Archiv 26.06.2000

Das Schöne überwiegt hundert Mal

Während 39 Jahren unterrichtete Paul Schneuwly als Primarlehrer hunderte von Schülern, zuerst in Bösingen und Plaffeien und dann während 35 Jahren in Düdingen. Bei der Abschiedsfeier beschrieb er den Lehrerberuf als einen Beruf mit hohen Anforderungen.

Paul Schneuwly wird nach 39 Jahren als Primarschullehrer verabschiedet

Düdingen bereitete dem beliebten Lehrer ein würdiges Abschiedsfest. Die Feier begann im Wolfacker-Schulhaus, wo sich seine letzte Schlussklasse, die 5A, deren Eltern, die Lehrerkollegen und Behördenmitglieder versammelt hatten. Mit dem Lied: «Wohlauf in Gottes schöne Welt» bedankten sich seine Schüler unter der Leitung von Marie-Elisabeth Stritt und begleitet von Klavier und Gitarrenspiel für die langen Dienstjahre. Die jungen Musiker vom «Musischen Projekt Düdingen» schlossen sich an mit irischen Volksweisen. Severin Birbaum studierte mit den Kindern Lieder für Geige, Cello und Flöte ein.

Die Schulpräsidentin Ursula Krattinger und die ehemaligen Lehrerkollegen würdigten das Schaffen des engagierten Lehrers. Paul Schneuwly sei ein feinsinniger und musisch begabter Lehrer, der nie die Stimme erheben musste, um sich Respekt zu verschaffen. Seine natürliche Autorität und Ausstrahlung und die pädagogische Begabung hätten immer genügt, um anstehende Konflikte zu lösen. Vielleicht sei dies das Rezept, mit dem eine positive und ertragsreiche Schulkarriere gestaltet werden könne. Die Klasse 5A präsentierte im gut gefüllten Rucksack die wichtigsten Elemente, die das Leben des Primarlehrers sympathisch auszeichneten.

Sizilien-Nordkap retour

Mit einer Rechnung addierte ein Schüler die von Lehrer Schneuwly absolvierten Kilometer von seinem Zuhause bis zur Schule: In den vergangenen 39 Jahren habe Paul Schneuwly 8417,76 Kilometer zurückgelegt, bis er jeweils von zu Hause aus im Schulzimmer angekommen sei, diese Strecke sei mit der Distanz von Sizilien bis zum Nordkap identisch.

Ursula Krattinger skizzierte den Weg, den Paul Schneuwly auf seiner pädagogischen Reise durch den Schulalltag im Laufe der vergangenen Jahre durchlaufen hatte. Im Dorf Düdingen und auch innerhalb der Schule habe sich so manches verändert. Vom bewährten Frontalunterricht habe sich der Stil hin zu den Wochenplan-Stunden gewandelt und neue Medien seien in die Klassenzimmer integriert worden. «Ist das Neue auch alles gut?», fragte sich da manch einer. Je nach Standpunkt antworte ein Lehrer dann vielleicht mit dem Satz: «Alles Wissen stammt aus der Erfahrung.»
Paul Schneuwly habe sich während seiner ganzen Schulkarriere auch intensiv der Musik gewidmet. Als Organist und Dirigent leitete er manche Festaufführung. Sein musikalisches Engagement wird er ab dem kommenden Herbst als Chorleiter in Tafers weiterführen.
Der abtretende Lehrer beschrieb den Lehrerberuf als einen Beruf mit hohen Anforderungen. Lehrer hätten grosse Verantwortung zu tragen, indem sie den Schülern auf der Suche nach der eigenen Identität täglich beistehen müssten, hielt er fest.

Paul Schneuwly wurde nicht nur mit einem Apfelbaum von seinen Schülern und mit einem Rosen-Hochstamm von den Kollegen beschenkt. Zur grossen Überraschung des in Pension gehenden Lehrers wurden die Festbesucher nach dem ersten Teil des Festes in die Kirche gebeten. «Orgelklänge für einen verdienten Lehrer und Musiker» hiess dort das Programm. Hubert Zurkinden spielte an der Orgel: Noel Goemann, «El dia de la fiesta» aus der San Antonio Suite; Jan P. Sweelinck, «Mein junges Leben hat ein End»; «6 Variationen», Claude Balbastre, «Votre bonté grand dieu», «Deuxième Suite de Noël»; Maurice Duruflé, «Choral variée sur le thème de Veni creator»; Eugène Gigout, «Scherzo» und Jean Langlais, «Pensez à l'éternité» aus Huit chants de Bretagne.

Mit Aperitif und festlichem Nachtessen im Kreise von Lehrerkollegen und Behördenmitgliedern klang der liebevoll vorbereitete Festakt für Paul Schneuwly aus.