Archiv 04.10.2000

Take-awayfür Angeheiterte

227 Freiwillige der Organisation «Nez Rouge» sorgen Nacht für Nacht dafür, dass angeheiterte oder sternhagelvolle Freiburger-Messe-Besucher (die Frauen sind ausdrücklich mitgemeint) sicher nach Hause kommen.

Nez Rouge bringt Hunderte von Messebesuchern sicher nach Hause

Autor: Von H. ORCHER (TEXTE)
und S. PÄHER(BILDER)

Es gehört ja - zum Glück - nicht mehr zu den vordringlichsten journalistischen Aufgaben, die Leserschaft tagtäglich mit Moralin vollzuspritzen, um sie auf den Pfad der Tugend (zurück-) zu führen.

Aber im Zusammenhang mit der Freiburger Herbstmesse muss es halt wieder einmal mit aller Deutlichkeit gesagt sein: «WER TRINKT, FÄHRT NICHT!» Und wer sich mit einskommasowieso Promille trotzdem hinters Steuer klemmt, TUTWEDERSICHNOCH ALLEN ANDERENVERKEHRSTEILNEHMERNEINENGEFALLEN.
Standbesitzer und -besucher, die nach dem achtzehnten Apéro nachts um elf trotzdem noch das Gefühl haben, ihren Wagen alleine nach Hause kutschieren zu können, lassen diesen Gedanken am besten blitzschnell verfliegen und begeben sich (wie auch immer) Richtung Ausgang, wo sich die Organisation «Nez Rouge» eingenistet hat.
227 Fahrerinnen und Fahrer kümmern sich zwischen 22 Uhr und Barschluss um alkoholisch Verunglückte, die vernünftigt genug sind, ihre Wagenschlüssel einem nüchternen Chauffeur oder einer zwägen Chauffeuse abzugeben und sich samt ihrem ebenfalls fremdgesteuerten Auto heimführen zu lassen.

700 Passagiere in fünf Nächten

Wie Frédérique Plassechaert, die Präsidentin der Freiburger Nez-Rouge-Sektion, gegenüber den FN erklärte, machten bis gestern Abend knapp 700 Personen von dieser theoretisch unentgeltlichen Dienstleistung Gebrauch. «Aber die meisten sind über den Umstand, dass sie ohne Unfall und Polizeikontrolle nach Hause gekommen sind, so froh, dass sie spontan ein Trinkgeld springen lassen», freut sich Plassechaert. Und fügt an, dass unter «Trinkgeld»- das laut Statuten einer wohltätigen Organisation zu Gute kommt - ab und zu auch eine Hunderternote verstanden werden könne.

Die Rote-Nase-Chefin versichert, dass sämtliche Kunden «sicher, kompetent und vor allem diskret» vor die Haustür geführt werden. Gegründet wurde die Organisation im Jahr 1984 im kanadischen Quebec.

Rentier hilft dem Samichlaus

Das Logo, das einen Rentierkopf mit einer knallroten Nase zeigt, hat seinen Ursprung in einem Weihnachtsmärchen: Der Legende nach fand der Weihnachtsmann in den dunklen Wäldern Kanadas auf einmal den Heimweg nicht mehr. Auf einmal erspähte er einen rötlichen Lichtschein, der sich bei näherem Hinsehen als die leuchtende Nase eines Rentiers entpuppte. Nachdem der Samichlaus dem Tier einen Platz an der Spitze seines Gespanns angeboten hatte, führte das Ren den Schlitten mit Freude und Stolz sicher heimwärts.