Archiv 05.01.2001

Die Suche nach der Kostenwahrheit

Die Suche nach der Kostenwahrheit

Transportunternehmer sind für Schwerverkehrsabgabe bereit. Unsicher bleibt die Fakturierung

Seit Beginn dieser Woche verkehren die Lastwagen in der Schweiz mit einem Gerät, das automatisch Tonnen und Kilometer festhält und verrechnet. Während vor allem die Grossunternehmen klare Vorstellungen von den anfallenden Kosten haben, ist die Unsicherheit bei den «Kleinen» grösser.

Von URS HAENNI

Auf dem Parkplatz des Restaurants «Stöckli» in Murten-Löwenberg
herrscht ungewohnte Ruhe. Kaum ein Lastwagen ist parkiert, das «Stöckli» macht Betriebsferien. Und wenn die Routier-Beiz jetzt Ferien macht, dann auch deshalb, weil im Transportgewerbe gerade ruhigere Zeiten herrschen.

Rege Betriebsamkeit herrscht jedoch bei der Krummen AG in Kerzers. Geschäftsleiter Peter Krummen sagt, dass der letzte Herbst noch hektischer war, als es galt, den ganzen Fahrzeugpark mit dem neuen LSVA-Erfassungsgerät auszustatten. Die Werkstatt konnte gewisse Vorarbeiten leisten (Verkabelung oder Montage der Halterung), die Messgeräte selber konnte man aber erst ab Oktober montieren. Die entsprechenden Kärtchen kamen gar erst im Dezember.

2000 bis 3000 Franken pro Lastwagen

Für das Anbringen eines LSVA-Gerätes musste ein Lastwagen einen halben Tag in die Werkstatt, entsprechend war Flexibilität bei der Einsatzplanung der Fahrzeuge gefragt.

Peter Krummen machte eine grobe Schätzung, was die Umrüstung seinen Betrieb gekostet hat: 600 bis 1000 Franken für die Montage, 500 Franken für den Ausfall des Fahrzeuges, je 100 Franken pro Fahrzeug für die Ausbildung der Chauffeure und die Disponenten, dazu eine Aufrüstung in der Informatik und bei den Navigationssystemen. Macht 2000 bis 3000 Franken pro Fahrzeug. Die Firma Krummen hat 40 eigene Lastwagen und weitere 20 Chauffeure, die für die Firma fahren. Macht also einen Gesamtaufwand von 120 000 bis 180 000 Franken.

Erneuerung des Fahrzeugparks

Der Geschäftsleiter der Krummen AG sieht in der Einführung der LSVA vor allem zwei Konsequenzen für die Transportunternehmer: Man muss den Fahrzeugpark anpassen, und die Disponenten müssen Routen, Ladungen und Preise neu berechnen.

Beim Fahrzeugpark prüfte die Firma Krummen vorerst, ob sich der Kauf von Kleinlastwagen bis 3,5 Tonnen lohnen würde. Diese sind von der LSVA befreit. Man erkannte jedoch, dass dies nicht rentiert, da ein Chauffeur in einem grossen Lastwagen die Arbeit von mehreren Chauffeuren in kleinen Lastwagen verrichten kann.
So hat die Firma bei der Erneuerung des Fahrzeugparks mehr investiert, damit sie bei der LSVA durch die Emissionsklasse weniger belastet wird.

Keine Umwege mehr

Schadstoffärmere Transporte als positive Nebenerscheinung der LSVA also? «Nur zum Teil», sagt Peter Krummen. «Es stellt sich die Frage, was mit den alten Lastwagen passiert. Die Entsorgung kostet, und beim Verkauf ins Ausland wird das Emissionsproblem nur exportiert.»

Anpassen mussten sich vor allem die Disponenten. Diese sind vom Transportunternehmer-Verband Astag geschult und mit den notwendigen Hintergrund-Informationen versorgt worden.
Sicher werden die Disponenten noch mehr gefordert sein, um die bestmögliche Auslastung jedes einzelnen Lastwagens zu erreichen. Die verstärkte Ausrüstung mit einem Navigationssystem hilft, den kürzesten Weg zu fahren und die Position der Lastwagen von Kerzers aus besser zu bestimmen.
Für die Chauffeure hat dies zur Folge, dass sie vermehrt in die Planung der Transportabläufe eingebunden werden. Gleichzeitig werden sie wohl häufiger auswärts übernachten, statt noch heimzufahren. «Oft wird das Familienleben leiden», glaubt Peter Krummen.

Abwälzung auf die Abnehmer

Die Kunden würden ab sofort nicht mehr akzeptieren, wenn ein Chauffeur über Umwege anliefert, weil sich das sofort im Preis der Ware niederschlägt. Für Peter Krummen ist es klar, dass die Transporteure die Schwerverkehrsabgabe zu 100 Prozent auf die Abnehmer übertragen. «Das Volk wollte die LSVA, also soll es auch dafür zahlen», sagt Krummen.

Angst vor einem Preiskrieg hat er nicht. «Wer die LSVA nicht seriös verrechnet, wird es schon nach kurzer Zeit merken. Einige werden vielleicht aufgeben.»

Für die Chauffeure ist es nach ihrer Ausbildung ein Leichtes, das neue Gerät zu handhaben. Es wird mit der Zündung eingeschaltet und meldet von selbst, wenn etwas nicht stimmen sollte. Der Chauffeur muss vor allem eingeben, ob er einen Anhänger ankuppelt, und welcher Anhänger es ist.
Das LSVA-Gerät hinter der Windschutzscheibe zeigt mit Lämpchen an, wann es eingeschaltet ist. Ein Strich nach oben bedeutet «Zugfahrzeug», ein zusätzlicher horizontaler Strich «Anhänger». So kann die Polizei schon von weitem sehen, ob das LSVA-Gerät ordnungsgemäss in Betrieb ist. Gemäss Krummen sei bisher einer seiner Fahrer von der Polizei auf die LSVA-Ausrüstung kontrolliert worden, und dies gleich ziemlich intensiv.
Im Januar wird die erste Abrechnung nach LSVA fällig sein, und dann bekommen die Unternehmer einen ersten Hinweis, ob Theorie und Praxis der neuen Fakturierung übereinstimmen. Das sei zum jetzigen Zeitpunkt noch die einzige Ungewissheit.