Archiv 12.05.2000

Modeströmungen auch bei Drogen

Alkohol, Tabak oder leistungssteigernde Substanzen - Drogen also - wecken bei Eltern Angstgefühle. Ein Diskussionsabend zum Thema «Party-Drogen» in Gurmels versuchte aufzuklären.

Diskussionsabend der Jugendkommission Gurmels

Aus Aktualitätsgründen und im Anschluss an den erfolgten Gesundheitstag der Orientierungsschule Gurmels entschied sich die Jugendkommission, den Begriff der Party-Drogen zu thematisieren. Gastreferenten waren Silvia Friedrich von der Suchtpräventionsstelle Freiburg und Luzius Müller von der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und Drogenprobleme (SFA). Alkohol war das Einstiegsthema des Abends. Laut Statistik der SFA ist die Schweiz eines der Länder mit dem höchsten Alkoholkonsum. Besondere Entwicklungen konnten bei den Jugendlichen zwischen elf und 15 Jahren festgestellt werden. Während der Konsum bei den Knaben stagnierte, trinken die Mädchen zunehmend alkoholhaltige Getränke. Auch Rauschtrinken wurde in letzter Zeit immer mehr zur Mode.

Hauptgründe für diese Entwicklungen sind nach Ansicht der Präventionsstelle die einfache Erwerbsmöglichkeit, der geringe Alkoholpreis-Anstieg im Vergleich zur Teuerungsrate sowie die Produktepolitik der Anbieter, welche mit Angeboten zunehmend Junge ansprechen möchten.
Ähnlich sieht es beim Tabakkonsum aus. Im europäischen Vergleich steht die Schweiz auch hier vorne.

Wie gefährlich sind
synthetische Drogen?

Zurzeit sind leistungssteigernde Substanzen als Stimmungsmacher im Trend. Man weicht zunehmend ab vom Bild des Junkies der früheren Jahre. Heroin gewinnt denn auch immer mehr das Image der Verliererdroge. Pillen und Flüssigkeiten sind vielfältig auf dem Markt vorhanden (Ecstasy, Thai-pills, GHB) und derzeit stark verbreitet. Die Gefahr bei diesen amphetaminen und meta-amphetaminen, synthetisch hergestellten Drogen besteht in der psychischen Abhängigkeit.

Ein anderer zentraler Punkt unserer heutigen Gesellschaft ist die Banalisierung des Cannabiskonsums. 1998 hatten 27 Prozent der 19-Jährigen zumindest einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert. Die Folgeprobleme der immer noch geltenden Illegalität münden denn auch in zahlreichen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz (zwischen 10000 und 30000 Verzeigungen pro Jahr).

«Ruhe bewahren»

Der Grund, warum sich sehr viele Jugendliche durch Drogen angesprochen fühlen, liegt darin, dass Jugendliche glauben, sich mittels Drogen gesellschaftliche Beachtung verschaffen zu können und ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Aber auch das soziale Umfeld und die Suchtmittel als solche tragen zum vermehrten Drogenkonsum bei.

In der anschliessenden Diskussion waren die Veranstaltungsteilnehmer sehr interessiert an der Frage des Umgangs mit Drogenproblemen in der eigenen Familie. Die Referenten empfahlen, Ruhe zu bewahren, mit den Betroffenen in engem Kontakt zu bleiben und über allfällige Risiken des Drogenkonsums zu sprechen. Falls nötig, sollte Hilfe bei Bekannten oder Fachpersonen eingeholt werden.
Ein Anliegen der Fachleute war es zu erwähnen, dass die meisten Jugendlichen doch eher Drogen-kritisch eingestellt sind. Die Diskussionen um Süchte seien jedoch wichtig, um präventiv gegen diese vorzugehen.