuchs eher ein bisschen später als früher wieder abholen.