Archiv 27.03.2000

«ABC»-Schule beim zweiten Buchstaben

Wenn das «A» im «ABC» genannten Projekt des Architekturbüros Arthur Lotti AG für Umbau und Renovation des Tafersner Primarschulhauses für «Auswahl des Projektes», das «B» für «Bewilligter Planungskredit» und das «C» - mit etwas archaischer Orthographie - für «Constructionscredit» steht, so ist man nun beim Buchstaben «B» angelangt.

Planungskredit von 500 000 Franken für Primarschule Tafers

Seit 1911 steht das Tafersner Primarschulhaus und in den bald neunzig Jahren seiner Existenz wurde es - wie der zuständige Gemeinderat Charles Riedo an der kommunalenVersammlung erläuterte - nie markant umgebaut oder renoviert. Hauptproblem ist an der Primarschule die akute Raumnot. Eine Kindergartenklasse sei so gegenwärtig in einem kleinen Raum im Untergeschoss der Turnhalle untergebracht. Die beiden anderen Kindergartenklassen «wohnten» im neben dem Schulhaus stehenden «Schlössli», wo sie jedoch den kantonalen Richtlinien nicht entsprechende Bedingungen vorfänden.

Des Weiteren besteht ein Manko an Werk- und Handarbeitsräumen sowie an Arbeits- und Aufenthaltsräumen für die Lehrerschaft. Auch ein Mehrzweckraum fehle. All dieseMängel soll ein neuer Anbau, welcher sich gemäss «ABC»-Vorprojekt zwischen bestehendem Schulhaus und Schlössli «dahinzöge», beheben.

Nicht mehr als sechs Millionen

Not tut laut Gemeinderat auch eine gründliche Renovation des bestehenden Gebäudes. Da jedoch - wie Ammann Edi Hertli ausführte - nun schon Schulden von rund 16,5 Millionen Franken die Tafersner Finanzen plagen, hat der Gemeinderat die oberste Limite für die Kosten von Ausbau und Renovation der Primarschule auf sechs Millionen Franken festgelegt. Der Neubau soll für 3,5 bis vier Millionen zu haben sein, für die Renovation geht man im Gemeinderat «nach jetzigen Erkenntnissen» von Kosten zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Franken aus.

Für die Finanzierung des Unterfangens hat der Gemeinderat drei mögliche Varianten parat. In der Variante eins - laut Syndic Edi Hertli die «wahrscheinlichste» - geht der Gemeinderat von einer positiven Einnahmeentwicklung aus. Die Gesamtschuld würde so «Ende 2002 ein Maximum von 21,8 Mio.Franken erreichen und ab diesem Zeitpunkt wieder zurückgehen». Variante zwei sieht dank Landverkauf einen Erlös von drei Millionen Franken vor, und Variante drei spricht von einer Steuererhöhung.

Was mit Spielplatz und «Schlössli»?

Anders als es das Schlussskore von 79 zu 5 Stimmen für den Planungskredit vermuten lassen könnte, hatten es die vom Gemeinderat beantragten 500000 Franken vor der Tafersner Gemeindeversammlung nicht allzu leicht. Kritisiert wurde von mehreren der 101 anwesenden Stimmberechtigten, dass man mit dem Neubau dem das Schulhaus umgebenden Spielplatz auf die Pelle rücke. Gemeinderat Charles Riedo entgegnete aber, der Spielplatz werde durch den neuen Anbau nicht entscheidend verkleinert.

Ebenfalls hinterfragt wurde der Einbezug des «Schlössli» in das neue Projekt. Anstatt jenes zu renovieren, würde man es besser abreissen und ein neues Gebäude erstellen, äusserte sich ein Tafersner. Charles Riedo bezweifelte dies, verkündete jedoch nach der Abstimmung, man werde «die Sache mit dem Schlössli überprüfen».

Ansporn von Staatsrat Urs Schwaller

Eine Frau fragte sich zudem, warum der Gemeinderat nicht ein anderes Projekt als diesen «Eisenbahnwagen zwischen zwei Häusern» vorgesehen habe. Wenig Freude hatten mehrere Versammlungsteilnehmer an der beantragten Höhe des Planungskredits. Die Hälfte würde reichen, sagte jemand.

Schliesslich warf jedoch Urs Schwaller vor versammelter Gemeinde seine staatsrätliche Autorität in die Waagschale. Der Gemeinderat brauche die Mittel, um weitere Abklärungen zu treffen. Die 500000 Franken seien so gerechtfertigt. Zudem gab der Staatsrat klar zu verstehen, dass man von Seiten des Staates wohl schon in wenigen Jahren den Ausbau von Primarschulhäusern nicht mehr subventionieren wolle. Durch ein weiteres Hinauszögern könnten Tafers Umbau und Erweiterung seines Primarschulhauses also noch teurer zu stehen kommen.

«Budgettreue» Rechnung

Vor dem Primarschulhaus dürfte in Tafers wahrscheinlich noch ein anderes Gebäude merkliche «Veränderungen» erfahren. Wie Gemeinderat Charles Riedo an der Gemeindeversammlung betonte, soll nämlich das der Gemeinde gehörende ASTA-Haus demnächst abgerissen werden. Man könne es kaum noch verantworten, dieses Haus als Wohnung zu vermieten.

Wenig zu reden gab an der Tafersner Gemeindeversammlung das Finanzielle aus dem Jahre 1999. Ammann Edi Hertli konnte eine «budgettreue Rechnung» präsentieren. Die LaufendeRechnung 1999 schloss mit Einnahmen und Ausgaben von je rund zehn Millionen Franken. Die Verschuldung ist auf rund 16,5 Millionen Franken gesunken. Ohne Gegenstimme hat die Gemeindeversammlung die Finanzen von 1999 bewilligt.