Archiv 15.02.2000

Kochmützen wechseln die Häupter

Im Murtner «Stadthaus» war am Freitag Antrinket, in der «Auberge communale» in Gurwolf/Courgevaux eine Woche zuvor. Die Gastroszene im Seebezirk erfährt derzeit gleich mehrere Veränderungen.

Gleich mehrere Wirtewechsel im Seebezirk

Ein schweres Erbe haben Roswitha und Jörg Biehl-Rappo im «Stadthaus» in Murten anzutreten. Sie haben das Lokal übernommen, das zuvor Mario Capra während fast 30 Jahren als Restaurant mit gut gefüllten Tellern und gemütlichem Stammtisch bekannt gemacht hatte.

Dass sie mit dieser Tradition nicht brechen konnten, war für die Wirtefamilie Biehl von Beginn weg klar. Das Eglifilet-Rezept von Mario Capra übernimmt Küchenchef Jörg Biehl genauso wie die Vereinsecke mit Fotos, und auch für die Fastnachtsdekoration legt dieses Jahr Mario Capra noch einmal Hand an.
Die Gaststube bleibt gleich eingerichtet. Jörg Biehl: «Ich finde sie herzig»; doch geben Bilder mit lachenden, weinenden, musizierenden, spielenden Clowns dem Lokal eine eigene Note.
Reichhaltige Mittagessen finden die Stammgäste weiterhin vor, und doch soll die Handschrift von Jörg Biehl auch im Menü erkennbar sein. Vom Gutbürgerlichen soll es einen «leichten Einschnitt ins Französische» geben.
Aushängeschild der neuen Stadthaus-Küche wird die «Stadthaus-Pfanne» (dies ist durchaus wörtlich zu verstehen) sein: gebratene Rinds-, Schweins- und Pouletschnitzel an Waldpilzsauce, dazu Saisongemüse und Polsterkartoffeln.
Neu auch das Romantik-Menü für Verliebte. Dieses konnte am gestrigen Valentinstag gleich ausgiebig geprüft werden.
Jörg Biehl kennt die Murtner Verhältnisse ausgezeichnet, war er doch lange Jahre Küchenchef in der «Walliser Kanne». Auch seine Frau hat in Murten schon Erfahrungen im Service gemacht. Im vergangenen Jahr hat Jörg Biehl das Betriebsleiterseminar und den Wirtekurs gemacht und dazu im Sommer im «Lacotel» gearbeitet.
Roswitha und Jörg Biehl sind im «Stadthaus» Pächter. Das Restaurant bleibt im Besitz von Mario Capra. Die Stadthaus-Equipe wird inskünftig sieben Personen umfassen, darunter eine Serviceangestellte, die schon früher im «Stadthaus» servierte.

Courgevaux:
«ein Neubeginn»

Ein Erbe ganz anderer Art haben Flavio und Brigitta Curà-Rigolet in der «Auberge communale» in Courgevaux angetreten. Dort war die gemeindeeigene Wirtschaft zuletzt während rund einem halben Jahr geschlossen. Flavio Curà spricht denn auch davon, dass er nach den vielen Wirren in der letzten Zeit mehr oder weniger neu habe beginnen müssen.

Zu den «Altlasten» will sich der neue Pächter dennoch nicht äussern. Dass früher der Gemeinderat zu hohe Pachtzinsen verlangt habe und dass später an der Gemeindeversammlung der Gemeinderat versprach, sich zu bessern, das kommentiert der neue Wirt so: «Das Angebot passt mir.»
Ansonsten will sich das Wirteehepaar ganz aufs Wirten konzentrieren, und auch da ist bereits eine eigene Handschrift erkennbar. Die zahlreichen Tafeln vor der Tür der «Auberge» versprechen eine italienische und schweizerische Küche, bürgerlich und vor allem zu sehr günstigen Preisen. Im Sommer auf der Terasse kommt dann wahrscheinlich auch Pizza dazu.
Durch das gastronomische Angebot verspricht sich Flavio Curà nebst der Kundschaft aus dem Dorf vor allem auch viele Gäste aus den nahegelegenen Industriebetrieben. Eine Kundschaft, die auch früher schon oft nach Courgevaux essen ging.
Flavio Curà stammt ursprünglich aus Italien, arbeitet schon rund 30 Jahre im Gastgewerbe, die meiste Zeit davon in der Schweiz. Curà hat sich in Bern im Service über den Chef de Service zum Geschäftsführer hochgearbeitet. Jetzt als eigenständiger Wirt hat er nach eigenen Angaben einen Traum verwirklicht.
Auch ist er überzeugt, dass man in einem Dorf mehr Kontakt zu der Kundschaft hat, und genau das habe er gesucht. Die Ehefrau Brigitta stammt im Übrigen aus Cordast, so dass auch die Verbundenheit zur Region da ist. Den Draht zur Dorfbevölkerung von Courgevaux habe der mehrsprachige Wirt jedenfalls gleich auf Anhieb gefunden, und auch Mitglieder des Gemeinderates seien regelmässig zu Gast und zeigten grosses Interesse.

Villarepos: ein Hauch von Emmental

In rund einem Monat wird auch das Feinschmecker-Restaurant «Croix-Blanche» in Villarepos unter neuer Kochkelle wieder eröffnet. Nachdem Christiane und Serge Genaux nun im «Schild» in Freiburg wirten und kochen, hält mit der Wirtefamilie Messerli die emmentalische Küche Einzug. Der Patron hat zuvor nämlich im «Hirschen» in Langnau gekocht. Geplant ist ein zweiteiliger Betrieb: das Bistro für die Dorfbevölkerung und das «A-la-carte-Angebot» für die Kundschaft von weit her.

Galmiz: Besitzer wird selber führen

Auf Anfang Sommer geht im Galmizer «Kantonsschild» die Zeit unter Francesco Suppa zu Ende; das Vertragsverhältnis zwischen Pächter und Besitzer wird aufgelöst. Besitzer Beat Fasnacht will den Gasthof wieder selber führen und einen Geranten anstellen. Fasnacht, der auch für die Restauration im Restaurant des Golfplatzes Blumisberg verantwortlich zeichnet, ist momentan an der Ausarbeitung eines Business-Plans und verspricht Innovatives.

Courlevon: keinen Käufer gefunden

In Courlevon suchen die Geschwister Rosmarie und Hansueli Helfer schon seit mehr als einem halben Jahr einen Käufer für das «Weisse Kreuz». Der Pachtvertrag mit dem jetzigen Wirt Moncef Douggaz läuft Ende Jahr aus, und gemäss Rosmarie Helfer habe der Pächter keine Interesse mehr an einer Erneuerung.

Nun haben sich die beiden Besitzer entschlossen, die Dorfbeiz wieder zu vermieten. Interessenten für einen Kauf habe es zwar einige gehabt, doch hätten diese zu wenig Unterstützung von Banken erhalten. Wenn sich nun aber doch noch ein Käufer finden sollte, so Rosmarie Helfer, dann sei man durchaus zu einem Verkauf bereit.