Archiv 05.06.2000

Noch zwei Millionen für 1000-Quadratmeter-Bild

Das Murtenschlacht-Panorama ist weitaus das grösste Bild des Kantons Freiburg. Das Werk soll nach fast hundert Jahren wieder ausgestellt werden. Im 34 Meter hohen Quader im Murtensee soll es während der Expo.02 Staunen erwecken, wurde am Comptoir de Romont ausgeführt.

Der Auftritt des imposanten Murtenschlacht-Panoramas an der Expo.02 ist praktisch gesichert

Autor: Von CHRISTIANSCHMUTZ

Das Panorama der Murtenschlacht wurde 1893/94 unter der Leitung des Süddeutschen Louis Braun hergestellt. Es ist elf Meter hoch und fast hundert Meter lang. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren solche Panoramen eine erste Massenmedien-Bewegung. Zu Tausenden strömten die Zuschauerinnen und Zuschauer von 1894 bis 1898 an den Utoquai in Zürich, wo das Bild der Murtenschlacht gezeigt wurde. «Die Leute hatten Durst nach Bildern», erklärte Volker Schaible, Restaurator des Werks, den Erfolg der Rundbilder. Schon bald wurden sie aber vom Kino abgelöst, die Pavillons verschwanden. Das Monumentalwerk von Louis Braun wurde einige Jahre herumgeschoben und landete 1924 im Estrich des Murtner Werkhofs.

Seit fast achtzig Jahren verpackt

Von Zeit zu Zeit hatten Interessierte einen Blick darauf geworfen, doch ganz hat das Panorama seither niemand mehr gesehen. 1996 bildete sich eine Stiftung mit dem Ziel, der Öffentlichkeit diesen Blick auf die Vergangenheit zu ermöglichen. «Gerade in einer Zeit, in der Interaktion gross geschrieben wird, erscheint es uns logisch, die beiden Zeiten miteinander zu verknüpfen», erklärte Stiftungsrats-Präsident Jean-Baptiste deWeck. Auch das Schlachtpanorama glänzt nämlich mit Spezialeffekten, die die Wahrnehmung täuschen.

Mitten im Geschehen mit
dreidimensionalen Effekten

Die Beobachter stehen in die Mitte des Rundbaus und können das rundherum angelegte Bild anschauen. So hat man das Gefühl, man sei mitten im Schlachtgetümmel. Mit herausragenden Schwertern, richtigen Wassertümpeln und Glitzern auf dem Bild kommt ein Drei-Dimensionen-Gefühl auf. Auch mit Licht und Schatten wird immer wieder gespielt. Volker Schaible zeigt sich überzeugt, «dass das Murtner Panorama der grosse Hit der Expo.02 werden wird.» Jeweils 250 Personen werden mit einem Fährschiff auf den Monolith im Murtensee hinaustransportiert. Im 34 mal 34 mal 34 Meter grossen Steinblock gibt es drei Ebenen:das Panorama 2000, an dem moderne Schweizer Künstler arbeiten, die Aussicht auf den realen Murtensee sowie zuoberst das Schlachtpanorama.

Kann aber das Werk bis zum Beginn der Expo restauriert werden? Volker Schaible ist davon überzeugt: «Das Werk wurde insgesamt erst zehn Jahre vorgeführt. Es ist in einem aussergewöhnlich guten Zustand. Deshalb bin ich überzeugt, dass ich mit einem Team von acht bis zehn Leuten in einem Jahr die Restaurierung schaffen kann.» Die Finanzierung ist gemäss Volker Schaible noch nicht ganz sicher:«Wir müssen bis zum November noch zwei Millionen Franken auftreiben.» Er ist aber überzeugt, dass für dieses historisch so wertvolle Kunstwerk Sponsoren zu finden sind.
Dank der Freude von Jean Nouvel am Schlachtpanorama hat die Vorführung alle Redimensionierungen der Expo überstanden. Dazu hat die Einzigartigkeit des Werks einiges beigetragen: Es ist das einzige erhaltene Panorama von Louis Braun, das einzige Rundgemälde aus der älteren Schweizer Geschichte und eines der grössten Bilder der Schweiz.

Und nach der Expo?

Was nach der Expo aus dem Murtner Schlachtpanorama wird, konnten Jean-Baptiste de Weck und Volker Schaible am Freitagabend am Comptoir de Romont noch nicht sagen. Sie freuen sich erst einmal, dass die Expo ihnen eine Plattform bietet, um die 1000 Quadratmeter vollständig zu zeigen. Und wenn die Leute es einmal gesehen haben, wird man sicher eine Möglichkeit finden, um das Panorama nicht nochmals 80 Jahre verstauben zu lassen.

Viele Kontakte für Seebezirk

Die Verantwortlichen des Seebezirkler Auftritts am Comptoir de Romont zogen zufrieden Bilanz. «Wir haben viele neue Kontakte mit der Region an der Glane ziehen können», erklärte Daniel Lehmann, Präsident des Regionalverbandes See für Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Dieser Verband hat den Auftritt koordiniert. «Für uns war das Engagement sehr gut, aber es hat auch gezeigt, dass wir uns in der Organisation eines solchen Auftritts noch verbessern können», fügte Daniel Lehmann an.

Der Stand des Seebezirks hat einiges zum Gesamterfolg des Comptoirs beigetragen. Er bot auch jungen Künstlern und Gruppen aus dem Bezirk eine Plattform, um sich einem neuen Publikum zu zeigen. Diese wurde rege benützt und die Vorführungen kamen meist gut an. Auch die Eglifilets aus dem Murtensee, die Bretzeln und vielen anderen Köstlichkeiten liessen den Passanten das Wasser im Mund zusammenlaufen. Zu den Darbietungen gehörte auch der Vortrag über das Schlachtpanorama (siehe Text links).