Archiv 04.07.2000

Haflinger bestanden Ausdauerprüfung

Für die Haflingerzüchter ist das österreichische Ebbs ein eigentliches Mekka, in dem alle vier Jahre eine Weltausstellung ihrer Rasse stattfindet. Zwölf Schweizer Züchter und Fahrsportler, darunter einer aus Courtaman, nahmen den Weg mit Ross und Wagen in Angriff.

Fahrsportler aus Courtaman mit Zweiergespann nach Österreich

Autor: Von URS HAENNI

Der Start war im sanktgallischen Buchs, das Ziel zehn Tage später in Ebbs. Etappen mit 35 bis 70 Kilometern Länge, dazu die 1800 Höhenmeter des Arlberg-Passes verlangten von den elf Schweizer Gespannen alles ab. 340 Kilometer betrug die Gesamtdistanz - eine Leistung, die fast nur die ausdauernden Haflinger zu leisten imstande sind.

Eigentlich hätte es dieses Jahr eine Sternfahrt von Haflinger-Gespannen aus ganz Europa zur Weltausstellung werden sollen, schliesslich nahmen aber nur die Schweizer Gespanne sowie ein einzelnes holländisches Gespann die Strapazen auf sich.
«Es hat sich gelohnt», sagt René Hurni aus Courtaman, der einzige Vertreter der Westschweiz. «Ich hatte eine so schöne Reise.»

Schwierige Suche nach Ställen
und Naturstrassen

Hurni sagt dies, obwohl sie einmal einen ganzen Tag lang im strömenden Regen fuhren oder auf dem Arlberg in stockdichtem Nebel zwischen Schneefeldern fuhren. Die Fahrer liefen dabei zeitweise neben den Pferden her, um sich ein bisschen aufzuwärmen.

Belohnt wurden die zwölf Gespanne (elf Zweispänner und ein Einspänner) mit einem herzlichen Empfang, wo immer sie durchfuhren. Dies galt insbesondere für jene Orte, in denen die Schweizer übernachteten. Um ein geeignetes Nachtlager zu finden, mussten die Fahrsportler schon früh rekognoszieren. Schliesslich fand man zumeist bei Bauern-Ställe, die 23 Pferden Platz boten. Einmal war ein Gastgeber nur auf zwölf Pferde statt auf elf Gespanne vorbereitet, doch organisierte er schnell weitere Plätze.
Auch die Routenwahl musste sorgfältig vorbereitet werden. Die Haflingerfreunde suchten zwar wenig befahrene Strassen, fanden aber bloss 10 Prozent Naturstrassen. Gerade über den Arlberg konnte man dem Schwerverkehr nicht ausweichen. Diszipliniertes Fahren in Gruppen war deshalb gefragt. Ein Motorradfahrer fuhr jeweils voraus und markierte die Route mit Pfeilen.
Die Vorbereitung betraf aber auch die Pferde selber. René Hurni, der abwechslungsweise Familienmitglieder neben sich auf dem Bock hatte, hat schon im Winter mit seinen Pferden 20 bis 25 Kilometer lange Trainingsstrecken absolviert. Es galt herauszufinden, welche Pferde am meisten Ausdauer haben, welche dem Verkehr am besten gewachsen sind und welche als Gespann am besten zusammenpassen.

Ein Stallchef mit wenig Schlaf

Wer zu wem passt, war auch beim Übernachten wichtig. Der Stallchef musste die ideale Schlafordnung bestimmen. Neun von zehn Nächten war René Hurni Stallchef; mehr als zwei oder drei Stunden Schlaf gab es da nicht. Umso mehr musste Hurni aufpassen, dass er tags darauf nicht auf dem Bock einschlief.

Für seine Rolle als Stellchef erhielt René Hurni von seinen Kollegen eine Auswahl «Schnappserl» mit einer Mähne jenes Pferdes, das ihn am meisten Schlaf gekostet hat.
In Ebbs wurden die Schweizer mit dem langen Reiseweg von den Organisatoren immer wieder hervorgehoben. Auftritte in den Schauprogrammen der Weltausstellung waren die Belohnung.
Probleme gabs eigentlich nur am Zoll. Dass ein Vorausgespann bei der Grenze nach Österreich bereits Probleme bekommen hatte, war René Hurni nicht zu Ohren gekommen. Entsprechend fehlten auf seinen Grenzpapieren ein paar Einzelheiten und er musste 120 Franken Busse bezahlen.