Archiv 08.01.2001

«Die Ökumene ist eine Bereicherung»

«Die Ökumene ist eine Bereicherung»

Der neue Pfarrer der Pfarrei Murten, Thomas Perler, im Gespräch

Seit letztem September ist Thomas Perler der neue Pfarrer der katholischen Pfarrei Murten, doch nach einem Sabbat-Urlaub hat er erst zu Beginn dieses Jahres seine neue Tätigkeit aufgenommen. Auf ihn warten mehrere Herausforderungen.

Mit THOMAS PERLER
sprach URS HAENNI

Herr Perler, die Pfarrei Murten ist ein komplexes Gebilde, sie umfasst eine Vielzahl von politischen Gemeinden und drei Kirchen. Wie kann man sich da in kurzer Zeit einleben?

Tatsächlich erstreckt sich die Pfarrei glaube ich über 25 politische Gemeinden. Aber ich bin ja hier nicht alleine. Es sind Leute da, vor allem die Pastoralassistenten, und die kennen die Situation bestens. Zudem gab es in der Zeit vor Pfarrer Stulz eine Periode, da war kein Pfarrer da. Ich habe damals für Gottesdienste in den Kirchen von Murten und Kerzers ausgeholfen und war auch Firmspender.

Hatten Sie als Bischofsvikar bereits Kontakte mit der Pfarrei Murten?

Ja, ich hatte oft Kontakte mit dem Pfarreirat oder mit dem Seelesorgerat. Ich hatte Kontakte, wenn es Nachfolgen zu regeln gab, ich traf Murtner bei Sitzungen der Pfarreivereinigung oder auch im Zusammenhang mit dem Übergang zum Katholischen Kirchenstatut. Ich hatte Leute aus der Pfarrei im Zusammenhang mit dem ökumenischen Projekt in Peru oder auch bei Zusammenkünften der Katechetischen Kommission im Burgbühl getroffen.

Haben Sie sich mit dem vormaligen Murtner Pfarrer Kurt Stulz abgesprochen, um Ihre Ämter zu tauschen?

Es ist zufällig so gekommen. Als Bischofsvikar habe ich den Wunsch geäussert, dass ich wieder in die Pfarreiseelsorge zurück will. Die neun Jahre in Freiburg waren wohl eine spannende Arbeit, aber jetzt ziehe ich die Seelsorge der umfangreichen administrativen Arbeit vor. Der Bischof stieg auf meinen Wunsch ein, aber ich hatte keine Ahnung, wohin ich kommen würde.

Wie geschah die Amtsübergabe mit Pfarrer Stulz?

Beim Bischofsvikariat habe ich am 31. August aufgehört, und er hat am 1. September angefangen. In der Pfarrei Murten wurde er verabschiedet, und Pfarrer Arthur Oberson sprang für vier Monate ein.

Für mich gab es eine normale «Züglete» mit vielen Büchern in Kartons. Rolf Maienfisch war zuletzt Leiter der Pfarrei, und er übergibt mir das Amt. Mitte Januar machen wir das im Detail.

Was ist für Sie in der Pfarrei Murten die grösste Herausforderung?

Die verstärkte ökumenische Zusammenarbeit, welche hier sehr eng sein wird. Das wird sich von meinen bisherigen Ämtern unterscheiden, obwohl ich beispielsweise schon in Plaffeien engen Kontakt mit der Kirchgemeinde Guggisberg hatte.

Ich arbeitete auch als Feldprediger 15 Jahre eng mit reformierten Kollegen zusammen. Als Bischofsvikar habe ich zudem viel mit der reformierten Synode und speziell mit dem damaligen Synodalratspräsidenten Michel Lederrey zusammengearbeitet.

Wie gehen Sie damit um, dass Sie in einer Pfarrei arbeiten, die in der Region eine Minderheit repräsentiert?

Es ist eine Herausforderung, nicht eine Belastung. Es vereinfacht zwar die Arbeit nicht, aber die Situation ist eine Bereicherung; sie verlangt nach einer Öffnung.

Kann man denn in Murten der gleiche Pfarrer sein wie in Plaffeien?

Es liegen immerhin schon zehn Jahre dazwischen, und in diesen zehn Jahren verändert man sich auch als Mensch. Man muss sich immer der Situation anpassen, aber jeder Pfarrer bringt immer sich selbst mit ein. Für einen Pfarrer ist es eher wohltuend, wenn er wieder mal die Pfarrei wechselt.

Kann man als Pfarrer für ein neues Amt spezifische Ziele setzen?

Man lebt nach den Prinzipien, die man im eigenen Leben als wichtig erachtet, und das bringt man auch in die Seelsorge ein. Ich werde wohl mit den Pastoralassistenten die Verteilung der Aufgaben besprechen, aber man kommt nicht mit vorgefassten Ideen und meint, dass alles nach dem eigenen Rhythmus laufen müsse.

Die Pfarrei Murten hat zuletzt einige personelle Wechsel erlebt. Ein Nachteil?

Es gab ja schon früher eine grössere Lücke. Als diese gefüllt war, sagte man sich in der Pfarrei, es solle wieder Ruhe eintreten. Jetzt gab es halt trotzdem wieder Wechsel, und das ist sicher nicht ideal. Aber es war ein Anliegen von Pfarrer Stulz, dass es nach ihm wieder einen Pfarrer für Murten geben wird. Pfarrer Stulz hat hier Impulse gesetzt und eine Vision der Pfarrei erarbeitet. Davon kann ich profitieren.

Wie alt sind Sie jetzt?

Ich wurde im Dezember 60.

Dann kann man davon ausgehen, dass Murten Ihre letzte Station sein wird?

Ja, ich denke, das ist mein letztes Amt. Es ist üblich, dass ein katholischer Pfarrer mit 70 Jahren abgibt. Normalerweise dauert eine Amtsdauer fünf Jahre, die dann wieder verlängert wird.

Werden Sie auch in Murten wohnen?

Ja, ich ziehe in die renovierte Wohnung im Schwesternhaus ein. Ich hätte gerne im Pfarrhaus gewohnt, aber da wohnt bereits der französischsprachige Priester, zudem gibt es dort bereits viele Büros.

Thomas Perler

Thomas Perler ist 1967 zum Priester geweiht worden. Perler war in Wünnewil aufgewachsen, fand aber seine erste Anstellung als Vikar in der Pfarrei St. Moritz in der Stadt Freiburg. Perler absolvierte dann weitere Studien in Trier und erlangte ein Diplom in Liturgik. 1973 wurde er Kaplan in Plaffeien und war dort ab 1977 während 14 Jahren Pfarrer. Zusätzlich war er während dieser Zeit vier Jahre lang Dekan für die Deutschfreiburger Pfarreien. Ab 1991 bis Ende August 2000 war Thomas Perler Bischofsvikar. uh