Archiv 04.02.2000

«Lueg, wie der Wind wäit»

Zwei Autos gehen in Flammen auf, der Rauch steigt an die Decke des A1-Tunnels «des Bruyères» und breitet sich rasch aus - bis die vereinten Stützpunktfeuerwehren von Murten und Freiburg eingreifen. Eine Übung, wie sie bisher noch nie gemacht wurde.

Stützpunktfeuerwehren trainieren in einem Tunnel der A1

Durch den Bau der Autobahn A1 wächst der Tunnelbestand des Kantons Freiburg stark an. Damit steigt auch das Gefahrenpotenzial:Brandfälle und Feldtests haben gezeigt, dass die Temperatur von brennenden Fahrzeugen in Tunnels viel schneller ansteigt als bei einem Normalbrand zu erwarten ist. Zugluft - vom Fahrtwind, von der Lüftungseinrichtung oder von natürlicher Thermik - kann einen Schwelbrand in kurzer Zeit zu einem offenen Flammenbrand entfachen und schon nach wenigen Minuten 1000 Grad Celsius erreichen, wie einer Informationsbroschüre zu entnehmen ist.

«Die Kantonale Gebäudeversicherung (KGV) trägt nicht nur die Verantwortung für die Sicherheit der Gebäude, sondern auch für die Personen und Güter auf dem ganzen Kantonsgebiet», erklärte KGV-Direktor Pierre Ecoffey an einer Pressekonferenz. Die KGVorganisiert im Feuerschutzbereich das ganze Jahr über Kurse vor allem für Kaderleute und Spezialisten. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassenbau und dem kantonalen Autobahnbüro hat sie gestern die Kommandanten und Offiziere der sieben Stützpunktfeuerwehren des Kantons nach Estavayer-le-Lac zu einer Übung aufgeboten.
Zu einer ganz besonderen:«Unseres Wissens handelt es sich bei dieser Übung um die erste, die mit zwei brennenden Autos im Innern eines Autobahntunnels durchgeführt wird», führte Pierre Ecoffey aus. Er betonte, das Thema der diesjährigen Ausgabe des Kurses, der alle zwei Jahre durchgeführt werde, habe man bereits 1998 ausgewählt. «Also vor den Tunnelbränden im Mont-Blanc und im Tauern.»

Murtner und Freiburger
Stützpunktfeuerwehr gemeinsam

Als die Vielzahl von Feuerwehrkadern und Gästen in den 1,6 Kilometer langen «Tunnel des Bruyères» gelangten, war alles vorbereitet: Wie zwei Bade-Touristen lagen die beiden alten Militärautos auf einem Sandteppich und warteten auf ihren ganz speziellen «Sonnenbrand». Roger Rotzetter, kantonaler Feuerwehrinspektor, erklärte, aus Sicherheitsgründen sei der Tunnel, der noch nicht in Betrieb ist, auf 20 Metern mit einer feuchten Sandschicht belegt sowie die Seitenwände und die Decke mit einer Extra-Verkleidung abgedeckt worden.

Kaum waren die beiden Fahrzeuge in Brand gesteckt, schossen die Flammen in die Höhe, und der schwarze Rauch drängte in beide Tunnelrichtungen. Bevor die Feuerwehrmänner der Stützpunkte Murten und Freiburg dem Brand den Garaus machen konnten, hatte ein Ungetüm seinen grossen Auftritt. Ein Riesenventilator sorgte dafür, dass Hitze und Rauch nur mehr in eine Richtung strömen konnte. Es sei wichtig, dass man in jene Richtung blase, in der auch der Wind wehe, erklärte der Vertreter der Gebläse-Herstellerfirma.
Roger Rotzetter nutzte damit die Übung auch gleich dazu, für das gewünschte Material zu werben, verfügen doch die Freiburger Feuerwehren über keine solchen Anlagen. Die Maschine wurde von der Genfer Feuerwehr ausgeliehen. Nachteil der Riesenventilatoren: Sie kosten gemäss Roger Rotzetter gegen 400000 Franken. «Und man bräuchte mehrere, da es wichtig ist, dass sie sofort vor Ort sind.»
Ideal war die Gelegenheit auch für die Vertreter der Firma Securiton, die den ganzen Brand auf Video bannten. Sie arbeiten zurzeit mit der ETH Lausanne an einem Projekt mit dem Ziel, Feuer dank Kamarabildern von Computern sofort erkennen zu lassen.