Archiv 06.01.2001

Ein «Löli» und doch kein Dummkopf

Ein «Löli» und doch kein Dummkopf

Ein Murtner geht kuriosen Orts- und Flurnamen auf den Grund

Wer von Gempenach Richtung Lurtigen unterwegs ist, kommt unweigerlich nach der Spacksägerei am «Löli» vorbei. Es ist dies ein kleines Buchengehölz auf der rechten Strassenseite, und ein bisschen westlich davon trägt ein Stück des Murtenholzes den gleichen Namen. Der Murtner Erich Wasem hat sich dazu Gedanken gemacht.

Von ERICH WASEM,
bearbeitet von URS HAENNI

«E Löu, e blöde Siech, e Glünggi un e Sürmu hei einisch zäme Krach gha ...», singt Mani Matter und bemerkt: «Schimpfwörter sind Glückssache.»

Vor allem, wenn man gar nicht die Absicht hat, Schimpfwörter auszuteilen.
Der Hobby-Namenforscher Erich Wasem schreibt: «Dass ein Trottel oder Dummkopf ist, weiss jedermann. In der Mehrzahl sprechen wir von oder . bedeutet, übermütig und sinnlos die Zeit zu vertreiben oder diese mit Nichtstun totzuschlagen. bedeutet, sich nicht für dumm verkaufen lassen. , dann sind wir überrascht und höchst erstaunt.»
Und dann gibt es da eben noch die Sprachform «Lööli».

Wasem hat herausgefunden, dass in der altdeutschen Sprache ein Wald oder ein Waldstück als «Lo» und ein kleines Wäldchen oder ein kleineres Waldstück eben als «Löli» bezeichnet wurde.

Vom Murtenholz nach Oslo

Die alemannischen Einwanderer sind unter anderem in der Region Murten in ein Gebiet eingedrungen, dessen Bewohner einen spätlateinischen Dialekt sprachen. Die Neusiedler übernahmen viele Flurbezeichnungen in der romanischen Lautform, andere übersetzten sie in ihre Sprache, und wiederum andere beliessen sie in ihrer altdeutschen Sprache. Wie eben das «Löli» zwischen Gempenach und Lurtigen.

Wasem ist der Überzeugung, dass das «Löli» des Murtenholzes prominente Verwandte hat. So weise das
«-lo» beim norwegischen Oslo genauso auf einen Wald hin wie das
«-loo» beim belgischen Waterloo.

Doch auch im Murtenbiet finden sich weitere Beispiele dieser Wortform. Beispielsweise befindet sich unweit des Gempenacher-Lurtiger «Lölis» in nordöstlicher Richtung zwischen Büchslenfeldholz und dem Dorf Agriswil die Flur «Im Loo», die noch heute an einen längst abgegangenen Wald erinnert.
Kaum zwei Kilometer weiter gegen Westen liegt auf dem Gemeindegebiet von Ried das Lochholz, auf der Landeskarte auch als Lochwald eingetragen. Dieser zusammengesetzte Waldname enthält ebenfalls den Begriff «Lo».

Selbst das Bodemünzi war ein Löli

Auf der anderen Seite des Grossen Mooses befindet sich an seiner Nordbegrenzung zwischen Müntschemier und Ins, nördlich des Inforamas, die Flurbezeichnung «Looch». Auch dieser Name erinnert an einen Wald, den die alemannischen Siedler zwecks Landgewinnung gerodet haben.

Selbst das bekannte «Bodemünzi» ob Murten war vor der Murtenschlacht ein «Löli». In einer Notariatsakte des Jahres 1416 aus dem Stadtarchiv Murten wird das Waldstück als «nemus löly» erwähnt. In einem Notariatsregister von 1480 heisst es «en lo demiyoz». Wasem stellt sich dabei die Frage, wie denn innerhalb von 64 Jahren aus einem «löly» ein «lo» geworden ist.
Die Bezeichnungen haben sich auch später erhalten, als die Sprache schon weiter fortgeschritten war. So gibt es in südöstlicher Richtung des Gempenacher-Lurtiger «Löli» eine Flur «Chlimatt», die ans «Chliholz» angrenzt. Und «Chliholz» bedeutet nichts anderes als «Löli» in unserer Sprache.

Selbst in Überstorf findet sich ein Flurnamen gleichen Ursprungs. Es gibt dort einen «Löhliacker», den aber selbst der Besitzer nie so nennt. Er verwendet lieber den Namen «Aenetmoos», wie auch das angrenzende Landstück im bernischen Albligen heisst. Es könnte ja sein, dass beim Namen «Löhliacker» jemand falsche Rückschlüsse auf den Besitzer oder den Bewirtschafter zieht.