Archiv 14.06.2004

«Jetzt haben wir ein Luxusschulhaus»

«Jetzt haben wir ein Luxusschulhaus»

Das 100-jährige Primarschulhaus von Kerzers erstrahlt in neuem Glanz

Am Samstag wurde der Abschluss der vierjährigen Renovations- und Erweiterungsarbeiten am Primarschulhaus Kerzers mit einem grossen Fest gefeiert. Gleichzeitig wurde der 100-jährigen Geschichte des Schulhauses gedacht.

Von ILONA STÄMPFLI

Bereits in den 80er Jahren sprach man in Kerzers über eine Renovation des alternden Schulhauses. Wegen der prekären finanziellen Lage der Gemeinde wurde das Vorhaben jedoch immer wieder hinausgeschoben. Die Lehrpersonen und Kinder mussten sich noch ein paar Jährchen mit dem bröckelnden Verputz, den freiliegenden Leitungen und den feuchten Kellerwänden abfinden.

1999 wurde der lang ersehnte Kredit zur Renovierung und Erweiterung des Primarschulhauses endlich bewilligt. Die Freude am Endprodukt ist dementsprechend gross. «Es ist wie Tag und Nacht. Vorher war es furchtbar, jetzt haben wir ein Luxusschulhaus», schwärmt die Primarlehrerin Brigitte Schmid.

«Lehrer und Schüler sollen
sich wohl fühlen»

Helle Gänge, bunte Türen, ein neu ausgebauter Dachstock mit einer grossen Bibliothek und einer Aula für hundert Personen, neue Werk- und Handarbeitsräume, Internetanschlüsse in jedem Schulzimmer, ein grosszügiges Lehrerzimmer mit einem Arbeitsbereich und andere Erneuerungen machen den Unterschied zu früher aus.

Reto Furter, Vorsteher des Amtes für deutschsprachigen Unterricht der Erziehungsdirektion Freiburg, betonte in seiner kurzen Rede die Wichtigkeit eines funktionalen und schönen Schulhauses. Das Gebäude müsse bautechnischen, ästhetischen, kulturellen, finanziellen und pädagogischen Ansprüchen gerecht werden und vor allem für den Unterrichtsalltag tauglich sein. «Auch die Emotionen müssen angesprochen werden. Die Lehrpersonen und Kinder sollen sich im neuen Schulhaus wohl fühlen können», sagte er.

Für die Gemeindepräsidentin Katharina Hürlimann ist klar, dass der gute Geist und die Stimmung einer Schule nicht alleine durch den äusseren Rahmen bestimmt werden können. «Das wirklich Wertvolle wird von den Menschen geschaffen, die das Gebäude beleben», teilte sie in ihrer Festansprache mit.

Raum wird besser genutzt

Bruno Goetschi, der nun schon seit 27 Jahren in Kerzers als Lehrer tätig ist, hat die letzte Umbauphase besonders intensiv erlebt. Er vertrat die Interessen der Schule in der Baukommission. «Der Raum des Schulhauses wird jetzt besser genutzt. Es befinden sich zum Beispiel in jedem Zimmer Wandschränke, das spart Platz.»

Auch die ältesten Primarschüler sind Zeugen der gesamten Renovations- und Erweiterungsarbeiten. In den vier Jahren wurden sie aber nur selten vom Lärm oder anderen Unannehmlichkeiten gestört. Die grösseren Arbeiten wurden während der Schulferien verrichtet. Michelle, Liz, Alexandra und Fabienne bedauern, dass sie schon nächstes Jahr ins OS-Schulhaus gehen müssen. «Jetzt hätten wir endlich neue Pulte gekriegt und können sie nicht einmal benützen», sagte Alexandra.

Für Liz ist eindeutig die neue Bibliothek mit dem grossen Dachfenster das Schönste am neuen Schulhaus. Die Sechstklässler Sven, Marc und Vane finden auch, der Umbau sei gut gelungen. «Alles ist moderner und schöner gemacht. In den Gängen hat es mehr Farben», stellte Sven fest. Einzig der «braune» Haupteingang passt den Dreien nicht; der sollte ihrer Meinung mit einer schöneren Farbe gestrichen werden.

Festakt im Schwimmbad

Die Türen des neuen Schulhauses standen am Samstagmorgen für die Öffentlichkeit offen. Sämtliche Räume konnten von den Eltern, den Vertretern der Behörden und von anderen interessierten Personen inspiziert werden. In den Gängen wurden Kuchen und Anstecker verkauft. In den Schulzimmern sorgten die einzelnen Klassen für Unterhaltung. In einem bunten Umzug begab sich die Festgemeinschaft schliesslich vom Schulhaus zum Schwimmbad, wo das eigentliche Dorffest stattfand. Die Jugendsteelband, der Jodlerklub, die Musikgesellschaft, der Männerchor und die Blaukreuzmusik spielten auf. An den langen Tischen oder auf dem Rasen sitzend, wurden Bratwurst, Hot Dog, Waffeln oder ein Käseteller genossen. Darbietungen der Kindertrachtengruppe, des Turn- und Sportvereins und des Budo-Clubs unterhielten Jung und Alt bis nach zehn Uhr abends.
Lange
Schulhausgeschichte

Die ersten Schulstunden in Kerzers seien bereits vor über 425 Jahren im Pfarreihaus abgehalten worden, erzählte Katharina Hürlimann zur Geschichte des Schulhauses. Im Jahr 1625 erhielt die Schule ein eigenes Gebäude an der Fräschelsgasse, das 1780 durch einen Neubau ersetzt wurde. 1824 wurde bereits ein zweites Schulhaus (ein Teil der heutigen Burgstadthäuser) gebaut.

Wegen den rasant steigenden Schülerzahlen war ständig mehr Platz erforderlich. Deshalb wurde 1843 das Ofenhaus im Oberdorf in ein weiteres Schulhaus umgebaut. Doch auch dieses neue Gebäude platzte bald aus allen Nähten. Die Gemeinde musste einen wichtigen Entscheid fällen. Für 161 000 Franken wurde 1904 ein neues Schulhaus mitten im Dorf gebaut. Nach rund 50 Jahren wurde auch dieses Schulhaus (in weniger grosszügiger Bauweise) erweitert und später ein separates Gebäude für den Kindergarten und die Unterstufe gebaut. Da das 100-jährige Schulhaus mit seinen grossen Zimmern noch heute den Ansprüchen der Lehrpersonen und Kinder entspricht, entschied sich die Gemeinde für eine Renovierung des Gebäudes. ist