Archiv 28.01.2005

Tee mit Gonzagues Freund

Tee mit Gonzagues Freund

Paul König aus Murten veranstaltet Literaturanlässe im Beaulieu

Wenn es im Kulturhaus Beaulieu in Murten um Literatur geht, ist Paul König nicht weit. Seine Lieblingsthemen sind Geschichte, Religion - und Gonzague de Reynold.

Von PATRICK HIRSCHI

Beim Porträtieren von Intellektuellen greifen Autoren gerne auf Klischees zurück: chaotische Zustände in der heimischen Wohnung oder wirres Dozieren werden dankbar aufgegriffen und genüsslich dargelegt.

Damit ist einem aber wenig geholfen, wenn man sich mit der Person von Paul König-Hertig beschäftigt. Sein Haus am Wilerweg in Murten ist im urschweizerischen Chaletstil gebaut. Wer in seinem Innern Chaos erhofft oder befürchtet hat, sieht sich getäuscht. Zwar hat sich im Laufe der Zeit beim 71-Jährigen einiges an Bildern und Schriftstücken angesammelt, die in der kleinen Wohnung Platz beanspruchen. Aber alles in allem sieht es bei Paul König und seiner Frau Dorothea aus wie in vielen anderen Rentnerwohnungen: dunkle Möbel älteren Jahrgangs, Spannteppich sowie grosse und kleinere Stoffdecken überall. Zwei Katzen runden die Idylle ab.

«Religiöser Sozialist»

«Kommen Sie herein, es gibt nachher Tee», wird man begrüsst. Und kaum hat man auf dem Sofa Platz genommen, ist man mitten im Gespräch mit Paul König - oder lauscht vor allem, was er zu sagen hat. Gonzague de Reynold, der umstrittene aristokratische Schriftsteller aus Cressier (Grissach), ist eines seiner Lieblingsthemen. Vehement verteidigt König den Mann, mit dem ihn eine schöne Freundschaft verbunden hat.

Es ist nicht einfach, Paul König politisch einzustufen. Von 1973 bis 1980 sass er im aargauischen Verfassungsrat in der Fraktion der Sozialdemokraten, ohne deren Partei anzugehören. Der «religiöse Sozialist mit Neigung zu einer liberal-konservativen Weltauffassung» (König über König) ist Protestant, sein Denken aber bewege sich in den Bahnen einer evangelischen Katholizität, wie er selber sagt.

Spricht man ihn auf die heutige Politik an, lässt er kaum ein gutes Haar an ihr. Weder links noch rechts noch in der Mitte fänden sich Leute mit mutigen Ideen, bemängelt er. Ganz anders als - da haben wir es wieder - Gonzague de Reynold und sein «Europäischer Gedanke». Wenig kann er mit dem Freisinn anfangen, noch weniger mit der gegenwärtigen Wirtschaftsphilosophie, die einzig auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sei.

Von Baden nach Murten

Paul König ist in Baden (AG) geboren und aufgewachsen. Er studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie und doktorierte 1960 in Basel. Er unterrichtete an verschiedenen Mittel- und Bezirksschulen in der Schweiz. Weil seine Frau 1983 ein volles Lehramt übernahm, wurde er Hausmann. Daneben arbeitete er für sich literarisch und wissenschaftlich sowie als Übersetzer und Herausgeber. Er verfasste verschiedene historische Werke, aber auch Gedichte. Lange war er zudem Mitarbeiter der Studentenzeitschrift «Civitas».

Noch während seiner Zeit in Baden hatte er in Murten eine Zweitwohnung. Seit etwa zwei Jahren lebt er nur noch in Murten.

Dichterlesungen und weitere Ideen

Als Aktivmitglied des Trägervereins «Kultur im Beaulieu» veranstaltet Paul König regelmässig Literaturabende im ehemaligen Gärtnerhaus im Beaulieupark. Letzen Herbst referierte er über Jeremias Gotthelf, gar zweimal bereits über Gonzague de Reynold. Heute Abend spricht er über Jean Rudolf von Salis, den Historiker und bekannten Radiosprecher während des Zweiten Weltkriegs (siehe Kasten). Bereits während seiner Zeit als Bezirkslehrer habe er einmal wöchentlich eine Lesegesellschaft veranstaltet, erinnert sich König.

Und er hat bereits weitere Vortragsideen. So soll es bald schon Dichterlesungen geben im Beaulieu. Und er wolle den Zuhörern Carl Jakob Burckhardt, den ehemaligen Präsidenten des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), näher bringen. Der war übrigens verheiratet mit der Tochter von Gonzague de Reynold.
Der Weltchronist

Durch seine Radiokommentare in der Sendung «Weltchronik» wurde Jean Rudolf von Salis berühmt. Der Berner Historiker (1901-
1996) war beliebt wegen seiner nüchternen, unabhängigen und differenzierten Berichterstattung zum politischen und militärischen Geschehen während des Zweiten Weltkriegs.

Paul König will in seinem Vortrag die «faszinierende aristokratisch aufgewachsene Persönlichkeit» von Jean Rudolf von Salis schildern. König stützt sich dabei auf von Salis' Autobiografie «Grenzüberschreitungen». hi

Kulturhaus Beaulieu, Murten: Freitag, 28. Januar, 20 Uhr. Eintritt frei, Kollekte.