Archiv 06.01.2001

Rund 300 000 Franken Beute in Sugiez

Rund 300 000 Franken Beute in Sugiez

Der vierte Überfall auf die Wistenlacher Filiale der ehemaligen Ersparniskasse Murten

Die Filiale der Valiant Bank (ehemals Ersparniskasse Murten) in Sugiez ist zum vierten Mal ausgeraubt worden. Beim bewaffneten Überfall wurde der Filialleiter leicht verletzt; die Täter erbeuteten gegen 300 000 Franken.

Von URS HAENNI

Nach Angaben der Kantonspolizei Freiburg haben zwei maskierte oder verhüllte Täter am Donnerstagabend kurz vor 18 Uhr mit einem Vorschlaghammer ein Fenster im hinteren Teil des Bankgebäudes ein-
geschlagen. Sie gelangten so ins Innere der Bank, in der sich noch der Filialleiter und ein Angestellter befanden.

Der Filialleiter versuchte zu fliehen, wurde aber in einer Schleuse zwischen zwei Räumen überwältigt. Auch der Bankangestellte wurde daraufhin in die Schleuse gesperrt.

Dem Filialleiter, der bereits zum zweiten Mal überfallen wurde, gelang es, sich aus der Schleuse zu befreien. Dies bemerkte einer der Bankräuber und schlug ihm darauf mehrere Male mit einer Pistole auf den Kopf und den Rücken. Es löste sich auch ein Schuss aus der Waffe, aber niemand wurde getroffen.

In der Zwischenzeit zwang der andere Täter den Bankangestellten, ihm Zugang zum Geld zu verschaffen. Gemäss Michael Bauer, Leiter Region West der Valiant Bank, dürfte es sich um eine Beute von rund 300 000 Franken handeln.

Der Filialleiter erlitt einen Schock und leichte Verletzungen. Er wurde in ärztliche Pflege gebracht. Die beiden Überfallenen wurden gestern von Spezialisten der Valiant Bank psychologisch betreut.

Polizei sucht Zeugen

Die Täter entkamen mit einem in der Nähe parkierten Fahrzeug. Die Polizei machte sofort eine Grosskontrolle in der Umgebung, konnte die Täter aber bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht schnappen. Noch gestern waren rund 30 Beamte mit Spurensicherung und Kontrollen beschäftigt. Auch die Videoaufnahmen wurden ausgewertet.

Gemäss ersten Ermittlungen hatten die Bankräuber den Zugang zur Bank vorbereitet. Sie müssen schon am Vorabend am Tatort gewesen sein.
Aus diesem Grund sucht die Kantonspolizei mögliche Zeugen. Wer Informationen im Zusammenhang mit dem Überfall liefern kann, ist gebeten die Sicherheitspolizei in Freiburg (026/305 19 19) zu kontaktieren. Insbesondere möchten die Beamten wissen, ob in letzter Zeit Personen mit merkwürdigem Benehmen oder verdächtige Fahrzeuge in Sugiez und in der Umgebung der Bank bemerkt wurden.
Standort in Frage stellen?

Der erste Überfall auf die Bank in Sugiez ereignete sich zu Beginn der 90er Jahre; der Täter konnte damals kurz darauf gestellt werden. Im Dezember 1998 wurde eine Angestellte nach Feierabend entführt und am nächsten Morgen gezwungen, die zwei Täter in die Bank zu führen und ihnen Geld auszuhändigen. Die Beute damals: 500 000 Franken.

Im Dezember 1999 überfiel ein bewaffneter Täter eine Angestellte, welche gerade das Bankgebäude öffnen wollte. Damals erbeutete der Unbekannte 250 000 Franken.

Beim Überfall vom Donnerstag, wiederum im Winter, beträgt die Beute rund 300 000 Franken. Und abermals ist die Täterschaft auf eine andere Art vorgegangen. «Ein Restrisiko ist nie auszuschliessen», erklärt Regionalleiter Michael Bauer. Aufgrund der früheren Überfälle sind nun immer zwei Angestellte in der Bank anwesend, sie sind mit persönlichen Alarmgeräten ausgestattet. Überwachungskameras wurden installiert und die maximale Geldsumme auf 400 000 Franken limitiert.

Wird nun gar der Standort der Filiale in Frage gestellt? «Die Frage müssen wir uns nun tatsächlich stellen», sagt Michael Bauer. Eine Antwort gebe es allerdings noch nicht.

In Sugiez liegt das Gebäude direkt an der Strasse, innert kürzester Zeit kann man in viele Richtungen entkommen. Dazu ist es im Winter rund um die Bank morgens und abends dunkel, und gegen den See gibt es Ferienhäuser, die in der kalten Jahreszeit meist leer stehen.

Michael Bauer ist sich bewusst, dass es in Zukunft schwierig werden wird, Personal für Sugiez zu finden. Er fragt sich gar, ob man für Angestellte der Filiale in Zukunft eine Risikoprämie bezahlen müsste. uh