Archiv 20.05.2000

Die erfolgreiche Geschichte einer ARA

«Unser Wasser ist in Gefahr!» Mit diesem Slogan hat die ARARegion Murten vor genau 25 Jahren für ihre Eröffnung geworben. Seither hat sich die Wasserqualität am Murtensee stark verbessert. Ein historischer Abriss zum Jubiläum.

Die Abwasserreinigungsanlage Region Murten feiert ihr 25-jähriges Bestehen

Heute ist die öffentliche Entsorgung der Abwässer selbstverständlich. Dies war nicht immer so. Durch die zunehmende Verschmutzung der Gewässer im 20. Jahrhundert wurde die Bevölkerung für Umweltfragen sensibilisiert.

In der Region Murten gab es erste Bestrebungen zur Sanierung der Abwasser bereits während des Zweiten Weltkriegs. Ein Vorprojekt für die Entwässerung Murtens und Munteliers sah ein umfassendes Kanalisationsnetz vor. Die Pläne wurden schubladisiert.
Ab 1956 suchten die beiden Gemeinden zusammen mit Merlach einen Standort für eine Abwasserreinigungsanlage. Als Favorit präsentierte sich die Pantschau in Murten.
Die Entsorgung des Abwassers war auch ein Problem anderer Gemeinden in der Region Murten.1964 fand eine Sitzung statt, bei der neben Murten, Muntelier und Merlach auch Altavilla, Burg, Greng, Münchenwiler sowie Pfauen teilnahmen. So kam 1965 ein Wirtschaftsvergleich zustande. Bei mutmasslichen Gesamtkosten von 16,8 Millionen Franken war Gurwolf neu dabei, Greng und Pfauen aus Kostengründen aber nicht. Das Projekt in Muntelier wurde genehmigt.
Ab 1968 begann der spektakuläre Kanalbau in der Region. 8,5 Kilometer Verbandskanäle wurden verlegt. Nun kamen zum eigentlichen ARA-Bau Detailfragen hinzu. Weil stehende Gewässer - wie der Murtensee - sich nur langsam selbst reinigen, reichte eine mechanisch-biologische Säuberung des Wassers nicht. Eine dritte, chemische Stufe wurde projektiert.

Der Betrieb funktioniert einwandfrei

Die Gemeinde-Delegierten genehmigten dasStatut, die Baubewilligung wurde erteilt und am 2. August 1972 erfolgte der Spatenstich zur neuen ARA. Die Bauarbeiten waren Ende 1974 abgeschlossen und der Betrieb am 10. März 1975 aufgenommen. Am 8. Oktober wurde die ARAunter Präsident Joseph Casutt und Betriebsleiter Walter Chabloz feierlich eingeweiht. Die ARAkostete 20,5 Millionen Franken: 11,6 Millionen für die Verbandskanäle und 8,9 Millionen für die Anlage.

Jahrelang funktionierte der Betrieb einwandfrei. Die sechs Verbandsgemeinden bekamen Zulauf. Die Gemeinde Burg hatte sich mit Murten zusammengeschlossen. Dafür leiteten Ober- und Unter-Wistenlach, Greng, Courlevon, Büchslen und Galmiz ihre Abwasser ebenfalls nach Muntelier. Sie wurden als Vollmitglieder aufgenommen. Nun gehörten elf Gemeinden der ARAMurten an. 1986 übernahm Urs Nydegger das Präsidium.
Im den Jahren 1989 bis 93 waren erste Renovationen und Umrüstungen nötig. In dieser Zeit übernahm Willy Meyer die Betriebsleitung.
Um den Klärschlamm wieder auf die Felder rückführen zu können, musste er hygienisiert werden. Die Hygienisierungsanlage und die Schlammpumpen waren die Hauptteile der zweiten Ausbauphase von 1993 bis 96.
1997 wurde ein Rahmenkredit von 4,6 Millionen Franken für die dritte und vorläufig letzte Erweiterungsphase gutgeheissen. Einige Teile wurden erneuert, andere ergänzt und wieder andere neu installiert. Am 1. Juli 1999 konnte man die Wannen öffnen, die das Abwasser von der Baustelle fern hielten. Weitere Arbeiten wurden bis zum Frühling 2000 fertig gestellt.
19. Mai 2000:Mit der Delegiertenversammlung, einer Betriebsbesichtigung zum Abschluss der Renovationsarbeiten und einem Festessen wird die 25-jährige ARA Region Murten gefeiert. Eine Erfolgsgeschichte.

Zahlen zur
ARARegion Murten

Tag der offenen Tür heute in der ARA

Die Delegierten der Verbandsgemeinden hatten gestern im Anschluss an die Jahresversammlung Gelegenheit, die modernisierte ARA in Muntelier zu begutachten. Heute Samstag ist die ganze Bevölkerung von 10 bis 15 Uhr zu einem Tag der offenen Tür eingeladen.

An der Delegiertenversammlung präsentierte Präsident Urs Nydegger eine Rechnung mit einem Reingewinn von 145000 Franken. Die Gemeinden haben 1999 792000 Franken für den Betrieb und 2,8 Millionen für den Ausbau der Kläranlage bezahlt. Momentan werden Messungen über die einfliessenden Abwassermengen jeder Gemeinde gemacht, was einen neuen Kostenverteilungs-Schlüssel ermöglicht. «Das könnte noch einige Diskussionen geben», glaubt Urs Nydegger. Auch das Abwasser der Expo.02 wird für zwei Franken pro Kubikmeter Trinkwasser nach Muntelier gelangen.